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Lettres pastorales / Hirtenbriefe
Der Weg zu Gott führt über den Menschen
Theologisch-pastorale Weisung zum Beginn der Fastenzeit
Die Fastenzeit, auch österliche Bußzeit genannt, ist die vierzigtägige Vorbereitungszeit der Kirche auf die österliche Feier der Auferstehung Jesu von den Toten. Sie beginnt mit dem Aschermittwoch und endet mit dem Karsamstag. Beim Gottesdienst an Aschermittwoch lassen sich die katholischen Christen zum Auftakt der Fastenzeit ein Kreuz aus Asche auf die Stirn zeichnen als Symbol der Vergänglichkeit allen Lebens. Die Austeilung der Asche ist Appell zur Umkehr und zur Vorbereitung auf Ostern. Sie erfolgt mit den Worten: „Bedenke, Mensch, dass du Staub bist und wieder zum Staube zurückkehrst.“ In der Liturgie-Konstitution des Zweiten Vatikanischen Konzils von 1964 heißt es zur Fastenzeit: „Die vierzigtägige Fastenzeit hat die doppelte Aufgabe, einerseits vor allem durch Tauferinnerung oder Taufvorbereitung, andererseits durch Buße die Gläubigen, die in dieser Zeit mit größerem Eifer das Wort Gottes hören und dem Gebet obliegen sollen, auf die Feier des Pascha-Mysteriums vorzubereiten“ (SC 109). Es gibt bereits Zeugnisse aus dem zweiten Jahrhundert, dass sich Christen durch einige Tage Trauerfasten auf das Osterfest vorbereitet haben. Seit dem vierten Jahrhundert ist die vierzigtägige Fastenzeit vor Ostern fester Brauch der Kirche. Der Zeitraum von vierzig Tagen ist biblischen Ursprungs. Vorbild hierfür war Jesus selbst, der sich vor seinem öffentlichen Auftreten vierzig Tage in die Wüste zurückgezogen hatte, um zu fasten (vgl. Mt 4,1-4). Bereits im Alten Testament zählte das Fasten zu den spirituellen Eckpfeilern Israels: „Es ist gut, zu beten und zu fasten, barmherzig und gerecht zu sein“, heißt es im alttestamentlichen Buch Tobit (Tob 12,8). Es wird unter anderem berichtet, dass Mose während der vierzig Tage auf dem Berg Sinai fastete (vgl. Ex 24,18). Elija wanderte vierzig Tage zum Berg Horeb ohne etwas zu essen (vgl. 1 Kön 19,8). Das Fasten schließt also immer eine Haltung des Glaubens, der Demut und des Bewusstseins der Abhängigkeit von Gott ein. Pastorale Weisung Es obliegt dem Ortsbischof, näher zu bestimmen, welche Gestalt das Fasten während der österlichen Bußzeit auf dem Gebiet der Teilkirche haben soll. Buße kann dabei verschiedene Formen annehmen. Seit langem hat die Kirche das rigorose Fastengebot für diese Zeit gemildert, um die Buße persönlicher und deshalb auch authentischer werden zu lassen. Das Fasten zielt letztlich nicht auf Äußerliches, sondern ist stets Ausdruck der inneren Gesinnung. Menschen fasten, um sich auf sich selbst und ihr Verhältnis zu Gott zu besinnen. Deshalb appelliert die Kirche auch im Verständnis der Gestaltung der Buße an die freie Entscheidung und die Eigenverantwortlichkeit aller Christen. Die Fastenzeit soll vor allem auch in einem erweiterten Sinn verstanden werden, der die Gläubigen aller Altersgruppen mit einbezieht: seien es Kinder, die zu Gunsten ihrer Altersgenossen in fremden Ländern Geld- und Sachspenden sammeln, Jugendliche, die gemeinschaftlich zusammenkommen, um sich im Vorfeld der Weltjugendtage auch spirituell auf dieses Ereignis vorzubereiten, Erwachsene, die in ihrem Alltag oftmals vielfachen Einsatz zugunsten ihrer Mitmenschen beweisen. Das durch Fasten Ersparte als Spende zu geben, erhält alljährlich durch die diözesane Fastenaktion „Bridderlech Deelen“ eine weltweite Dimension. Zu den neueren Bräuchen in der Fastenzeit gehört auch der Weltgebetstag. Zum ersten Mal lädt die katholische Kirche in Luxemburg in diesem Jahr zur Aktion „Autofasten“ vom 20. Februar bis 20. März 2005 ein. Es ist dies eine länderübergreifende ökumenische Aktion, die zu einem überlegteren Umgang mit dem Auto aufruft. Nur an zwei Tagen im Kirchenjahr - an Aschermittwoch und Karfreitag - hält die Kirche das strenge Fasten- und Abstinenzgebot aufrecht. An diesen beiden Tagen soll neben einer Stärkung morgens und abends nur eine volle Mahlzeit eingenommen (Fasten) und auf Fleischspeisen verzichten werden (Abstinenz). Das Fastengebot verpflichtet alle Gläubigen, die das 18. Lebensjahr vollendet haben bis zum Beginn des 60. Lebensjahres. Das Abstinenzgebot verpflichtet alle Gläubigen, die das 14. Lebensjahr vollendet haben. Entschuldigt ist, wer durch Krankheit, auf Reisen, am fremden Tisch oder durch schwere körperliche Arbeit am Fasten oder an der Abstinenz gehindert ist. Zur österlichen Vorbereitungs- und Festzeit gehört die volle Teilnahme an der Feier der Eucharistie - insbesondere in diesem „Jahr der Eucharistie“. Ohne die heilige Messe kann die Kirche nicht leben, weil die Feier des sich opfernden und auferstandenen Herrn ihr Lebensmittelpunkt darstellt. Die Feier der Eucharistie ist die Feier der ‚communio’, d.h. der Gemeinschaft mit Gott. Sie ist aber auch Versammlung, d.h. Feier des Volkes Gottes, das aus der Hingabe Christi lebt. Deshalb soll jeder Christ unbedingt in der österlichen Zeit am Tisch des Herrn teilnehmen. „Die Liebe trägt das Böse nicht nach“ (1 Kor 13,5). - Diese Aussage aus dem ersten Korintherbrief erinnert an die Vergebung als eine der vornehmsten Formen der Liebe. Die Fastenzeit ist besonders geeignet, den Rang dieser Wahrheit zu künden. Jeder, der sich einer schweren Schuld bewusst ist, soll vor dem Empfang der Kommunion auch das Sakrament der Versöhnung empfangen. Auch allen anderen Gläubigen empfiehlt die Kirche, das Bußsakrament in überschaubaren Zeitabständen zu empfangen. Die Zeit für die österlichen Sakramente (Bußsakrament, Kommunion) erstreckt sich in unserer Diözese von Aschermittwoch bis Pfingstmontag einschließlich. Liebe Schwestern und Brüder, beginnen wir mit Zuversicht die diesjährige Fastenzeit, ermutigt durch die Teilnahme an der Feier der Eucharistie und durch Anbetung und Meditation, durch die aufrichtige Bußgesinnung und durch die liebende Aufmerksamkeit gegenüber unseren Mitmenschen. Der Weg zu Gott führt über den Menschen. Uns mit Engagement und Geduld all jenen zuwenden, die unsere Hilfe benötigen, das sei auch in diesen Wochen der österlichen Bußzeit unser besonderes Vorhaben. Maria, die Mutter unseres Herrn soll unsere Begleiterin auf dem Weg der diesjährigen Fastenzeit sein. Möge sie alle Gläubigen zu einer immer tieferen Erkenntnis des gekreuzigten und auferstandenen Christus führen, dem letzten Grunde unserer Existenz. Sie, die treue Weggefährtin ihres göttlichen Sohnes, möge besonders in den schwierigen Momenten des Lebens fürbittend für jeden von uns eintreten. Luxemburg, an Aschermittwoch 2005 Fernand FRANCK Mgr
Archevêque . Erzbischof
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