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Gebetswoche für die Einheit der Christinnen und Christen 2012
Warum beten wir für die Einheit der Christenheit?

Warum beten wir für die Einheit der Christenheit? Beten ist Bestärktwerden in der Gottesverwandtschaft, darum auch Kirche, Gottesdienst, gemeinsame Zeichen tauschen, gegenseitig erinnern an den besten Kundschafter des Glaubens, Jesus, - aber auch erinnern an eigene Einschätzungen, denn an jeder Straßenecke finde ich Briefe Gottes - selbst das grüne Gras ist ein duftendes Taschentuch Gottes, das er fallengelassen hat, um uns an ihn zu erinnern. Und wir Kirchen und Gemeinden sind Zeichen, Bilder, Signale Gottes - geschickt, um von Gott froh zu verkünden, was wir von ihm zu wissen (meinen). Darum feiern wir zusammen, grüßen uns mit Achtung, besuchen uns, beschenken uns mit Zeit, stärken uns im gemeinsamen Gebet, und zeigen uns Liebe - weil es das Glanzvolle, das Kostbare in einem jeden schätzt und hochhält: Du so wie du bist, bist ein Hauch Gottes Glück. Du bist ein Teil vom Himmel, du gibst meiner Seele Nahrung, doch zum Guten, zur Gemeinschaft in Gott zu gehören. (Weil wir eben alle irgendwie auch Boten Gottes sind, ist es höchst riskant, das gemeinsame Gebet abzuweisen, denn wie verzerrt zeigt sich dann in unserm griesgrämigen, abweisenden Gesicht Gottes Antlitz? Daß wir unser Schuldigbleiben wenigstens noch merken, zeigt: Der Gültige ist noch im Gespräch mit mir.

Ja, bei Gewissensbissen kreist der Redestrom mächtig, und ach wie anders sind da die anderen. Wortreich wird das Eigene bemüht, um sich die Anderen, das Fremde vom Leib zu halten. Aber wir brauchen Gemeinschaft und Bejahung, und auch das Fremdeste kann uns nahe kommen im Gebet, darum brauchen wir das gemeinsame Gebet.) Beten braucht Worte, Worte, die auch erreden, was fehlt. Unsere Wunschkraft ist eine Gabe, die Gemeinschaft bewirkt, Vernetzungen besorgt. Die Mutter singt ihr Kind in den Schlaf - und macht damit aus der Nacht Freundesland. - Beten macht aus uns müden Christenmenschen Fackelträger, die Zukunft ausleuchten als Chancenland. Betend ummantelt sich mein Herz, daß ich nicht im Zugwind der theologischen Meinungen verwehe, sondern in Gott ankere.

Beten benutzt Sprache, Sprache klebt Namen an Sachen und Gefühle; Worte können Sachen und Gefühle aufrufen, uns vor Augen stellen. Worte können Taten verbinden: „Sie küßten und sie schlugen ihn“ - dieser Filmtitel fädelt „schlagen“ und „küssen“ auf einen Faden, macht das Verschiedene doch zugehörig. So auch das Beten in Worten - es heftet an Gott, was sonst vagabundiert; betend halte ich mich zugehörig, und für andere betend - weiß ich uns verwandt, und lasse mich zuwenden, so dass wir im Gebet Gemeinschaft fördern, so dass Einheit unter uns beständig wächst.

Volker Strauß
Pfarrer der protestantischen Kirche in Luxemburg

 
 
 
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