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2. Dezember 2019

Wunibald Müller: Warten auf G. - Bekenntnisse eines Suchenden

Religiöses Buch des Monats Dezember

Bei einem Aufenthalt in Tabgha am See Genezareth entschied sich Wunibald Müller, sich seinen Glaubenszweifeln zu stellen. Dafür war in den Jahren als Leiter des Recollectio-Hauses der Benediktiner in Münsterschwarzach kein Platz in seinem Leben. „Warten auf G.“ ist ein Bericht über eine innere Reise, die Müller zunächst in eine tiefe Krise stürzte, dann aber zu neuer, größerer Gewissheit führte.

Müller hat die „Geburt Gottes im Menschen“ erlebt, wie Meister Eckhart es nennt, einer der großen Mystiker des Mittelalters. Mit seinem sehr persönlich gehaltenen Reisebericht möchte er deshalb anderen Mut machen, sich ihren Zweifeln zu stellen. Was von dem, was er glaubt, hat tatsächlich mit Gott zu tun? Und was entspricht nur einer bestimmten Vorstellung von Gott? Ist das Gespräch mit Gott tatsächlich ein Gespräch mit einem anderen Gegenüber – oder doch eher ein Selbstgespräch? Mit diesen und etlichen anderen Fragen plagte Wunibald Müller sich ab, zunächst, ohne wirklich eine Antwort zu finden. Er rang mit seinen Vorstellungen von Gott und versuchte, beiseite zu schieben, was ihm nicht mehr hilfreich erschien. Dabei fiel es ihm alles andere als leicht, Zweifel und Ungewissheit auszuhalten, zu warten, was sich „hinter“ den vertrauten Vorstellungen und Formeln zeigen würde. „Nur wenn ich weiterhin Gott-abstinent bleibe“, notierte er, „habe ich vermutlich überhaupt eine Chance, [Gott zu finden]. Sonst ist es wieder nur das, was ich mir wünsche, dass es so ist.“

Die Nachwehen einer Bypass-Operation stürzen ihn in eine tiefe Depression, die sein bisheriges Ringen mit der Gottesfrage wie ein Glasperlenspiel aussehen ließen. In dieser Zeit notiert er: „Und Gott? Da ist kein Halt. Da ist nichts von alledem, was ich mir über ihn ausgedacht, mir zurechtgezimmert habe. Da ist nur noch Angst, Entsetzen, Tod, Ende.“ Das Ende war es zum Glück nicht. Müller versucht zu beschreiben, wie ihm geschah, doch letztlich bleibt den Leser/innen nur, zur Kenntnis zu nehmen, dass ein inneres Erlebnis ihm die ersehnte Gewissheit gab: Ja, Gott ist da.

Für Wunibald Müller ging das mit einer scharfen Distanzierung von der Kirche einher. Für seinen Geschmack weiß sie viel zu genau, wer und wie Gott ist und was Menschen tun müssen, um ihn zu erreichen. Doch: „Selbstverständlich gibt es Gott nicht“. Jedenfalls nicht so selbstverständlich, wie die theologische und kirchliche Rede von Gott oft glauben machen möchte. Müller wandte sich nicht von der Kirche ab, wies ihr aber einen neuen Platz in seinem Leben zu.

Zugegeben, Müllers „Bekenntnisse eines Suchenden“ sind keine leichte, glatte Lektüre, schon gar nicht im Advent. Da stellt sie sich eher quer zur Wohlfühlatmosphäre, die sich durch Kerzenlicht, „Tannenzweigenduft“ und die Rituale der Adventszeit einstellt. Andererseits: Wann, wenn nicht in dieser Zeit der Vorbereitung auf das Geburtstagsfest Jesu lässt sich besser über Gott nachdenken? Und angesichts der Einsprüche, die die Moderne gegen die Existenz Gottes und den christlichen Glauben erhebt, ist Müllers Reisebericht eine wertvolle, bereichernde Lektüre, die auf Dauer zu einem ganz persönlichen Weihnachten führen kann.

Als „Religiöses Buch des Monats“ benennen der Borromäusverein, Bonn, und der St. Michaelsbund, München, monatlich eine religiöse Literaturempfehlung, die inhaltlich-literarisch orientiert ist und auf den wachsenden Sinnhunger unserer Zeit antwortet.

 
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