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Lettres pastorales / Hirtenbriefe
Mitgehen und begleiten
Bischofswort zur „Journée Mondiale du Malade 2004“

Am 11. Februar 2004 wird der Welttag des kranken Menschen zum 12. Mal begangen: das Datum steht in direktem Zusammenhang mit den Geschehnissen in Lourdes: seit den Erscheinungen (die erste am 11. Februar 1858) der Gottesmutter ist Lourdes zum Wallfahrtsort unzähliger Menschen, insbesondere auch kranker Menschen geworden.
Die Muttergottes hat sich der jungen Bernadette Soubirous als die Unbefleckte Empfängnis zu erkennen gegeben. Sie ist der Mensch, der wie kein anderer von Gott angenommen ist; zu ihr hat Gott sein unverbrüchliches Ja gesagt; und sie hat mit ihrem Ja - mir geschehe nach deinem Wort - geantwortet.
Wenn die Gemeinschaft der Christen an diesem Tag den kranken Menschen besonders in den Mittelpunkt stellt, dann erinnert sie an dieses dialogische Geschehen: wo der Mensch vom Nein gezeichnet ist, wo seine Gesundheit, sein Glück, ja sein Leben in Gefahr ist, da sagt Gott sein heilendes Ja. In Maria antwortet gleichsam die ganze Menschheit und sagt ihrerseits Ja zu Gott und wie Gott Ja zum Menschen.
Die Sorge um den kranken Menschen weist die Kirche in die Nachfolge Jesu: er hat sich dem Menschen zugewandt, ihn berührt und ihm das heilende Wort gesagt. Dabei kommt immer der einzelne Mensch mit seiner Not, seiner Krankheit und Angst in den Blick. Jesus hat keine Massenheilungen vorgenommen; er hat sich immer der einzelnen Person zugewandt.
Der Welttag des kranken Menschen verweist die Kirche auf diese Praxis Jesu: im Auftrag der Kirche begleiten Krankenseelsorgerinnen und Krankenseelsorger kranke Menschen; sie hören zu und wissen im rechten Augenblick das gute Wort des Trostes und der Ermutigung zu sagen; sie helfen Menschen in der Krise der Krankheit, ihr Leben und auch diese schwere Zeit im Licht des Glaubens zu sehen; sie bieten ihre Dienste an, um ins Wort zu heben, was oft lange unausgesprochen war und wie eine schwere Last über lange Zeit mitgetragen wurde; sie sind manchmal nur einfach da und lassen durch ihre wohlwollende Nähe etwas erspüren von der menschenfreundlichen Güte Gottes.
Wo der kranke Mensch im Mittelpunkt steht, hat Krankenpastoral immer auch mit all den Menschen zu tun, die um den Kranken Sorge tragen: mit den Familienangehörigen, mit den Ärzten und dem Pflegepersonal. Das einfache Da-sein der Seelsorgerin und des Seelsorgers ist wie eine Einladung zum Gespräch und zum Austausch. Seelsorge ist unaufdringlich, aber Seelsorge hat eine Identität und bietet aus ihrem gläubigen Selbstverständnis das Gespräch über die Dinge an, die den Menschen zutiefst angehen. Die Fragen nach Krankheit und Tod, nach Krankheit und Schmerzen, nach dem Sinn des Lebens und des Leidens sind allgegenwärtig im Umkreis des kranken Menschen. In der Seelsorge werden diese Fragen nicht ausgeklammert und umgangen, sie werden zur Sprache gebracht und gemeinsam wird um Antworten gerungen. Die Seelsorgerin und der Seelsorger ist dabei immer bemüht, das Gute Wort des Evangeliums und Wege aus dem Glauben an Jesus Christus ins Gespräch zu bringen.
Letztlich wird vieles, Gesagtes und Ungesagtes, Erlittenes und Durchgehaltenes, im Gebet und im Sakrament aufgehoben werden: der Mensch wird über alles menschliche Wort hinaus an Gott verwiesen; und Gott berührt ihn in seiner liebenden Zärtlichkeit, die zeichenhaft durchscheint in der menschlichen Zuwendung und liebenden Berührung: das Sakrament, das die Kirche spendet, ist dann der dichte Augenblick dieser Hinwendung Gottes zum kranken Menschen.
Ich danke allen, die dem kranken Menschen diese Fürsorge schenken: den Familienangehörigen, den Ärzten, dem Pflegepersonal, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den Krankenhäusern und in der Betreuung der Kranken zu Hause, den Seelsorgerinnen und Seelsorgern in den Krankenhäusern und in den Pfarrverbänden.
Die Sorge um den kranken und sterbenden Menschen ist ein Ernstfall des Glaubens: vor dem kranken und leidenden Menschen zeigt sich, ob und wie ernst es uns ist mit dem Respekt vor der absoluten Würde des Menschen, in der wir gleichsam Gott selbst berühren.

+Fernand Franck
Erzbischof von Luxemburg

 
Fernand FRANCK Mgr
Archevêque . Erzbischof
 
 
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