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2. April 2021

Was fehlt, wenn die Christen fehlen?

Eine „Kurzformel“ ihres Glaubens

Religiöses Buch des Monats April 2021
Borromäusverein (Bonn) und St. Michaelsbund (München)

„Christsein ist eine Ressource für positive, gelingende Existenz“, übersetzt der Bochumer Theologe Matthias Sellman das berühmte Wort vom „Leben in Fülle“ aus dem Johannesevangelium in eine säkulare Sprache. In einer Zeit, in der selbst Bischöfe den „armseligen“ Zustand der Kirche beklagen und ihre Glaubwürdigkeit im freien Fall sehen (Bischof Michael Gerber, Fulda), ist das eine ungemein wichtige Erinnerung an das, was Christsein ausmacht.

Sellmann versucht in diesem Buch, Christsein so auf den Punkt zu bringen, dass für Christen und Nicht-Christen deutlich wird, welche Lücke das Christentum hinterlassen würde, wenn es verschwindet. Dreh- und Angelpunkt für seinen Gedankengang ist die „Lebensleistung“, die jeder Mensch erbringen müsse. Damit meint Sellmann, dass jeder Mensch vor Aufgaben steht, die er zu bewältigen hat: Erwachsen werden, einen Beruf ergreifen, eine*n Partner*in finden, mit Schicksalsschlägen klarkommen usw. Dabei sind alle Menschen auf Hilfe angewiesen; niemand kann das allein. Das Christentum kann eine solche Hilfe sein, weil es wichtige Kompetenzen dafür vermittelt.

Die Kurzformel, die Sellmann für die Lebensweisheit Christentum ausgebrütet hat, hört sich beim ersten Lesen etwas sperrig an: „Christsein ist eine bestimmte, nämlich geistliche Form von Klugheit (phronesis). Diese Klugheit motiviert zu drei Kompetenzen, die sich im Vollzug dauernd wechselseitig ergänzen: immer weniger wegrennen (physis); aus sich herauskommen (kenosis); Kraft von außen aufnehmen (dynamis).“

Da ist – für die meisten Christen ganz ungewohnt – weder von Jesus die Rede noch von anderen Kernpunkten des christlichen Glaubens, die Insidern wichtig sind. Und doch sind sie alle darin enthalten, denn die Kurzformel basiert auf einer Passage aus dem Brief an die Philipper (Phil 2, 5-11: „Er war Gott gleich, hielt aber nicht daran fest ...“). Daher stammen auch die griechischen Worte, auf die Sellmann – mit guten Gründen – nicht verzichten möchte. Dennoch: Für das Verständnis des Buches sind Griechischkenntnisse nicht erforderlich. Sellmann illustriert sie außerdem am Beispiel dreier Persönlichkeiten des 20. Jh.: Dietrich Bonhoeffer, Chiara Lubich und Madeleine Dêlbrel.

Und weil das gedruckte Wort heute allein nicht ausreicht, hat Sellman mit dem Bochumer Zentrum für angewandte Pastoral die Kurzformel in Musik gefasst, eine Talkshow dazu produziert (beides auf youtube) und – tatsächlich! – Düfte entwerfen lassen. Die dem Buch beiliegende Karte duftet z.B. nach geistlicher Klugheit. Sie werden überrascht sein, wie frisch das riecht!

Es sei nicht verschwiegen, dass die Lektüre eine gewisse Anstrengungsbereitschaft verlangt. Denn die Sprache schillert zwischen dem lockeren Stil eines Blogs und der Sprache eines Menschen, der leidenschaftlich Theologe und Sozialwissenschaftler ist. Das sollte aber niemanden davon abhalten, sich in das Buch zu vertiefen, denn es trägt dazu bei, das Wesentliches des Christseins nicht aus den Augen zu verlieren. Vielleicht inspiriert die Sellmannsche Kurzformel ja Leser*innen dazu, ihre eigene Formel zu entwickeln. (Borromäusverein)

Bibliographische Referenz

  • Matthias Sellmann „Was fehlt, wenn die Christen fehlen?“, Verlag Echter, 2020.
    128 Seiten
    ISBN: 978-3-429-05559-2
 
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