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Eugen Biser: Der Lebensweg Jesu.
Religiöses Buch des Monats März 2007

Eugen Biser: Der Lebensweg Jesu.
Eine Meditation.
Düsseldorf: Patmos Verlag. - 151 S.

Das Leben des Jesus von Nazareth ist seit 2000 Jahren nicht nur Gegenstand religiösen Glaubens, sondern auch Thema der Kunst. Sowohl den Künstler wie den Betrachter zwingen dabei die Kunstwerke zur eigenen Stellungnahme – insofern werden für Eugen Biser die in den Evangelien in ihrem historischen Kontext dargestellten Ereignisse durch religiöse Kunst „auf quasisakramentale Weise“ vergegenwärtigt, also ähnlich wie in Liturgie und Gebet in die Gegenwart hereingeholt. Der bekannte Münchner Religionsphilosoph hat aus diesem Kunstverständnis heraus – markanten Stationen des Lebenswegs Jesu folgend – verschiedene Werke der bildenden Kunst ausgewählt, um durch die reflektierend-meditierende Betrachtung von deren Zugangsweisen zum religiösen Mysterium immer neue Schlaglichter auf das Geheimnis des christlichen Glaubens zu werfen.

Als übergeordnetes Gliederungsprinzip verwendet Eugen Biser zur Annäherung an Jesu Lebensweg 25 Begriffspaare, die dessen Wirken und Reden in seinem ganzen Spannungsverhältnis der universalen Heilsgeschichte charakterisieren helfen sollen: Dieser Weg reicht von „verkündigt und geboren“ über (unter anderem) „getauft und versucht“, „liebend und geliebt“, „gesalbt und verraten“, „aufschreiend und angenommen“, „auferstanden und veröffentlicht“ bis „einbeziehend und aufgenommen“. Biser legt dabei Wert darauf, den Lebensweg Jesu als unverzichtbare Vorgeschichte für dessen Leidensweg, seinen Gang zum Kreuz aufzufassen. Nicht für jedes Kapitel gibt es ein zugeordnetes Bild – bei anderen Kapiteln dafür gleich mehrere. Insgesamt 28 Bildwerke der Kunstgeschichte werden gedeutet, von frühchristlichen Darstellungen aus der Domitilla-Katakombe bis hin zu Max Liebermann und dem zeitgenössischen Glasmaler Werner Jakob Korsmeier, die meisten Darstellungen entstammen jedoch der Blütezeit abendländischer religiöser Kunst zwischen dem 14. und dem 17. Jahrhundert.

In der Konfrontation mit den zu Grunde liegenden oder weiterführenden Schriftstellen (v.a. aus den Evangelien, aber auch aus der Apostelgeschichte und den Apostelbriefen) tragen die ausgewählten Kunstwerke zur Veranschaulichung der Texte ebenso bei wie umgekehrt das Zitieren der Schrifttexte die Bilder der Alten Meister für den Betrachter von heute vielfach erst zum Sprechen bringt. Darüber hinaus lässt Eugen Biser sich aber auch immer wieder von Theologen und Philosophen der Geistesgeschichte wie der Gegenwart zu seinen Gedankengängen inspirieren. Nicht zuletzt dadurch erfordert die sich auf hohem sprachlichen Niveau bewegende Darstellung von den Lesern eine konzentrierte Lektüre, deren Anstrengung aber durch mannigfache Anregungen zum Weiterdenken und Weiterfragen belohnt wird.

Ein ungewöhnliches Jesus-Buch, das man immer wieder zur Hand nehmen wird.

(Als „Religiöses Buch des Monats“ benennen der Borromäusverein, Bonn, und der Sankt Michaelsbund, München, monatlich eine religiöse Literaturempfehlung, die inhaltlich-literarisch orientiert ist und auf den wachsenden Sinnhunger unserer Zeit antwortet.)

 
23. Februar 2007
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