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Lettres pastorales / Hirtenbriefe
Zum 3. Dezember : Selbstverantwortung und Selbstbestimmung fördern
Wort des Erzbischofs von Luxemburg zum internationalen und europäischen Tag der Menschen mit Behinderungen

Im Jahr 1992 ist der 3. Dezember erstmals von den Vereinten Nationen zum „Internationalen Tag behinderter Menschen“ ausgerufen worden. Es ist seither ein Tag, der weltweit für Aktionen genutzt wird, um auf die Belange von Menschen mit Behinderungen aufmerksam zu machen. Sensibilisieren beinhaltet auch, das Augenmerk auf etwaige Defizite in der Entwicklung zu richten, die gerade Menschen mit einer Behinderung von einer eigenverantwortlichen Teilnahme und Gleichstellung in der Gesellschaft abhalten.

Diesem 3. Dezember 2009 haben die Vereinten Nationen auf Internationaler Ebene das Motto gegeben : „Die Milleniumsentwicklungsziele inklusiv gestalten : Empowerment der Menschen mit Behinderung und ihrer Gemeinschaften auf der ganzen Welt.“ Unter dem schwierigen und unverständlichen Begriff „Empowerment“ verstehe ich den erreichten Zustand von Selbstverantwortung und Selbstbestimmung.

Ich sehe den Vorteil von solchen Internationalen Tage darin, dass sie ein bestimmtes Anliegen nicht nur aus der Warte der westlichen Länder betrachten, sondern die Verhältnisse weltweit in den Blick nehmen. Gerade in Bezug auf die Situation der Menschen mit Behinderungen, auf ihre Lebens- und Entfaltungsmöglichkeiten, auf den Grad ihrer Selbstbestimmung, ist dieser erweiterte Blick notwendig. Und weltweit ist die Situation leider immer noch beklagenswert. Die Zahl behinderter Menschen wird weltweit auf mindestens 500 bis 600 Millionen geschätzt. Davon erhält nur jeder Vierte eine fachgerechte Betreuung. Dramatisch ist die Lage in den so genannten Entwicklungsländern. Dort haben rund 95 Prozent der Behinderten keinen Zugang zur notwendigen medizinischen und therapeutischen Hilfe.

Für uns gelten ethisch relevante Prinzipien wie Beteiligung, Entfaltung und Selbstbestimmung gleichermaßen für alle Menschen. Die biblische Tradition nimmt für diesen Standpunkt ausdrücklich die Rede von Gott in Anspruch, so wichtig erscheint ihr der damit verbundene praktische Gehalt : Gott sondert nicht aus, er schafft keine Abgrenzungen, misst nicht nach äußerlichen Kriterien oder Leistungen. Er erwählt Menschen vielmehr durch ihr bloßes Dasein. Gott schafft Gemeinschaft und jeder soll sich nach seinen Möglichkeiten in diese Gemeinschaft einbringen können.

* * *

Vor wenigen Tagen hat die Adventszeit begonnen. Advent heißt Ankunft. Gott kommt an. - Er kommt auf die Erde. - Er ist schon da. - Er blickt uns an im Gesicht eines jeden Menschen und fordert uns heraus – nicht nur in der Adventszeit.

Ein jüdischer Rabbi fragte einmal : „Wann weicht die Nacht dem Tag ? Woran erkennt man das ?“ Er erhielt die Antwort : „Vielleicht wenn man den ersten Lichtschimmer am Himmel sieht ? Oder wenn man einen Busch schon von einem Menschen unterscheiden kann ?“„Nein,“ sagte der Rabbi. „Die Nacht weicht dem Tag, wenn der eine im Gesicht des anderen den Bruder und die Schwester erkennt. Solange das nicht der Fall ist, ist die Nacht noch in uns !“

 
Fernand FRANCK Mgr
Archevêque . Erzbischof
 
 
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