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Statuts / Statuten
Thesen zu einem Kommunikationskonzept der katholischen Kirche in Luxemburg
Ein Dokument der Diözesankommission „Communication, Presse, Information“

Vorab

Haben wir nicht schon genug bedrucktes Papier?

Warum also noch ein Dokument, mit weiteren Thesen und Wünschen, mit noch mehr
Ideen und Projekten, mit manchen „Die-gibt-es-doch-schon-längst-Aktionen” und einigen
„Die-brauchen-wir-nun-wirklich-nicht-Veranstaltungen”?

Es geht um Dialog!

Die Diözesankommission „Communication-Presse-Information”, die das vorliegende
Dokument erarbeitet und in ihrer Sitzung vom 2. Februar 2004 verabschiedet hat,
wirbt damit um einen offenen und fairen Dialog innerhalb der Kirche und darüber
hinaus, so wie ihn die Diözesanversammlung „Kirche 2005” gefordert hat1.
Deshalb wurde das Dokument auch in Thesenform verfasst, weil so die Möglichkeit
gegeben war, knapp und zum Gespräch herausfordernd zu formulieren. Es wurde verzichtet
auf einen längeren Theorieteil, den man, falls gewünscht, in vielen Büchern
nachlesen kann. Und es wurde solange mit der Veröffentlichung gewartet, bis einzelne
Vorschläge, die einen besseren Informationsfluss auf Diözesanebene ermöglichen
sollen, realisiert waren.

Kommunikation ist die Sache der ganzen Kirche!

Die Diözesankommission kann die Kommunikations- und Dialogbereitschaft der
Kirche in Luxemburg nicht bestimmen. Das können nur die Gemeinden und Pfarrverbände,
die Gremien und Räte, die Gruppen und Vereine, in denen der offene, faire
Dialog und die Mitbestimmung aller am gemeinsamen Tun längst praktiziert werden.
Ihnen kann und will dieses Dokument auf zweierlei Weise helfen: dadurch, dass verschiedene
Angebote gemacht werden, die „auf Abruf” bereitstehen und dadurch,
dass Ideen und Vorschläge die Runde machen und, ergänzt oder verändert, hier und
dort verwirklicht werden können.

Beratung und Hilfe ist gewährleistet!

Anlaufstelle für alle Anfragen ist der vor zwei Jahren geschaffene „Service Communication
et Presse”. Hier können Projekte geplant, Aktionen besprochen und Hilfen
erbeten werden. Die Diözesankommission wird über die Jahre den zu erhoffenden
Prozess begleiten, die Arbeit des „Service Communication et Presse” begutachten und
sich gelegentlich mit eigenen Anregungen und Diskussionsbeiträgen zu Wort melden.
Auf geht’s!
Und so bleibt zu hoffen, dass dieses Thesenpapier seinen Weg in möglichst vielen
Gremien und Arbeitsgruppen findet, dass es diskutiert und geprüft, gelobt und zerrissen
wird, denn: „Kommunikation ist unverzichtbar für den Vollzug des Glaubens und
unverzichtbar für das kirchliche Handeln in der Welt.”2

Luxemburg, im September 2004
MATHIAS SCHILTZ
Präsident der Diözesankommission „Communication-Presse-Information”

1 siehe z.B.: Diözesanversammlung „Kirche 2005”, „Die Kirche in der Welt” Nr. 88 und Nr. 108
2 These 1.1


„Der Mensch ist ein Wesen, das in Beziehungen lebt und Verantwortung erlernt. Das
bedeutet: Die Richtung und das Ziel der Persönlichkeitsentwicklung entscheiden
sich an den Werten, an denen ein Mensch sich orientiert; ebenso an den Vorbildern,
mit denen er sich identifiziert und denen er nacheifert. Dieses dynamische Beziehungselement,
in dem auch Gruppen, Institutionen und Organisationen ihren Platz
haben, stellt auch den Kern dessen dar, was heute als ,Kommunikation’ bezeichnet
wird. Durch Kommunikation - von der persönlichen, zwischenmenschlichen Begegnung
bis hin zu den über technische Medien vermittelten Formen - werden Beziehungen
und Verbindungen aufgebaut und kommen Prozesse in Gang, die auf die
Beteiligten wieder zurückwirken. Personwerdung und Kommunikation sind unauflöslich
verknüpft.”

Chancen und Risiken der Mediengesellschaft - Gemeinsame Erklärung der katholischen Deutschen
Bischofskonferenz und des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (1997) S 36.


„Ihrer ganzen Natur nach zielt die soziale Kommunikation darauf ab, dass die
Menschen durch die Vielfalt ihrer Beziehungen einen tieferen Sinn für Gemeinschaft
entwickeln. ... Nach christlicher Glaubensauffassung ist die Verbundenheit und die
Gemeinschaft der Menschen - das oberste Ziel jeder Kommunikation - ursprünglich
verwurzelt und gleichsam vorgebildet im höchsten Geheimnis der ewigen
Gemeinschaft in Gott zwischen dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist, die
ein einziges göttliches Leben haben.”

Pastoralinstruktion „Communio et Progressio” über die Instrumente der Sozialen Kommunikation
(1971) Nr. 8.


1. Grundsätzliches:

1.1.
Kommunikation ist unverzichtbar für den Vollzug des Glaubens und unverzichtbar
für das kirchliche Handeln in der Welt (Kommunikation nach innen und nach außen).

1.2.
Auch in einem gewandelten gesellschaftlichen Umfeld, mit einer Vielfalt von weltanschaulichen
Gruppierungen, ist die katholische Kirche eine relevante gesellschaftliche Großgruppe, selbst wenn rückläufige Mitgliederzahlen und Vertrauensschwund
eine ständige Herausforderung darstellen.

1.3.
Kommunikationsarbeit unter den gegebenen gesellschaftlichen Bedingungen heißt:
eine verstärkte Pflege der internen Kommunikation durch partnerschaftliches Verhalten
und Dialogbereitschaft auf allen Ebenen, sowie ein Bemühen um eine externe
Kommunikation, die ehrlich, offen und mutig zeigt, dass das Vertrauen in die Liebe
der Weg Jesu und damit der Weg der Christen ist.

1.4.
Eine schlecht oder nicht funktionierende interne Kommunikation führt früher oder später
zwangsläufig zu einer schlechten externen Kommunikation. Manche der echten
Krisen, aber auch die vielen „Stürme im Wasserglas”, die in der Gesamtöffentlichkeit
das Image der Kirche schädigen und ihre Glaubwürdigkeit in Frage stellen, sind hausgemacht
und könnten durch eine konsequentere interne Kommunikation, in die
selbstverständlich alle Mitglieder der Kirche einzubeziehen sind, zumindest minimiert
wenn nicht sogar verhindert werden.

1.5.
Öffentliche Meinungsbildungsprozesse finden heute zunehmend in und durch die
Medien statt. Die Medien sind darüber hinaus zu einem wesentlichen Mittel der
Kommunikation zwischen Menschen geworden, die sich nicht unmittelbar begegnen.
Externe Kommunikation heißt daher vor allem Medienarbeit.
Drei Grundhaltungen sind für die Medienarbeit unerlässlich: Ehrlichkeit, Offenheit
und Transparenz, Grundhaltungen, die selbstverständlich auch in der internen Kommunikation
gelten.

1.6.
In den und durch die Medien bezeugen Menschen vielfach, was ihnen eigentlich wichtig
ist. Beteiligt sich die Kirche an diesem Prozess durch Sinn- und Glaubensangebote,
durch Berichte über das kirchliche Leben und Momente gelebten Glaubens, verkündet
sie auch so das Reich Gottes.

1.7.
Die Kirche hat Anwalt jener Menschen zu sein, die in unserer Gesellschaft oder in der
einen Welt an den Rand gedrängt werden. Kommunikationsarbeit der Kirche heißt
deshalb auch eben diesen Menschen, intern wie extern, eine Stimme zu verleihen und
für ihre Anliegen einzutreten.


2. Interne Kommunikation:

2.1.
Interne Kommunikation richtet sich an die Mitglieder der katholischen Kirche in
Luxemburg. Sie muss zielgruppenorientiert angelegt sein und umfasst sowohl Informationsangebote
als auch darüber hinausgehende Kommunikationsangebote.

2.2.
Folgende Informationsangebote sind zu erstellen bzw. auszuweiten:

2.2.1 eine „Newsletter”, in der die Vielfalt der Kirche und ihre Angebote dargestellt
werden:
mit Nachrichten aus der Kirche in Luxemburg
mit Berichterstattung über „Highlights” der Weltkirche,
mit religiös spirituellen Angeboten (Gebetsanleitungen, Gottesdienstvorlagen,
Gesprächsangeboten, ...)
mit Ankündigungen von Bildungsangeboten und von kulturellen Veranstaltungen.

2.2.2. Elementare Informationen über Christsein und kirchliches Leben heute.

2.2.3. die jeweils aktuelle Gottesdienstordnung auch im Internet

2.2.4. ein pastoral-praktischer Info-Service (Was muss ich tun, wenn ...?)

2.3.
Folgende Kommunikationsangebote sind anzuregen bzw. zu unterstützen:

2.3.1. Medienstände in Kirchen, mit religiös-spiritueller Literatur und Musik, sowie
Videoangeboten

2.3.2. Veranstaltungen zur Erschließung der christlichen Kunst und Kultur

2.3.3. ein Jahreskalender (Bildkalender) mit den Daten der nationalen und lokalen
kirchlichen Festen

2.3.4. ansprechende „Deko” für Gotteshäuser (für verschiedene Gelegenheiten und
Feste)

2.3.5. Erhaltung einer lesernahen religiösen Presse (z.B. Pfarr(verbands)blätter),
durch Bereitstellung von Vorlagen und Anregungen zu deren Gestaltung
und Weiterbildungsangebote für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

2.4.
Ein Diözesanfest, ein Tag der Begegnung aller Mitglieder der Kirche, soll konzipiert
und regelmäßig durchgeführt werden.

2.5.
Die jährliche Marienwallfahrt und andere wichtige Ereignisse der gesamten Kirche
in Luxemburg sollen erneuert werden und verstärkt auf die religiös-spirituellen
Bedürfnisse der heutigen Zeit antworten.

2.6.
Jahresthemen, soweit vorhanden, sollen über das gesamte jeweilige Jahr vermittelt,
paraphrasiert und auf allen Ebenen diskutiert werden.

2.7.
Die Gruppe der hauptamtlichen und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
erhält zusätzlich zu Obigem folgende, zielgruppenorientiert erarbeitete Angebote:

2.7.1. Weiterbildungsangebote, vor allem in den Bereichen Kommunikation,
Medienkunde, Dialog- und Teamfähigkeit, Rhetorik, Umgang mit der Presse
sowie Computer- und Internetkurse.

2.7.2. rasche und präzise Informationen, Berichte und Dokumente aus Kirche
und Gesellschaft.

2.8.
Sowohl regelmäßige festliche Zusammenkommen aller Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter als auch Angebote zum Erfahrungsaustausch sind zu veranstalten bzw.
anzuregen.

2.9.
Die Bereitstellung von Medien für die Bildungsarbeit und die kritische Beurteilung
von Medien stellen einen nicht zu vernachlässigenden Bereich interner Kommunikation
dar. Diese Arbeit wird weiterhin unterstützt.


3. Externe Kommunikation

3.1.
Wie bereits in 1.4. gesagt, heißt externe Kommunikation vor allem Medienarbeit.
Unterscheiden kann man Pressearbeit, Öffentlichkeitsarbeit und Eigenproduktionen
(Internetsite; Radiosendungen; Zeitungsbeilagen,...), auch wenn die Grenzen zwischen
diesen drei Bereichen fließend sind.

3.2.
Die aktive und engagierte Beteiligung an gesellschaftlichen Diskussionen und
Debatten (meistens auch in den Medien) hat offensiv und konstruktiv-kritisch zu
geschehen. Das christliche Verständnis vom Menschen und von der Welt muss dabei
klar zum Ausdruck kommen.
Ebensolche Diskussionen und Debatten sind auch anzuregen bzw. zu fördern
(z.B. durch das Veranstalten von Diskussionsforen, Rundtischgesprächen usw.).

3.3.
Zur Pressearbeit der katholischen Kirche in Luxemburg gehört:

3.3.1. professionell erstellte und regelmäßig versandte Pressemitteilungen an alle
Medien

3.3.2. Organisation von Pressemeetings bei wichtigen Anlässen

3.3.3. Beantwortung von Anfragen von Journalisten.

3.3.4. Vermittlung von Interviewpartnern

3.3.5. Aufbau guter und vertrauensvoller Beziehungen zu Pressevertretern aller
Medien.

3.3.6. Erstellen eines Pressespiegels mit allen relevanten Artikeln über Kirche und
Gesellschaft und Archivieren dieser Artikel.

3.4.
Öffentlichkeitsarbeit heißt für die katholische Kirche in Luxemburg über „Christsein
heute” positiv informieren und eventuell bestehende Vorurteile gegenüber Christen
und Kirche abbauen. Konkret heißt das unter anderem:

3.4.1. Kampagnen organisieren mit dem Ziel, die Öffentlichkeit über das vielfältige
Engagement der Christen und der Kirche sowie über die diesem Engagement
zu Grunde gelegten Überzeugungen zu informieren

3.4.2. Regelmäßige Veröffentlichung von Berichten (Jahresberichten) über die
Aktivitäten der Kirche

3.4.3. Organisation von gesellschaftlichen Events (z.B. religiöses Film- oder Musikfestival)

3.4.4. Informationen erstellen und veröffentlichen über Christsein und kirchliches
Leben, über christliche Feste, ...

3.4.5. Unterstützung und Koordinierung der Kommunikations- und Medienarbeit
bei öffentlichkeitswirksamen Projekten der Diözese

3.4.6. Beratung von Pfarrverbänden, Pfarreien, kirchlichen Gruppen und Verbänden
bei deren Öffentlichkeitsarbeit.

3.5.
An Bedeutung gewinnen wird zweifellos die Internetpräsenz der Diözese. Über
dieses Medium kann sowohl ein Teil der internen als auch der externen Kommunikation geschehen mit Informationen zu aktuellen Angeboten der verschiedenen
Stellen, mit regelmäßigen Rubriken zu Sinn- und Lebensfragen, mit Informationen
über Christsein, Kirche, Religion, Spiritualität usw.
Neben der Konzeption, der Pflege und der Aktualisierung der Website „www.cathol.lu”
gilt es auch, Pfarrverbände, diözesane Stellen und Verbände bei der Konzeption und
dem Aufbau von eigenen Internetpräsenzen zu beraten und zu unterstützen.

3.6.
Der jährlich wiederkehrende „Tag der sozialen Kommunikationsmittel” schafft
die Gelegenheit zur Beziehungspflege mit den Menschen, die in den Medien arbeiten
und ist gleichzeitig, für Mitglieder der Kirche, Anlass zu Reflexionen über Aspekte
der Medienkommunikation und der Medienethik.

3.7.
Die Produktion eigener, regelmäßiger Radiosendungen über Themen aus Kirche
und Gesellschaft, die den Radiosendern zur Verfügung gestellt werden, ist eine
Möglichkeit, über den Printmedienbereich hinaus in der Öffentlichkeit präsent zu sein.

3.8.
Die ständige Beobachtung und Analyse der Medien in Luxemburg bleibt eine wichtige
Vorbedingung, um schnell und vorausschauend auf die rasante Entwicklung in
Medien und Gesellschaft einzugehen und angemessen agieren zu können.


„Gemeinschaft ist das oberste Ziel der Kommunikation, erklärt das Grundsatzdokument
der kirchlichen Kommunikation: ,Communio et Progressio’. Kommunikation
ist nicht nur eine Sache von Technik und Informationsfluss, sondern vor allem eine
Geste der Liebe. Grundlage dieses Verständnisses von Kommunikation ist eine
Theologie der Menschwerdung und der Dreifaltigkeit. Das heißt: die Qualität der
Kommunikation in einer Diözese wird nicht einfach gemessen an der verwendeten
Technik und am Informationsfluss, sondern an der Qualität der Gemeinschaft und der
in christlicher Nächstenliebe gelebten Beziehungen. Dies führt automatisch hin zu einer
guten Öffentlichkeitsarbeit: Sie werden erkennen, dass wir Christen sind, weil sie
sehen, dass wir einander lieben.”

Robert A. White S.J.: The Church: Image of Christ? Or a Whited Sepulchre? Vortrag beim
75-jährigen Jubiläum der UCIP am 6. Dezember 2002 in: Communicatio Socialis 2/2003 S. 131.
(Original in Englisch, Übersetzung: „Service Communication et Presse“)

(”The basic ’mission statement’ of the Church’s Communication ’Communio et
Progressio’ states that the goal of communication is to establish community. Communication
is not simply a matter of technology and transport of information, but is
essentially an act of love. This is an understanding of communication based on a
theology of incarnation and of the trinity. This means that the quality of communication
in a diocese is measured not simply in the technology and information flows, but
in the quality of community and the relationships of Christian love. This automatically
translates into good public relations: they will know that we are Christians because
they see that we love one another."

Robert A. White S.J.: The Church: Image of Christ? Or a Whited Sepulchre?)

(Der vorliegende Text wurde von der Kommission „Communication-Presse-Information” erarbeitet
und in der Kommissionssitzung vom 2. Februar 2004 verabschiedet.)

 
PDF 64.4 kB, 11. Oktober 2004
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