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31. Oktober 2021

Zum Heil bestimmt

Kommentar zu Allerheiligen von Claude Bache (1.11.2021)

Heilig sein, das hat im ersten Moment etwas Unnahbares. Heilig sein, das ist ganz weit weg von mir und von meinem Leben. Mein Leben ist nicht heilig, so sehr ich mich auch bemühe. Tag für Tag stehe ich immer wieder neu vor den Problemen, die ein heiliges Leben ganz schön schwer machen.

Es gibt ein ganz sympathisches Gebet eines unbekannten Verfassers, das genau diese Situation wiedergibt – ich habe es einmal in einem Adventskalender gelesen. Da heißt es: „Lieber Gott, bis jetzt geht’s mir gut. Ich habe noch nicht getratscht, nicht die Beherrschung verloren, war noch nicht muffelig, gehässig, egoistisch oder zügellos. Ich habe noch nicht gejammert, geklagt, geflucht oder Schokolade gegessen. Die Kreditkarte habe ich auch noch nicht belastet. Aber in etwa einer Minute werde ich aus dem Bett klettern, und dann brauche ich wirklich deine Hilfe.“

Heilig bin ich nur im Schlaf, könnte man da meinen…

Das Fest Allerheiligen, das wir am kommenden Montag feiern, hat da eine ganz andere Botschaft. Schon im Namen steckt sie drin: Alle sind heilig. Alle Menschen – ausnahmslos. Die, die schon gegangen sind, und die, die heute leben. Wie kann das gehen?

Eine Antwort darauf fällt leichter, wenn man einmal von den moralischen Bestimmungen des Wortes „heilig“ absieht. Rein formal ist heilig das Adjektiv zu Heil; „zum Heil bestimmt sein“ könnte man es übersetzen. Dann hat das Wort „heilig“ auf einmal nichts Schweres, Unerreichbares mehr, sondern etwas Verheißungsvolles, Freudiges. Du, ich, wir alle sind zum Heil bestimmt. Das heißt, wir müssen dafür gar nichts leisten, sondern wir sind so, wie wir sind, zum Heil bestimmt.

Das Evangelium am Allerheiligenfest (Mt 5,1-12a) führt uns das sehr eindrücklich vor Augen. Der Evangelist verwendet den Begriff selig. Das griechische Wort dafür heißt makários. Es ist schwer direkt zu übersetzen, man kann es am ehesten mit dem deutschen Wort „glückselig“ beschreiben. Selig, glückselig, voll des Glücks sein, das hat schon viel mit heil sein zu tun.

Und im Evangelium sind es die Armen vor Gott, die zum Heil oder zur Glückseligkeit bestimmt sind, es sind die Trauernden, es sind die, die keine Gewalt anwenden, die sich nach Gerechtigkeit sehnen, es sind die Barmherzigen, die, die ein reines Herz haben, diejenigen, die Frieden stiften, die um Jesu oder der Gerechtigkeit willen beschimpft und verfolgt werden.

Ich muss kein perfektes Leben führen. Jesus will, dass wir der Botschaft vom Reich Gottes vertrauen und dazu stehen, auch wenn das manchmal eine ganz schöne Herausforderung sein kann – die aber mit der Botschaft des Allerheiligentages zu bewältigen ist: Du, Mensch, bist zum Heil bestimmt.

Claude Bache

Claude BACHE
 
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