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Lettres pastorales / Hirtenbriefe
Brücken von Mensch zu Mensch

Wort des Erzbischofs von Luxemburg zum Welttag der Menschen mit Behinderungen

Nach dem Wunsch der Veranstalter in Luxemburg sollen Überlegungen rund um die Themen Inklusion und Integration im Zentrum des diesjährigen Jahrestages stehen.
Grob umrissen, lässt sich Integration als Prozess des Zueinanders begreifen. Ein entscheidender Begriff also wenn es um die Verhältnisbestimmung zwischen behinderten und nicht-behinderten Menschen geht.

Integration, Selbstbestimmung und Normalisierung sind wichtige Aspekte in der Begegnung, in der Ausbildung und in der Arbeit mit und für Menschen mit Behinderungen. Gerade im Behindertenbereich hat der Wunsch nach mehr Selbstständigkeit und der Übernahme eigener Verantwortung in den letzten Jahrzehnten immer mehr an Bedeutung gewonnen. Akzeptanz und das Gefühl des Gebrauchtwerdens sind schließlich wesentliche Aspekte des menschlichen Lebens.

In einer leistungsorientierten Gesellschaft werden die begehrten Arbeitsplätze jedoch vornehmlich für leistungsfähige, innovative und kreative Menschen geschaffen und an dieselben auch vergeben. Für die Leistungsschwächeren, die Langsameren, Menschen mit geistigen, körperlichen und psychischen Beeinträchtigungen wird es in dieser Atmosphäre zunehmend schwieriger, sich im Arbeitsmarkt zu halten oder auf Dauer zu integrieren.

Bereits 1981 äußerte sich der verstorbene Papst Johannes Paul II. ganz dezidiert zu dieser Problematik in seiner Enzyklika „Über die menschliche Arbeit“ („Laborem exercens“): „Es wäre eines Menschen von Grund auf unwürdig und eine Verleugnung der gemeinsamen Menschennatur, wenn man zum Leben der Gesellschaft und so auch zur Arbeit nur voll Leistungsfähige zuließe, weil man damit in eine schwere Form von Diskriminierung verfiele.“

Wo sonst, wenn nicht bereits in der Vorschule und in der Grundschule soll der Grundstein für eine spätere Integration in die Arbeitswelt gelegt werden? Wann sonst, wenn nicht bereits in frühen Jahren sollen Kinder und Jugendliche lernen, jeden Menschen unabhängig von seinen Fähigkeiten, seinen Begabungen, seinem Geschlecht, seiner Herkunft oder Hautfarbe anzuerkennen und wertzuschätzen? Brücken von Mensch zu Mensch sind leicht zu bauen, im schulischen Bereich und in der Arbeitswelt - Brücken zwischen Menschen und Brücken zwischen Menschen und Betrieben, um Vorurteile abzubauen und Vertrauen zu stärken. Die Konzeption des integrativen Bildungsmodells ist dem der „Besonderung“ in den meisten Fällen den Vorzug zu geben. Schließlich ist allen klar, dass eine umfassende soziale Integration behinderter Menschen nur möglich ist durch Eingliederung (Inklusion), nicht durch Ausgliederung.

Der Zusammenhalt und auch das gemeinsame Wohl in einer pluralistischen Gesellschaft hängen von der Stärke ihres Integrationspotentials ab: ob auch die Schwächsten und Benachteiligsten in diesem Prozess des Zueinanders mitberücksichtigt werden. Die Vision der Teilnahme aller an diesem Prozess, gehört zur Identität des Christen und der Kirche. Integration ist deshalb stets Aufgabe und Ziel christlichen Handelns im Sinne gelebter Nachfolge.

Letztlich ist es doch der Weg der Partizipation aller an dieser Gesellschaft, der unser Zusammenleben menschlich, das Miteinander freundlich und tolerant sowie das eigene Leben lebens- und liebenswert macht.

Luxemburg, am 1. Advent 2005

 
Fernand FRANCK Mgr
Archevêque . Erzbischof
 
 
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