Jesus sagt: „Lasst euch nicht verführen, lauft ihnen nicht nach…“
Sonntagskommentar zum 33. Sonntag im Lesejahr C - Milly Hellers (16.11.2025)
In der Nachkriegszeit wurden viele europäische Länder von gewissenhaften PolitikerInnen mit rechtsstaatlichem Weitblick regiert. Gott-sei-Dank gab – und gibt es solche PolitikerInnen auch noch heute! Dennoch selbsternannte Heilbringer gibt – und gab es in allen Zeiten der Weltgeschichte. Bei wirtschaftlichen und sozialen Spannungen – waren – und sind ja immer „die anderen“ Schuld, seien dies Ausländer oder Angehörige einer „anderen“ Religionsgemeinschaft. VertreterInnen einer solchen Politik, die oftmals als (selbsternannte) Retter die Macht ergreifen, gab – und gibt es leider auch heute – in allen Kontinenten.
Die Geschichte vom 20. Jahrhundert hat in Europa in menschenverachtender Weise gezeigt, worum es diesen sogenannten Heilbringer wirklich ging. Ziel war und ist es oftmals auch heute, einfach nur Hass und Kriege zu fördern, um die eigene Macht zu erhalten … Während sie bequem in ihren „Palästen“ leben, krepieren die Menschen an der Front und die Zivilbevölkerung in den angegriffenen Ländern. Die Waffenindustrie freut sich …
Jedoch – viele dieser „selbsternannten Heilbringer“ wurden und werden auch heute vom Volk gewählt… Lasst euch nicht verführen, lauft ihnen nicht nach…[1] sagte Jesus bereits vor fast 2000 Jahren. Auch würde niemals ein solches Kriegsgeschäft einem dieser Diktatoren allein gelingen. „Stell Dir vor es ist Krieg – und niemand geht hin.“ Einfacher gesagt als getan … Zurzeit gibt es in allen Kontinenten Klimakastastrophen, Kriege und dadurch ausgelöste Hungersnot, Flüchtingsströme, die das Leben Millionen unschuldiger Menschen zerstören, wie es in einem Lied heißt: Unfriede herrscht auf der Erde. Kriege und Streit bei den Völkern und Unterdrückung und Fesseln zwingen so viele zum Schweigen [2]
Die Worte Jesu von diesem 33. Sonntag im Kirchenjahr sind ein Weckruf und eine Hoffnungsbotschaft an seine Zeitgenossen – und auch an uns. Die Menschen bewunderten den Tempel Jerusalems, dessen Bau 63 nach Christi Geburt abgeschlossen wurde. Herodes der Große versuchte damals die Akzeptanz der jüdischen Gemeinschaft zu „erkaufen“. Jesus aber konterte die Bewunderung der Gemeinschaft und kündigte die Zerstörung des Tempels an. Im Jahr 70 wurde er zerstört, wie Jesus angekündigt hatte. Kein Stein blieb auf dem anderen. Jesus prophezeite auch, dass Kriege, Hungersnöte, Katastrophen... die Welt überfallen würden. Alles schreckliche Vorheraussagen… die geschehen – bis heute – weltweit.
Das Lukasevangelium wurde nach der Zerstörung des Tempels geschrieben. Die Christenverfolgungen hatten begonnen. Petrus und Paulus waren als Märtyrer gestorben. Damals glaubte, hoffte die junge Christengemeinschaft, sie würden die Wiederkunft Jesu noch zu Lebzeiten erleben. Aber dem war nicht so.
Was aber ist der Sinn dieser Worte Jesu? Was möchte er uns damit sagen? Ich wage eine Vermutung. Vielleicht möchte ER uns aufrütteln mit der Frage: Was ist die Grundlage, was sind die Grundwerte des Lebens? Woran halten wir uns fest? An falschen „Göttern“: Gier, Macht, Reichtum, einflussreiche Beziehungen, Luxus … ? Oder er möchte uns erinnern, dass wir alle Besitzer sind von gar nichts. Alles ist geliehen – und niemand nimmt etwas mit – hat doch das letzte Hemd keine Taschen! Auch unsere „Tempel“, sind sie noch so pompös, werden irgendwann „einstürzen“. Warum, wozu dann all diese Gewalt, Kriege und Ausbeutung…?
Woran aber können wir uns festhalten? Am christlichen Glauben! An den Worten – und dem Zeugnis Jesu, dass der Tod nicht das Ende, sondern die „Geburt“ in ein neues Leben bei/mit IHM ist, mit denen die uns vorausgegangen sind. Für all das hier Gehortete ist bei IHM sowieso kein Platz.
Nach der Auferstehung sagte Jesus seinen Freunden: Siehe, ich bin bei euch, alle Tage bis an der Welt Ende. [3] Und diese Rede beendet er mit ermutigenden Worten: Ihr braucht euch nicht im Voraus für eure Verteidigung zu sorgen; denn ich werde euch die Worte und die Weisheit eingeben … Wenn ihr standhabt bleibt, dann werdet ihr das Leben gewinnen.
Seine Botschaft könnte, wie im oben genannten Lied sein: Friede soll mit euch sein. Friede für alle Zeit! Nicht so, wie ihn die Welt euch gibt, Gott selber wird es sein.