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Lettres pastorales / Hirtenbriefe
In was für einer Gesellschaft wollen wir leben?
Wort des Erzbischofs von Luxemburg zum internationalen und europäischen Tag der Menschen mit einer Behinderung

Auf Vorschlag der Europäischen Kommission lautet das diesjährige Thema zum 3. Dezember: „Jugend = Zukunft: Eine Zukunft der Chancengleichheit für alle“. Von diesem Thema der Chancengleichheit her sollen sich alle Aktionen zu diesem Tag und darüber hinaus inspirieren lassen.

Chancengleichheit, Integration, Partizipation sind entscheidende Begriffe wenn es um die Ver-hältnisbestimmung zwischen behinderten und nicht-behinderten Menschen geht. Gerade für junge Menschen ist ein guter Start in ihr zukünftiges gesellschaftliches Leben von grundlegender Bedeutung. Denn wo sonst, wenn nicht bereits in der Schule soll der Grundstein für eine spätere Integration in die Arbeitswelt und in die Gesellschaft gelegt werden? Der Zusammenhalt und auch das gemeinsame Wohl in einer pluralistischen Gesellschaft hängen letztlich von der Stärke ihres Integrationspotentials ab.
Die gesellschaftliche Entwicklung der Zukunft hängt von uns allen ab. Die Frage: In welcher Gesellschaft wollen wir leben?, richtet sich nicht nur an andere, sondern direkt an uns. Sie fordert uns heraus.
Was ist uns wichtig? – Was muss uns wichtig bleiben? Welche Werte, Prinzipien und Konzepte sollen auch in Zukunft eine wichtige Rolle in unserem Zusammenleben spielen? Welche Vision des Menschen haben wir letztendlich? Welche Vision des Menschen wollen wir verteidigen? Das zukünftige Gesicht der Gesellschaft sollte nicht allein von den staatlichen Instanzen und von der Wirtschaft gezeichnet werden, sondern auch von Mitgliedern aus der zivilen Gesellschaft - von Christinnen und Christen und von allen Menschen. Im September dieses Jahres hat die katholische Kirche in Luxemburg zu einem Sozialwort eingeladen. In einem mehrmonatigen partizipativen Prozess lädt sie die Christen und alle anderen dazu ein, sich suchend, fragend und ant-wortend in den Prozess der Gesellschaftsfindung einzubringen und am inneren Aufbaus der Gesellschaft mitzuwirken.

In was für einer Gesellschaft wollen wir leben? - Unter diesem Leitthema organisiert auch die kirchliche Dienststelle „Service Diocésain de Pastorale des Personnes ayant un handicap“ in Zusammenarbeit mit anderen kirchlichen Veranstaltern vom 1.-3. Dezember erstmals ein dreitägiges Begegnungsprogramm in Diekirch und Ettelbrück. Ich möchte an dieser Stelle der Erstausgabe dieser kirchlichen Aktionstage im Rahmen des internationalen Tages der Menschen mit Behinderung gutes Gelingen wünschen.

Mensch und Gott

Wie Menschen vom Menschen denken, hängt letztlich immer davon ab, wie sie von Gott denken. Christen bekennen von ihrem Gott, dass er sich nicht zu gut war, ein Mensch unter unendlich vielen zu werden. Seitdem Gott Menschennatur angenommen hat, seit der Geburt eines hilflosen Kindes in einem verlassenen Winkel dieser Welt hat alles, was Menschen einander antun, auch mit Gott zu tun. Der dreimal unfassliche Gott hat im Menschen Jesus sein lebendiges Gleichnis. Genau dieser Gottesgedanke ist es, der den christlichen Glauben einzigartig macht: Er macht feinfühlig dafür, dass etwas so Unbedeutendes, Zerbrechliches, Ängstliches, wie es der Mensch seiner Natur nach ist, zugleich so groß und einmalig sein kann.

Gerade in der anstehenden Advents- und Weihnachtszeit können wir uns von diesen Gedanken leiten lassen.

 
Fernand FRANCK Mgr
Archevêque . Erzbischof
 
 
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