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1. Oktober 2021

Andrea Langenbacher: „Das Große im Kleinen - Beten mit Kindern.“

Religiöses Buch des Monats Oktober

Für Eltern, die mit ihren Kindern beten möchten, aber nicht genau wissen, wie das geht, hat Andrea Langenbacher dieses Buch geschrieben. Sie beginnt mit der Frage, warum beten guttut, regt ihre Leser:innen an, über ihre eigenen Gebetserfahrungen nachzudenken und sich von Gottesbildern zu verabschieden, die nicht mehr als tragfähig empfunden werden. Dann beschreibt sie, wie beten „geht“ und stellt Gebete zu verschiedenen Anlässen vor, sowohl eher traditionelle als auch moderne.

Fundament all‘ ihrer Gedanken ist der Anspruch, Gott, die Kinder und die Eltern unbedingt ernst zu nehmen. Dazu gehört für Langenbacher, Gott nicht als „lieben Gott“ zu verniedlichen und ihn zu einer „Wunschmaschine“ zu machen. Sie zitiert Jörg Zink, der sagt, Erwachsene neigten dazu, Kinder zu unterschätzen. Kinder bräuchten aber unbedingt Gedanken, in die sie „hineinwachsen“ könnten.

Zu einer tragfähigen Gottesbeziehung gehört daher, Gott auch Wut, Schmerz, Zweifel und Unverständnis zuzumuten über das, was in dieser Welt im Kleinen wie im Großen passiert. Das heißt für Langenbacher allerdings nicht, Gott einen Wunschzettel zu übermitteln, nach dem Motto: „lieber Gott, bitte mach, dass ...“. Das führt sehr schnell in eine Sackgasse, denn was ist, wenn „der liebe Gott“ die Oma nicht wieder gesund macht? Wenn die Menschen in Afghanistan nicht in Frieden leben können, obwohl wir darum bitten?

Sie wirbt deshalb dafür, Gott sein Herz auszuschütten, zu klagen, Ängste im Gebet auszudrücken, ohne das mit einer Handlungsaufforderung zu verbinden. Dabei sollten Kinder (und Erwachsene!) beten dürfen, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist. Auf diese Weise wachsen Kinder „in eine Gottesbeziehung hinein, die aushält, dass das Göttliche uns zwar zugewandt, aber immer auch unbegreiflich bleiben wird. Und das ist eine Gottesbeziehung, mit der Kinder erwachsen werden können.“

Beten hat auch eine Dimension jenseits der Worte, die es zu entdecken gilt. Mit Kindern beten könne auch heißen, gemeinsam einfach da zu sitzen. „Ohne Plan, ohne Uhr, ohne Smartphone. Schauen wir gemeinsam den Ameisen beim Arbeiten zu, dem toten Regenwurm beim Totsein, den Wolken beim Weiterziehen. Hören wir, wie der Bach gluckert, die Amsel singt und die Stille still ist ...“. Das ist eine Einladung, „Gott in allen Dingen zu suchen“, wie Ignatius von Loyola es nennt.

Mit diesem Buch bietet Andrea Langenbacher Eltern eine hervorragende Orientierung für einen (Wieder-) Einstieg ins Gebetsleben. Parallel dazu hat sie auch ein Buch mit Gebeten für Kinder unter dem Titel „Die ganze Welt und noch viel mehr“ veröffentlicht. Sie pflegt einen Stil auf Augenhöhe mit den Leser:innen und schreibt, wie sie betont, als „suchende, experimentierende Mutter, die mit ihrer Familie selbst auf dem Weg ist“. Ihre theologische Ausbildung sorgt dabei für sicheren Tritt, sodass man sich ihr bei dieser Wanderung gerne anschließen mag.

Als „Religiöses Buch des Monats“ benennen der Borromäusverein, Bonn, und der St. Michaelsbund, München, monatlich eine religiöse Literaturempfehlung, die inhaltlich-literarisch orientiert ist und auf den wachsenden Sinnhunger unserer Zeit antwortet.

 
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