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Lettres pastorales / Hirtenbriefe
Ich habe jemanden, der mich trägt
Bischofswort zum Welttag der Kranken am 11. Februar 2005

Kranksein bedeutet individuell immer eine Krise. Der kranke Mensch erlebt sich als gestört und eingeschränkt; gewohnte Lebensfunktionen und Lebenszusammenhänge sind in Frage gestellt. Der kranke Mensch fühlt sich hilflos und auf andere angewiesen. Oft leidet er an diesem Erleben von Ohnmacht und Einsamkeit. Und manchmal beschleichen ihn Angst und Zweifel.

Im Johannesevangelium wird die ganze Hilflosigkeit eines Kranken in der resignierenden Bemerkung ausgedrückt: „Ich habe keinen Menschen, der mich trägt!“ (Joh 5,7).
Gott sei Dank muss nicht jeder Kranke diese schlimme Erfahrung machen. In den Krankenhäusern sorgen sich viele um den kranken Menschen. Neben Ärzten, Krankenschwestern und Pflegern, neben den Seelsorgerinnen und Seelsorgern und neben den Familienangehörigen suchen Frauen und Männer, den Kranken in der Zeit ihres Krankenhausaufenthaltes durch viele kleine Dienste zu helfen. Das ehrenamtliche Engagement in der Begleitung kranker Menschen ist ein grossartiges Zeichen von Nähe und Fürsorge.

Wer nicht mehr für sich selbst sorgen kann, wer in seiner Beweglichkeit eingeschränkt ist, wer für einfache und kleinste Dinge auf andere angewiesen ist, weiss die Nähe von Menschen zu schätzen, die einfach da sind und bereit sind, das zu tun, was gerade getan werden muss in Pflegeheimen, Spitälern und zu Hause.
Dasein, Begleitung, Fürsorge sind Werte, die allerhöchste Anerkennung verdienen: sie müssen bekannt gemacht werden, sie müssen als wichtiger Bestandteil der Sorge um den kranken Menschen gesehen werden - und ihnen muss die entsprechende Wertschätzung und der angemessenen Dank ausgesprochen werden.
Anlässlich des Tages der kranken und alten Menschen hat die kirchliche Dienststelle für Kranken- und Altenpastoral diesen Aspekt dankenswerter Weise aufgegriffen und eine Dimension ehrenamtlichen Engagements in den Vordergrund gestellt, der selten im Rampenlicht der Öffentlichkeit steht.

Dank der Bereitschaft vieler, die sich als einzelne oder als Mitglieder von Vereinigungen und Gruppen in den Dienst der kranken Mitmenschen stellen, kann vielleicht jeder Patient in einem Krankenhaus beruhigt sagen: „Ich habe einen guten Menschen, der sich um mich sorgt, der mich trägt - auch im Gebet.“

Luxemburg, den 2. Februar 2005

 
Fernand FRANCK Mgr
Archevêque . Erzbischof
 
 
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