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9. November 2019

Wie im Himmel

Der Kommentar zum Sonntag von Christine Bußhardt (10.9.2019)

Lukas 20, 27-38

Mit diesem Titel gelang 2004 dem schwedischen Regisseur Kay Pollak ein starkes Comeback in der internationalen Kinoszene. 2015 schrieb er seine Geschichte weiter: „Wie auf Erden“. Beide Filme nehmen Bezug auf die Vater-Unser-Bitte „Dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden“ und verleihen den teils skurrilen, teils dramatischen oder komischen Lebensgeschichten Ernsthaftigkeit und Würde.

Beide Titel ergäben zusammen eine passende Überschrift zum Evangelium, das für diesen Sonntag vorgesehen ist.

Die Geschichte, die Lukas dort erzählt, entbehrt keineswegs einer gewissen Skurrilität. Dramatik und Komik kommen auch nicht zu kurz. Worum geht es? Jesus wird von strenggläubigen Juden aus der Gruppe der Sadduzäer mit einer völlig konstruierten Geschichte konfrontiert: Sieben Brüder sterben der Reihe nach. Und nachdem sie, wie es das Gesetz vorschreibt, jeweils nach dem Tod des anderen die kinderlose Witwe des ersten Bruders geheiratet haben, stellt sich nach dem Tod des letzten Bruders die Frage, wessen Frau die unglückliche Witwe denn nun im Himmel sein würde, da sie ja auf Erden mit allen sieben Brüdern verheiratet gewesen ist. Heutzutage löst so eine abstruse Geschichte nur noch Kopfschütteln aus. Den Sadduzäern war es aber durchaus ernst mit ihrer Frage. Von ihnen wissen wir, dass sie, entgegen der gängigen Überzeugung zu der Zeit Jesu, nicht an ein Weiterleben der Seele und auch nicht an eine Auferstehung der Toten am Jüngsten Tag, glaubten.

Für Jesus gelten die weltlichen und religiösen Gesetze und Wertvorstellungen nur insoweit, als sie die Würde des Menschen nicht verletzen

Jesus lässt keinen Zweifel aufkommen. Sein Gott ist ein Gott der Lebenden. Und hier auf Erden gilt: „Dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden“, und nicht umgekehrt!

Der Maßstab für unser Denken, Leben und Handeln soll der Himmel sein, in dem unsere weltlichen Gesetze nicht mehr gelten. Jesus meint es ernst damit. Für ihn gelten die weltlichen und religiösen Gesetze und Wertvorstellungen nur insoweit, als sie die Würde des Menschen nicht verletzen. Die Begegnung des Zöllners Zachäus mit Jesus, von der wir letzten Sonntag gehört haben, ist nur ein Beispiel von vielen. Tief beeindruckt von Jesu Warmherzigkeit und göttlicher Ausstrahlung verändert er sein Leben und leistet mehrfache Wiedergutmachung gegenüber allen Opfern seiner Habgier.

Jesus stellt die Liebe zu Gott und zu den Menschen über alles. So entstehen Beziehungen und Gemeinschaft (Communio) zwischen ihm und den Menschen. Seine Liebe kommt bedingungslos daher – „wie im Himmel“ eben.

Dazu fällt mir eine kleine Szene ein, die ich vor kurzem erleben durfte. In einer Messe in Taizé wollte eine Jugendliche aus unserer Gruppe nicht zur Kommunion gehen. „Jesus Christ, bread of life“- singend kehrte ich an meinen Platz zurück. In diesem Moment strahlte mich die Jugendliche glücklich an und flüsterte mir ins Ohr: „Bruder Jasper hat mir freundlich zugenickt.“ Für sie war diese persönliche Geste mindestens genauso wertvoll, wie das geteilte Brot in meinen Händen.

Quelle: Luxemburger Wort

Christine BUßHARDT
christine.busshardt cathol.lu
 
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