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Elmar Gruber: Gott ist immer da. Über das Wunder der Barmherzigkeit.
Das religiöse Buch des Monats Februar 2010

Elmar Gruber:
Gott ist immer da. Über das Wunder der Barmherzigkeit.
München: Don Bosco 2009.
- 95 S.

Eine Spende für Menschen in Not, das Kind der Nachbarn vom Kindergarten abholen, wenn die kurzfristig verhindert sind, jemanden an der Kasse vorlassen - immer dann, wenn Menschen einander spontan und ohne eine Belohnung zu erwarten helfen, ist „Barmherzigkeit“ am Werke. Das Wort mag im alltäglichen Sprachgebrauch so gut wie nicht vorkommen, die Haltung ist sehr lebendig. Vielleicht gebrauchen wir das Wort im Alltag deshalb nicht so gern, weil es – neben Heiligkeit und Gerechtigkeit - eine der drei Eigenschaften Gottes bezeichnet.

Elmar Gruber hat die Barmherzigkeit Gottes in den Mittelpunkt seines jüngsten Buches gestellt. In Gottes grenzenloser, an keine Bedingung geknüpfter, ewiger Barmherzigkeit sieht er die Erfüllung der Sehnsucht aller Menschen. Von dieser liebevollen Zuwendung Gottes zu allen Menschen erzählt er nicht in einer theologischen Abhandlung, sondern nähert sich ihr in kurzen, meditativen Texten, auf vielen Seiten von ansprechenden Illustrationen begleitet.

„In Gott ist alles geborgen, alles geeint, / außerhalb von ihm ist nichts. / Auch wenn ich mich von Gott losmache - / er geht nicht weg, / auch wenn er nicht in Erscheinung tritt.“

Auch wenn Gruber Gottes grenzenlose Liebe zu den Menschen in den Mittelpunkt seiner Gedanken stellt, entsteht doch kein weichgespülter Kuschelgott. Zum einen betont er, die Barmherzigkeit Gottes verpflichte den Menschen dazu, selbst barmherzig zu werden – und Gottes Barmherzigkeit durch sich wirken zu lassen. Und dass Barmherzigkeit nicht nur eine schöne Idee ist, sondern auch Anstoß erregt, wird deutlich, wenn er daran erinnert, dass sie allen Menschen gilt. „Aber wenn am Ende alle im Himmel sind, / auch meine Todfeinde, / wofür plage ich mich dann? / Feindesliebe? Nein, danke!“

Zum anderen hat auch die Fremdheit Gottes Platz in seinen Gedanken: „Auch ich muss Gott immer wieder verzeihen, / dass er Gott ist, den ich absolut nicht begreifen kann, / dem ich aber aus vielen Erfahrungen heraus / trotzdem total vertraue. / Es lohnt sich, Gott zu vertrauen, / auch wenn ich ihn nicht verstehe.“

Leid widerspricht in Grubers Augen der Rede von Gottes Barmherzigkeit nicht, aber es bleibt Prüfstein für eine angemessene Gottesrede. Letztlich erhalte der Verstand keine plausible Antwort auf die Frage nach dem Leid. Aber die Erfahrung zeige, dass Menschen durch Leid nicht an Gott irre geworden, sondern ihm näher gekommen seien.

Die Texte beschäftigen sich mit der Anwesenheit Gottes, mit seiner Nähe, mit Liebe und Leid, Tod und Auferstehung. Gruber fragt nach Gottes Nähe, nach den Möglichkeiten Gott zu finden und zu erfahren, sowie nach Vergebung.

Grubers Gedanken sind die Frucht langjähriger Reflexion und reicher Berufserfahrung als Seelsorger, Religionspädagoge und Exerzitienleiter. Das Buch ist das Vermächtnis des 79-Jährigen, wie sein Weggefährte Siegfried Kratz im Vorwort schreibt. Es lohnt sich, dieses Vermächtnis zu lesen und sich von der einfachen, klaren Sprache ergreifen zu lassen. Grubers Texte lassen dem Leser Raum, sich eigene Gedanken zu machen. Wer sich darauf einlässt, macht sich auf einen spannenden Weg zu sich selbst – und zu Gott.

 
25. Januar 2010
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