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30. November 2020

Hubert Ettl: Abenteuer des Glaubens. Erkundungen in unwegsamem Gelände

Religiöses Buch des Monats Dezember 2020

Glauben ist ein Wagnis. Wer sich darauf einlässt, verlässt den mess- und berechenbaren Sektor. Das führt immer häufiger dazu, dass die Gottesfrage in unserer Gesellschaft nicht mehr ernstgenommen wird. Umso wichtiger ist es für die Christen, Rechenschaft davon abzulegen, wie der Glaube sich vor der Vernunft verantworten lässt.

Hubert Ettl unternimmt dazu 24 „Erkundungen“, wie er die Kapitel seines Buches nennt. Darin schreibt er über das Staunen, das dabei helfen kann, dem Käfig unserer modernen, berechnenden Weltsicht zu entkommen. Über das Stillwerden, um in der lauten Welt „den unergründbaren, vollkommen Einen zu erfahren“ (Dorothee Sölle). Über das Nachdenken über Gott und die Auseinandersetzung mit der Theologie und anderen Wissenschaften. Auf diese Weise werden auch Evolution und physikalische Weltmodelle zu Themen, die er mit dem christlichen Glauben in Beziehung setzt.

Auch theologisch wagt Ettl sich ans Eingemachte. Jesus habe Gott als einen liebenden, barmherzigen Gott vorgestellt. Warum, fragt Ettl, finden sich dann immer noch in theologischen und liturgischen Texten Spuren des despotischen, strafenden Gottes? Gerade in der Interpretation des Kreuzestodes und der Eucharistie schlägt sich das nieder. Ettl erhebt Einspruch: „Wenn dieser liebende Gott der Kern von Jesu Botschaft ist, wenn er damit das alte, doppelgesichtige Gottesbild hinter sich lässt, wenn er also das Gesicht Gottes neu zeigt, sollte dann also nicht genau dies die Orientierung für ein neues Verständnis von Jesu Tod am Kreuz sein?“

Doch weil Gottes bedingungslose Liebe die Herzmitte der christlichen Botschaft bildet, müsse das Christentum „endlich als die Religion der großen Liebeserklärung Gottes an die Welt herausgestellt werden“, fordert er.

In weiteren Kapiteln setzt er sich mit dem Gebet, besonders dem Sinn des Bittgebets auseinander, mit dem Tod und dem Leben danach, mit der „Pflicht“ der Christen zur Hoffnung, mit der Aufgabe des Christentums, zu einer ökologischen Spiritualität beizutragen und gegen die Zerstörung der Lebensgrundlagen zu kämpfen – und einiges mehr.

Von der Kirche und ihren offiziellen Repräsentanten wünscht er sich, dass sie zu einem Ort „einer heutigen, offenen, suchenden, bescheidenen Rede von Gott“ wird, an dem die persönlichen Erfahrungen der Einzelnen Gehör finden.

In beeindruckender Weite und Tiefe setzt Hubert Ettl sich mit Glaubensfragen auseinander. Obwohl Sprache und Struktur seines Buches allgemeinverständlich sind und kein Expertenwissen voraussetzen, ist die Lektüre herausfordernd. Sie regt dazu an, eigene Positionen zu hinterfragen, Selbstverständlichkeiten zu überprüfen und überhaupt über Gott und die Welt und die eigene Sicht darauf nachzudenken. Was könnte es besseres als Vorbereitung auf das kommende Weihnachtsfest geben? (Borromäusverein)

Als „Religiöses Buch des Monats“ benennen der Borromäusverein, Bonn, und der St. Michaelsbund, München, monatlich eine religiöse Literaturempfehlung, die inhaltlich-literarisch orientiert ist und auf den wachsenden Sinnhunger unserer Zeit antwortet.

 
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