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1999
Beichte: Die Heilstherapie Gottes

Was wurde nicht alles auf dem Kreuzweg zum Golgotha auf Jesu Schultern ausgeschüttet und abgeladen? Im Grunde war es alles, was es so an Sünden in den Menschen gibt: Lüge, Stolz, Neid, Hochmut, Macht und Besitzgier, falsche Zeugnisse, Verfluchungen, Verwünschungen, Verrat, Feigheit, Verleumdungen, Menschenfurcht, Spott, Brutalität, Demütigungen, Aufwiegelungen, Beleidigungen, Schläge, Lieblosigkeiten jeder Art. Jesus nahm alles auf sich, alles, wo die Menschen im Ungehorsam lebten, er trug die ganze Schuld, er wurde zum Sühnopfer, alles in Liebe und ohne Gegenwehr; er, der ohne jede Schuld war, an dem man keine Schuld finden konnte, der nur Gutes tat, er rief das Erbarmen Gottes auf alle Menschen herab: „Vater, verzeih ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“. Er gab sein Leben, seinen Leib und sein Blut, damit alle zum Heil und zur Freiheit kommen; damit keiner verlorengeht, sondern daß alle, auch der größte Sünder, das ewige Leben erhalten können. Er ist gekommen, um die Sünder zu retten, den Schuldschein zu zerreißen und die Werke des Widersachers im Menschen zu zerstören. Er ist der „verlorene“ Sohn, der mit aller Erdenschuld beladen, vor seinen Vater hinkommt, um Vergebung und Barmherzigkeit für die ganze Welt zu erbitten und alles in die Hände des Vaters zu legen.

Genau dies tut sich in dem Sakrament der Beichte. Der Beichtende erkennt sich reumütig als Sünder und legt seine sündigen Taten auf Jesus, er läßt sein egoistisches, ungehorsames Leben los und bekennt seine Bereitschaft zu einem neuen Glaubensleben in Jesus. Er braucht seine Sünde weder zu verstecken noch zu verdrängen, er darf seine Sünden beim Namen sagen, selbst wenn sie scharlachrot wären, und in ihm alles zurückhalten und ihm einflüstern möchte: „Das, was du getan hast, war zu groß, du wirst nie Vergebung für diese Grobheiten bekommen“.

Hier beginnt die Aufgabe des Priesters. Er ist ein Auserwählter, ein Berufener, ein Stellvertreter Christi mit dem Auftrag, die Sünden nachzulassen, die Menschen loszubinden und in die Freiheit der Kinder Gottes zurückzuführen. Ihm ist eine fünffache Aufgabe in der Beichte zugewiesen: Aufnahme all dessen, was abgeladen wird, Ermutigung und Tröstung sowie Ratgebung durch die Botschaft Christi, Gebet um innere Heilung von Verletzungen und Verwundungen durch die Sünde wie auch Gebet um die Kraft des hl. Geistes, Lossprechung des Beichtenden mit Vollmacht, Zuspruch des Segens Gottes mit dem Zeichen des Kreuzes.

Die Beichte ist nicht nur ein Beichtgespräch, nicht nur eine Gewissenserforschung oder eine Analyse der Vergangenheit, sie ist die Begegnung mit dem barmherzigen Vater, mit der heilenden und verzeihenden Kraft des Vaters, sie ist ein himmlisches Medikament für Leib, Seele und Geist, für alle Beziehungen mit Gott und den Mitmenschen, ja auch mit sich selbst. In den Armen des himmlischen Vaters schmilzt die Sünde, die negative Vergangenheit und öffnet sich die Türe zu einem neuen Leben im Frieden des Hauses des Vaters. Was Gott vergeben hat, ist für immer und ewig vergeben. Der Mensch, welcher wegen der Sünde tot war, erhält den Frieden Gottes, den er vorher so sehr auf falschen Wegen gesucht hat. Die Kraft, die in ihm gebrochen war, sie wird neu gegeben. Der Himmel freut sich mit jedem, der umkehrt und ein neues Leben im Herrn beginnt.

Die hl. Theresia vom Kinde Jesu sagte:

„Ja, ich fühle es, selbst wenn ich alle Sünden, die man begehen kann, auf dem Gewissen hätte, ich würde mich mit vor Reue gebrochenem Herzen, in Jesu Arme werfen, denn ich weiß, wie herzinnig er das verlorene Kind liebt, das zu ihm zurückkehrt... Ich bin mir bewußt, daß die Vielzahl der Beleidigungen wie ein Tropfen Wasser wären, der in eine feurige Lohe fällt“.

 
Albert FRANCK
 
 
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