Erklärung des Erzbischofs von Luxemburg zu den Vorkommnissen um die Piusbruderschaft und Richard Williamson
Für Papst Benedikt XVI. ist die Versöhnung und Einheit in der Kirche ein großes Anliegen. Daher ist er bestrebt, den vier Bischöfen der traditionalistischen Priestergemeinschaft St. Pius X., die 1988 durch den Gründer dieser Gemeinschaft, den französischen Erzbischof Marcel Lefebvre unerlaubter Weise geweiht worden sind, die Hand zu einem weiterführenden und klärenden Gespräch zu reichen. Am Samstag, dem 24. Januar 2009, hob Papst Benedikt XVI. die Exkommunikation der vier Bischöfe auf. Auch nach der Aufhebung der Exkommunikation sind diese Bischöfe weiterhin suspendiert, d.h. sie dürfen in der katholischen Kirche keine Funktion ausüben. Für die volle Eingliederung in die katholische Kirche ist das klare Bekenntnis zum Konzil eine unerlässliche Bedingung.
Das Zweite Vatikanische Konzil war das Schlüsselereignis der katholischen Kirche auf dem Weg ins dritte Jahrtausend. Die Beschlüsse dieses Konzils sind und bleiben wegweisend und verbindlich für Theologie und Kirche. Auch der Papst kann und will nicht dahinter zurückgehen. Das Bekenntnis zum universalen Heilswillen Gottes, das Kirchenverständnis von „Lumen Gentium“, die Erklärung der Religions- und Gewissensfreiheit, die positive Ausrichtung des Verhältnisses zu den Juden, die Förderung der Ökumene und des interreligiösen Dialogs, die Erneuerung der Liturgie, die Neubesinnung auf das Verhältnis von Kirche und Welt - all diese Aussagen des Konzils entsprechen dem Zeugnis der Heiligen Schrift und der Weiterentwicklung der kirchlichen Tradition.
Theologie und Pastoral sind und bleiben ohne Wenn und Aber dem Erbe des Zweiten Vatikanischen Konzils und seinen zentralen Anliegen verpflichtet. Die Einheit der Kirche ist ein hohes Gut, dem zu dienen eine herausragende Aufgabe des Papstes und der Bischöfe ist. Wer immer sich zur Kirche bekennt und dort eine Beheimatung sucht, kann nicht wesentliche Grundanliegen des Konzils in Frage stellen.
Dass die Aufhebung der Exkommunikation der vier konservativen Bischöfe mit den unsäglichen Äußerungen eines Einzelnen, nämlich Richard Williamsons, zusammenfallen, ist eine tragische und zutiefst bedauerliche Verknüpfung, die man meiner Einschätzung nach bei den zuständigen vatikanischen Stellen hätte voraussehen können.
Das Faktum, den Holocaust zu leugnen, löst bei jedem normal denkenden Menschen Schrecken und Empörung aus. Im Zweiten Weltkrieg und bereits davor sind furchtbare Verbrechen am jüdischen Volk geschehen. Menschen sind bewusst verfolgt und umgebracht worden, weil sie jüdischen Glaubens waren. Was Bischof Willamson gesagt hat, ist furchtbar und unverantwortlich. Und ich verstehe, dass die jüdischen Mitbürger entsetzt darüber sind und auch viele andere Menschen fassungslos vor solchen Aussagen zurückschrecken. Papst Benedikt XVI.
hat während der Generalaudienz vom 28. Januar 2009 die Aussagen des traditionalistischen Bischofs unmissverständlich zurückgewiesen und seine Solidarität mit den Juden sowie die Verpflichtung der katholischen Kirche gegen jede Form von Antisemitismus und Antijudaismus unterstrichen.
Es darf unter den Katholiken und in der Öffentlichkeit keinen Zweifel über den am Zweiten Vatikanischen Konzil ausgerichteten Kurs der katholischen Kirche geben. Die Brücken zueinander dürfen nie abgebrochen werden. Wir brauchen den Dialog. Ja, wir schulden den Dialog dem jüdischen Volk und wir schulden den Dialog uns selbst.