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Lettres pastorales / Hirtenbriefe
Um der Menschen willen
Bischofswort zur Fastenkampagne « Bridderlech Deelen » 2005

Es stimmt schon sehr nachdenklich, dass scheinbar eine Beziehung besteht zwischen der Betroffenheit der Menschen und der grossen Zahl der Opfer einer Katastrophe. Der Tsunami in Südostasien hat innerhalb kürzester Zeit über zweihunderttausend Menschen in den Tod gerissen. In einer so nie dagewesenen Hilfsbereitschaft haben unzählige Menschen den Überlebenden geholfen.

Trotzdem bleibt die Frage: steht unsere Betroffenheit und Solidarität in direktem Verhältnis zur Zahl der Opfer? Unser christlicher Glaube verweist uns an Jesus von Nazareth: für ihn war jeder einzelne Mensch wertvoll; er hat keine Massen geheilt, sondern einzelne Menschen. Er hat einzelne Menschen mit ihrem Namen gerufen und sie in seine Nachfolge eingeladen.

Christen tun es Jesus Christus nach: Christen sehen den einzelnen Menschen. Christen sorgen sich um jede einzelne Person. Sie erkennen in jedem Gesicht das Ebenbild Gottes. Christen geben dem Einzelnen seine Würde und Rechte. Christen werden sich nie damit zufrieden geben, dass die Mehrheit versorgt ist; sie werden sich gerade dann auf die Suche nach der Minderheit, auf die Suche nach den Vergessenen und Ausgeschlossenen machen.

Christen schauen in der Nachfolge Jesu auf die Person. Der andere hat immer ein Gesicht, eine Geschichte. Der andere verschwindet nicht im ausgerechneten Durchschnitt. Christen leiden sehr wohl darunter, dass in den meisten Fällen nicht allen Menschen in Not geholfen werden kann. Aber sie lassen gerade deswegen die Hände nicht resigniert in den Schoss sinken. Sie fangen einfach bei dem ersten an, sie tun ihr Liebeswerk, ohne mit Zahlen zu spekulieren und Durchschnitte zu errechnen.
Das Fastenhilfswerk „Bridderlech Deelen“ spricht weder vom Tropfen auf den heissen Stein noch jammert es über die weissen Flecken auf der Erdkarte, wo weder Hilfe hinkommt noch jemand für die Ärmsten der Armen da ist. „Bridderlech Deelen“ tut etwas, und das schon seit fast 40 Jahren. „Bridderlech Deelen“ konzentriert seine Arbeit in Afrika, Asien und Lateinamerika auf die Ausbildung und Weiterbildung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Tag für Tag werden junge und weniger junge Menschen ausgebildet; sie lernen lesen und schreiben; dadurch können sie ihren Platz in der Gesellschaft einnehmen, sie können mitreden und mitbestimmen. Die Würde und die Zukunft dieser Menschen ist für „Bridderlech Deelen“ und seine Partner in den verschiedenen Ländern das Wichtigste.

Wenn „Bridderlech Deelen“ in diesem Jahr die Fastenkampagne und das Plakat unter das Motto „Bildungsprojekte“ gestellt hat, dann ist das ein klares und deutliches Bekenntnis zum Menschen: um des Menschen willen wird in Schulen und Bildungseinrichtungen investiert. Wenn Menschen sich durch diese Schulen und durch diese Bildung ihrer Würde bewusst werden und es lernen, sich und andere gegen Übergriffe zu verteidigen, dann wurde ein wichtiger Schritt in eine menschenwürdigere Zukunft getan.
„Bridderlech Deelen“ hat sich im Laufe der Jahre viel Kompetenz und Erfahrung angeeignet. Gerne empfehle ich daher dieses Werk: mit der Hilfe vieler kann es weiter arbeiten zum Wohl der Menschen um der Menschen willen.

Luxemburg, den 31. Januar 2005

 
Fernand FRANCK Mgr
Archevêque . Erzbischof
 
 
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