Der Welttag des Kranken wird am 11. Februar begangen, am Fest Unserer Lieben Frau von Lourdes. Das kleine Dorf am Fuß der Pyrenäen ist im Laufe der Zeit zu einem Ort der Begegnung mit dem Leid und den Krankheiten der Menschen geworden. Hunderttausende kommen an die Grotte von Massbielle, um Trost und Linderung und Genesung zu erbitten. Der Glaube und die Zuversicht der Menschen ist stärker als die Schmerzen und die Verzweiflung.
Das 2. Vatikanische Konzil, das vor nunmehr gut 40 Jahren zu Ende ging, hat in seiner pastoralen Konstitution über die Kirche in der Welt von heute „Gaudium et spes“ gesagt: „Christus ... macht ... dem Menschen den Menschen selbst voll kund und erschließt ihm seine höchste Berufung ... Denn er, der Sohn Gottes, hat sich in seiner Menschwerdung gewissermaßen mit jedem Menschen vereinigt ... Durch Christus und in Christus also wird das Rätsel von Schmerz und Tod hell ... Christus ist auferstanden, hat durch seinen Tod den Tod vernichtet und uns das Leben geschenkt“ (Gaudium et spes 22). Diese Worte behalten ihre Aussagekraft. Sie können Trost spenden und Licht in das Dunkel von Krankheit, Schmerz und Alter bringen.
In Lourdes erleben wir, dass der kranke und alte Mensch nicht allein gelassen wird. Er wird umsorgt und begleitet; unzählige Helfer übersetzen in konkrete Gesten, was das Konzil in so hoffnungsvollen Worten gesagt hat. „Das Evangelium ist die Verneinung von Passivität gegenüber dem Leiden“, sagt Papst Johannes Paul II. (Salvifici doloris 30). Die ganze Geschichte der Kirche und des Christentums ist durchzogen von dem tätigen Zupacken des „guten Samariters“, der sich als Nächster dessen gezeigt hat, der verletzt am Wegrand lag.
Ausdrücklich möchte ich die Arbeit und den Einsatz all derer würdigen, die auf vielfältige Weise dem kranken, schwachen, behinderten, alten und hilfsbedürftigen Menschen helfen. Viele Dienste sind im Laufe der Zeit vom Staat und von unterschiedlichen Institutionen übernommen worden. Aber es bleibt wahr, dass letztlich immer ein Mensch einem anderen Menschen gegenübersteht; und der kranke oder alte Mensch spürt zutiefst, dass der Helfer, ob Arzt oder Krankenschwester, ob Laborspezialist, Therapeut oder Seelsorger mit seinem professionellen Können immer auch Menschlichkeit und Wärme bringt.
Die Kirche ist gesandt, den Menschen das Evangelium des Lebens zu verkünden. Vieles im Leben der Menschen trägt die Zeichen des Schmerzes und des Todes. Sich diesen Zeichen nicht zu verschließen gehört genauso zur „letzten Wahrheit über den Menschen“ (Gaudium et spes 41) wie das Wort des Lebens, das stärker ist als der Tod. Ich möchte hiermit alle Gläubigen ermutigen, mutig und offen das Wort vom Leben zu sagen, und dieses Wort in Taten der Liebe, der Zuwendung und des Daseins zu übersetzen.
Nicht alle Kranken und Betagten können nach Lourdes pilgern. Keinem soll aber die Erfahrung der Liebe und Fürsorge vorenthalten werden. In jedem Krankenzimmer, ob in Krankenhäusern, Altenheimen oder zu Hause, kann etwas spürbar werden von der Liebe Gottes, die sich immer menschlicher Hände und Herzen bedient, um zu helfen, zu verbinden, zu schützen, zu pflegen, zu heilen und zu begleiten.