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16. Mai 2020

Was steht denn nun im Testament?

Kommentar zum 6. Sonntag der Osterzeit von P. Jean-Jacques Flammang SCJ (17.05.2020)

Es war bei einem feierlichen Essen, kurz vor seiner Festnahme, als Jesus seinen erstaunten Jüngern sein Testament mitteilte. Zugegeben, sie hatten sich schon unter sich Gedanken über die Erbschaft gemacht. Etwas peinlich war sogar die Auseinandersetzung über die ersten Plätze im Himmelreich, und Jesus hatte sie zurechtweisen müssen. Und nun öffnet er ihnen hier, beim letzten Abendmahl, sein wirkliches Testament.

Erhalten werden sie den Geist der Wahrheit, sowie auch das wahre Leben, teilt Jesus ihnen mit; und zugleich versichert er ihnen, sie werden nicht alleine als Waisen zurückgelassen, sondern er wird zu ihnen kommen.

Den Geist der Wahrheit also sollen sie empfangen, und Jesus betont ausdrücklich: „den Geist, den die Welt nicht empfangen kann“.

Sie also – seine Freunde, wie er sie nennt – sollen testamentarisch das erben, was die Welt sucht und braucht, was sie aber von sich aus, auf sich selbst gestellt, nicht finden kann. Sie sollen die Welt ins wahre Licht rücken können und ihr somit den Weg zum Leben zeigen und eröffnen. Das klingt nicht schlecht, unsere Welt braucht nämlich einen solchen neuen Geist der Wahrheit, in Sachen Corona Virus, Umweltzerstörung, Menschenausbeutung, Flüchtlingsverachtung, Geschlechter- und Familienmissverständnis, Abtreibung und Euthanasie, Transhumanismus, zerstörerischer Umgang mit großen Traditionen und religiösem Patrimonium…

Den Geist der Wahrheit empfangen: ein Wesentliches für die Zukunft unserer Welt. Aber da nennt Jesus in seinem Testament noch eine Bedingung: „Wenn…“

Alles, was Jesus zu vererben hat, ist an diese Bedingung gebunden: „Wenn ihr mich liebt…“; nicht eine allgemeine, unverbindliche Liebe, sondern peinlich genau testamentarisch festgelegt: „Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt“. Die Liebe zum Herrn ist somit ganz eng an das Halten seiner Gebote gebunden.

Der heilige Augustinus, der nach einer etwas ausschweifenden Jugendzeit das Testament Jesu für sich in Anspruch nahm, wusste genau, um was es hier ging, als er folgenden, später oft (falsch) zitierten Satz niederschrieb: „Liebe, und dann tue, was du willst.“

Aufgrund seiner eigenen Lebenserfahrung hatte Augustinus begriffen, dass nur jener, der Jesus liebt und wirklich sein Freund ist, das entdecken kann, was sein Herz im Innersten bewegt und so dann auch das tun kann, was er wirklich will, nämlich die Gebote Jesu halten. Denn die wahre Liebe und Freundschaft ist, wie der große moderne Wissenschaftler und Philosoph Gottfried Wilhelm Leibniz, einer langen literarischen Tradition folgend, behauptete: „idem velle et idem nolle“ – „dasselbe wünschen und dasselbe nicht wünschen“. Und er fügte erläuternd hinzu: „Und ich glaube, dass es schwierig ist, Gott recht zu lieben, wenn man nicht geneigt ist, das zu wollen, was er will, selbst wenn man die Macht hätte, es zu ändern. […] Mit all unserer Macht danach streben, zum allgemeinen Wohl beizutragen.“

In seinem Testament vererbt Jesus seinen Freunden also den Geist der Wahrheit und das wirkliche Leben, aber nicht ohne Bedingung. Sie müssen wirklich seine Freunde sein, ihn lieben: „Liebe, und dann tu, was du willst“ – Jesus lieben, und somit seine Gebote kennen und halten, und dann, das wollen, was er will, und folglich auch das zu tun versuchen, was er und wir im tiefsten unseres Herzens für uns und für die andern wünschen. Dann, und nur dann, können wir den Geist der Wahrheit empfangen, und das wahre Leben.

Quelle: Luxemburger Wort

Jean-Jacques FLAMMANG s.c.j.
 
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