Communio als Annahme Gottes und des Mitchristen
Der Begriff der Communio ist von zentraler Bedeutung in der Ekklesiologie des Zweiten Vatikanischen Konzils.
Er sagt vor den hierarchischen Unterschieden das Gemeinsame aller Getauften aus, und zwar primär in einem „vertikalen“ Verständnis - Gemeinschaft mit Gott durch Jesus Christus im Heiligen Geist - und sodann in der „horizontalen“ Sicht einer lebendigen Gemeinschaft miteinander.
Diese Gemeinschaft ist zunächst ein Geschenk von Gott, das es gilt, anzunehmen und weiter zu geben. Wer sich von Gott zutiefst angenommen weiß, wird nicht umhin kommen, seinen Mitchristen und seinen Mitmenschen anzunehmen. Nach den Worten von Papst Johannes-Paul II. liegt die große Herausforderung am Beginn dieses Jahrtausends darin, “die Kirche zum Haus und zur Schule der Gemeinschaft zu machen, wenn wir dem Plan Gottes treu sein und auch den tiefgreifenden Erwartungen der Welt entsprechen wollen.” [1]
Grundlegende Haltungen
Communio bleibt eine leere Worthülse, wenn sie nicht von einer “Spiritualität der Gemeinschaft” getragen ist. [2] Diese wiederum setzt grundlegende Haltungen voraus, die alle Getauften betreffen.
Gemeinschaft braucht die immer neue und vorurteilsfreie Annahme des Anderen. Zu ihr wird nur fähig, wer zur eigenen Bekehrung bereit ist.
Die Bekehrung befreit von Verschlossenheit und Selbstzufriedenheit. Sie öffnet Herz und Verstand auf Gott und den Mitmenschen hin. Sie überwindet, was Gemeinschaft unmöglich macht: Rechthaberei, Oberflächlichkeit, Besserwisserei, Überheblichkeit, Abwertung.
Gemeinschaft braucht das Hören auf den Andern und das Hören auf sich selbst, um zu prüfen, was mir den Zugang zum andern erschwert oder verbaut. [3] Niemand kann auf andere zugehen, wenn er nicht bei sich selbst „zu Hause“ ist. Hören und Annehmen bedingen, sich Zeit zu nehmen für das Gegenüber. Zeit schenken ist ein wesentlicher Bestandteil der Achtsamkeit und des Eingehens auf die Fragen, die Bedürfnisse, die Freuden und Ängste der Mitmenschen.
Wirkliche Empathie, also die Fähigkeit, sich in die Lage des Andern zu versetzen und seine Gefühle ernst zu nehmen, setzt die Bereitschaft voraus, ihm genügend Zeit und innere Aufmerksamkeit zu schenken.
Gemeinschaft entsteht dort, wo ich aus meinerGottverbundenheit den Mitmenschen als Bereicherung erfahre und ihm gleichzeitig die Freiheit zum Anderssein zugestehe.
In unserem pastoralen Alltag gibt es zahlreiche Gelegenheiten, die Haltungen einer hörenden und einladenden Kirche einzuüben. Die Menschen erwarten ein freundliches Gegenüber, wenn sie Anfragen zur Sakramentenspendung haben, das seelsorgliche Gespräch suchen oder nur eine einfache Auskunft brauchen.
Besonderes Einfühlungsvermögen, taktvoller Umgang und Zeit sind bei Trauergesprächen und im Umgang mit kranken Menschen gefragt. Hier sind alle Getauften gefordert. Eine Pastoral nach dem Herzen Jesu verlangt das Ernstnehmen der Menschen in ihren jeweiligen Anliegen. Die Güte und die Barmherzigkeit Gottes lassen sich nicht zuletzt an unserem menschenfreundlichen Tun und Sprechen ablesen.


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