+Erzbistum
+Pfarrverbände
+Dienststellen
+Bewegungen
MOBILE
 
Kontakt
 
Sitemap
 
Presse
 
Chargement...
Sehen Sie auch ...
 
Accueil - für eine hörende und einladende Kirche
ACCUEIL – für eine hörende und einladende Kirche
Die im Juni 2009 konstituierte Pastoralkonferenz [1] hat das Pastoralthema „ACCUEIL – für eine hörende und einladende Kirche“ vorgeschlagen und erarbeitet. Dieses Thema ist tief verwurzelt im Geheimnis der Menschwerdung Gottes und im Glauben der Kirche. Es nährt sich aus den Weisungen des 2. Vatikanischen Konzils und will die Gesinnung Jesu in die Haltungen der Kirche und der Christen neu übertragen.

Die Welt wird nicht von außen gerettet. Man muss, wie das menschgewordene Wort Gottes, gewissermaßen mit den Lebensformen derjenigen eins werden, denen man die Botschaft Christi bringen will“, schreibt Papst Paul VI. in seiner Antrittsenzyklika „Ecclesiam Suam“ [2].

Jesus Christus ist unsere Mitte

Für Christen kann es keine andere Mitte geben als Jesus Christus, das menschgewordene Wort Gottes: Der Apostel Paulus schreibt an die Christen in Philippi: „Hegt in euch dasselbe Sinnen, das in Jesus Christus ist“, und an anderer Stelle: „Er war wie Gott, hielt aber nicht daran fest wie Gott zu sein, sondern er entäußerte sich und wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich. Sein Leben war das eines Menschen; er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz.“ [3].

Der Sohn Gottes, der sich ganz und gar vom Vater empfangen hat, nimmt sich nun seinerseits voll und ganz der Menschen an. Er nimmt Menschengestalt an in einem konkreten Zeitpunkt der Geschichte, in einer Familie unter ganz konkreten kulturellen und politischen Bedingungen. Er hat ein bestimmtes Gemüt, einen bestimmten Charakter, er lernt eine bestimmte Sprache und ein Handwerk, er hat seine ihm eigene Art, Menschen zu begegnen, ihnen zuzuhören, mit ihnen zu sprechen.

Seine Haltung gegenüber den Menschen entspricht in allem seinem ureigensten Wesen. Jesus kommt den Sehnsüchten und Hoffnungen der Menschen seiner Zeit entgegen, wobei die Armen und Bedürftigen immer die ersten sind. In den Seligpreisungen erkennt er in den Armen und Sanftmütigen, in den barmherzigen, den Friedensstiftern und den nach Gerechtigkeit Suchenden die ersten Bürger des Himmelreichs. Die kleinste geschwisterliche Geste macht er zum Zeichen der Zugehörigkeit zu Ihm: „Was ihr für den Geringsten meiner Brüder getan habt, das habt ihr mir getan“ [4]. In der Person Jesu Christi begegnet der „Gott-suchende“ Mensch den menschgewordenen Gott. „Wer mich sieht, sieht den Vater“ [5], „wer mich aufnimmt, nimmt den auf, der mich gesandt hat“ [6].

Die Kirche Christi, berufen zu hören und aufzunehmen

Die Kirche ist der Leib, dessen Haupt Christus ist. Sie lebt aus ihrem Herrn heraus, den sie bezeugt. Deshalb lässt sie sich immer wieder neu auf das Geheimnis der Menschwerdung ein: „Deshalb ist sie in einer nicht unbedeutenden Analogie dem Mysterium des fleischgewordenen Wortes ähnlich. Wie nämlich die angenommene Natur dem göttlichen Wort als lebendiges, ihm unlöslich geeintes Heilsorgan dient, so dient auf eine ganz ähnliche Weise das gesellschaftliche Gefüge der Kirche dem Geist Christi, der es belebt, zum Wachstum seines Leibes. (vgl. Eph 4,16)“ [7]

Der Weg der Kirche kann kein anderer als der Weg ihres Herrn sein, der das Werk der Erlösung in Armut und Verfolgung vollendet hat: wie Christus „umgibt die Kirche alle mit ihrer Liebe, die von menschlicher Schwachheit angefochten sind, ja in den Armen und Leidenden erkennt sie das Bild dessen, der sie gegründet hat und selbst ein Armer und Leidender war. Sie müht sich, deren Not zu erleichtern, und sucht Christus in ihnen zu dienen.“ [8]

Nach dem Beispiel Jesu Christi hat die Kirche die Wünsche und Erwartungen der Menschen aufzunehmen: „Was willst du, dass ich dir tue?“ [9]. Und zugleich hat sie das Neue der Guten Nachricht zu verkünden und in die Nachfolge Jesu einzuladen: „Komm und folge mir nach!“, „Wenn du vollkommen sein willst, geh, verkaufe alles, teile aus … und folge mir nach!“; „Lasset die Kleinen zu mir kommen!“ Diese Einladung gilt allen, ohne Ausnahme, ohne jegliche Vorleistung; dabei wird nicht verschwiegen, dass die Einladung in die Nachfolge Jesu auf einen Weg führt, der sein Ziel erst am Ende der Zeiten erreichen wird [10]!

Nahe am 50. Jahrestag [11] der Eröffnung des 2. Vatikanischen Konzils, will das von der Diözesankonferenz vorgeschlagene Pastoralthema „ ACCUEIL - pour une Église d’accueil et d’écoute “ der vom Konzil gewünschten Notwendigkeit des Dialogs entsprechen: „Als Zeuge und Künder des Glaubens des gesamten in Christus geeinten Volkes Gottes kann daher das Konzil dessen Verbundenheit, Achtung und Liebe gegenüber der ganzen Menschheitsfamilie, der dieses ja selbst eingefügt ist, nicht beredter bekunden als dadurch, dass es mit ihr in einen Dialog eintritt über all diese verschiedenen Probleme; dass es das Licht des Evangeliums bringt und dass es dem Menschengeschlecht jene Heilskräfte bietet, die die Kirche selbst, vom Heiligen Geist geleitet, von ihrem Gründer empfängt.“ [12]

Jede pastorale Haltung, alles pastorale Tun hat zum Ziel, den Menschen das Heil zu bringen: Papst Paul VI. hat den Dialog zur Begegnungsart der Christen mit den Menschen unserer Zeit bestimmt: „Noch bevor man spricht, muss man auf die Stimme, ja sogar auf das Herz des Menschen hören; man muss ihn verstehen und, soweit möglich, achten und, wo es sich geziemt, ihm auch Recht geben. Wir müssen Brüder der Menschen werden in demselben Augenblick, wo wir ihre Hirten, Väter und Lehrer sein wollen. Das Klima des Dialogs ist die Freundschaft, ja der Dienst. An all das müssen wir uns erinnern und uns bemühen, es in die Tat umzusetzen, nach dem Beispiel und Gebot, das Christus uns hinterließ (vgl. Joh 13, 14-17). [13]

Accueil, Offenheit und Einladung sollen in den christlichen Gemeinschaften, den Pfarrverbänden und den unterschiedlichen Gremien der Kirche in Luxemburg auf allen Ebenen christlichen Lebens praktiziert werden. Sie sind das Markenzeichen unserer Kirche: dies sowohl in den Gottesdiensten als auch in der Begegnung mit den Schwestern und Brüdern im Glauben und mit allen Menschen, wo immer sie leben und wir ihnen begegnen. Aufnahme und geschwisterliches Wohlwollen ist umso angebrachter in unserer Gesellschaft und Kirche, da zusehends immer mehr Menschen aus anderen Ländern und Kulturen zu uns kommen, immer mehr Menschen an der Armutsgrenze leben, unter Gewalt, Ungerechtigkeiten, Krieg und Hunger leiden. Wir können unsere Herzen, Türen und Hände nicht verschließen, so lange auch nur ein Mensch auf dieser Erde ohne zu Hause, ohne Liebe, ohne Anerkennung seiner Würde und seiner Rechte lebt.

Wer andere aufnehmen will, muss selbstverständlich zu Hause sein, muss sich seines Glaubens vergewissern, muss sein Credo selber vertiefen und selber regelmäßig das Wort Gottes in sich aufnehmen. „Unser Dialog kann uns nicht von der Verpflichtung gegenüber unserem Glauben entbinden… Nur wer der Lehre Christi vollkommen treu ist, kann ein erfolgreicher Apostel sein. Und nur wer die christliche Berufung ganz lebt, kann gegen die Ansteckung durch die Irrtümer, mit denen er in Berührung kommt, gefeit sein.“ [14]

Zuhören und einladen werden zunehmend die fundamentalen pastoralen Haltungen sein, um die sich alle Verantwortlichen in der Seelsorge, Priester und LaienmitarbeiterInnen bemühen werden.

Der Christ, ein offener Mensch

Jeder Christ ist eingeladen, sich diese Option des Zuhörens und Einladens zu eigen zu machen. Dies gilt im kirchlichen Leben, aber auch in der Familie, am Arbeitsplatz, im öffentlichen Leben. Angesichts der großen Herausforderungen in unserer Gesellschaft werden die Gläubigen sich durch ihre Fähigkeit zuzuhören und ihre Art, ihren Beitrag in die öffentliche Debatte einzubringen, auszeichnen.

Zuhören und Aufnehmen sind Haltungen, die die Botschaft des Evangeliums weitergeben. Erwachsene, Jugendliche und Kinder werden gemeinsam in die Schule Jesu gehen, der selber im Gebet auf den Vater hörte und allen Menschen nahe war, wobei die Kleinen und Armen immer eine besondere Aufmerksamkeit erhielten.

Die Welt wird nicht von außen erlöst. Zuhören und Aufnahme laden ein, in die Welt einzutauchen, in der Welt zu sein, ohne von der Welt zu sein [15]; das ist der Weg, um den Menschen von heute in einer verständlichen und wohlwollenden Sprache das Evangelium vom Heil zu verkünden. Accueil, Zuhören und Aufnahme, können der Kirche ein strahlendes Gesicht geben, das die Liebe Gottes zu allen Menschen widerspiegelt.

[1] cf. erzbischöfliches Dekret vom 8. April 2009; erste Sitzung am 8. Juni 2009

[2] No 87

[3] Phil 2,5-8

[4] Mt 25,40

[5] Joh 14,9

[6] Mt 10,40

[7] LG 8

[8] LG 8

[9] Mk 10,51

[10] LG 48

[11] am 10. Oktober 1962

[12] GS 3

[13] Paul VI, Ecclesiam Suam 87

[14] Ibid. 88

[15] cf. Brief an Diognetes (Anonym 2. Jht.): „Les chrétiens habitent dans le monde, mais n’appartiennent pas au monde.“

 
 
 
In dieser Rubrik
© Église catholique à Luxembourg Kontakt | Webmaster Tools
 
logo

http://www.cathol.lu//prier-et-celebrer-beten-und-feiern/pastorale-pastoral/accueil-fur-eine-horende-und/article/die-kirche-als-haus-und-schule-von

© Église catholique à Luxembourg
certains droits réservés