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Lettres pastorales / Hirtenbriefe
Ausbildung und Beruf als Faktoren der Integration

Wort des Erzbischofs von Luxemburg zum Welttag der Menschen mit Behinderungen.

Die Vereinten Nationen haben den 3. Dezember zum internationalen Tag der behinderten Menschen erklärt. Die Themen „Ausbildung und Beschäftigung“ sollen diesmal im Zentrum der Überlegungen dieses Tages stehen.

Ausbildung, Arbeit und Beruf haben einen hohen Stellenwert in unserer Gesellschaft. Neben dem reinen Broterwerb ist auch die soziale Funktion von Arbeit nicht zu unterschätzen. Gerade Menschen mit Behinderungen haben jedoch häufig Schwierigkeiten damit, adäquate Arbeitsplätze bzw. geeignete rehabilitative Maßnahmen zu finden. Und gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten, dürfte es wohl auch nicht leichter werden, die Beschäftigungssituation behinderter Menschen zu verbessern.

Durch adäquate Maßnahmen zur Förderung der Ausbildungsmöglichkeiten und der Verbesserung der Beschäftigungssituation - durch ein koordiniertes betriebliches Eingliederungskonzept etwa - sollten Arbeitgeber noch stärker motiviert werden, mehr behinderte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer einzustellen. Unerlässlich für eine gute berufliche Integration ist dabei sicher, dass Kindern mit Behinderung von Anfang an gute Chancen im schulischen Bereich bekommen, um später ein möglichst eigenständiges Leben führen zu können. Vor allem darf es bei der Förderung und der Integration in den normalen schulischen Ablauf keine Rückschritte geben.

Ein immerwährend aktuelles Thema im Kontext besserer Zugangschancen im gesamtgesellschaftlichen Alltag ist das der Barrierefreiheit. Dabei geht dieses Anliegen weit über die Abschaffung von Mobilitätsbarrieren (Rampen usw.) hinaus, sondern meint Barrierefreiheit in einem umfassenderen Sinn. Ziel der Barrierefreiheit ist es, für eine uneingeschränkte Teilhabe, Gleichstellung und Selbstbestimmung von Behinderten zu sorgen. Dazu gehört sicher auch die Entwicklung und Realisierung einer flexibleren Informationsunterstützung. Denn, obwohl sich durch Computer, Internet und Handy neue Perspektiven in Ausbildung und Beschäftigung für Menschen mit einer Behinderung eröffnen, obwohl sich durch diese Medien auch neue Informations- und Kommunikationswege auftun, bleiben Menschen mit Behinderung häufig von der Benutzung dieser neuen Informationsquellen aufgrund von Barrieren ausgeschlossen.

Die kirchliche Dienststelle «Service diocésain de pastorale des personnes ayant un handicap» steht derzeit in der Planungsphase eines Projektes „Barrierefreie Kirche“, um dem berechtigen Anliegen einer aktiven Teilnahme aller auch am kirchlichen Leben den nötigen Nachdruck zu verleihen.

Papst Johannes Paul II. schrieb in seiner Enzyklika „Laborem exercens“ („Über die menschliche Arbeit“) aus dem Jahr 1981 Folgendes: „Dem Menschen mit Behinderung (...) muss die Teilnahme am Leben der Gesellschaft in allen Bereichen und auf allen mit seinen Fähigkeiten erreichbaren Stufen ermöglicht werden. Der behinderte Mensch ist einer von uns (...). Es wäre eines Menschen von Grund auf unwürdig und eine Verleugnung der gemeinsamen Menschennatur, wenn man zum Leben der Gesellschaft und so auch zur Arbeit nur voll Leistungsfähige zuließe, weil man damit in eine schwere Form von Diskriminierung verfiele.“

Es ist doch letztlich der Weg der gemeinsamen Partizipation aller an dieser Gesellschaft, der unser Zusammenleben menschlich, das Miteinander freundlich und tolerant sowie das eigene Leben lebens- und liebenswert macht.

Jean Vanier, Gründer der „Arche“, einer christlichen Lebensgemeinschaft mit behinderten Menschen, wurde vor einigen Jahren von Papst Johannes Paul II. für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Am Ende der Feier half Vanier dem behinderten Papst aus dem Stuhl. Er führte ihn zu seiner Gruppe und der Papst begrüßte jeden Anwesenden ganz persönlich. Dann verabschiedete er sich. An der Tür hielt Johannes Paul für einen Moment inne, drehte sich um und rief den behinderten Menschen zu: „Führt die Kirche ins dritte Jahrtausend.“

Luxemburg, am 1. Advent 2004

 
Fernand FRANCK Mgr
Archevêque . Erzbischof
 
 
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