Die Liebe des himmlischen Vaters übertrifft alles dem Menschen Vorstellbare. Stärker als Sünde, Haß und Groll läßt sie sich auch nicht vor der Krankheit abschrecken. Jesus kam, um uns die Werke des himmlischen Vaters zu offenbaren. Er ging an keinem Kranken vorbei mit der Bemerkung: ich habe keine Zeit, ich muß jetzt predigen, es gibt jetzt Wichtigeres. Er wies keinen um Hilfe rufenden Kranken ab: du bist unheilbar, du mußt deine Krankheit tragen, das ist halt dein Kreuz, das ist die Strafe für dein sündiges Leben. Er zeigte Mitleid mit dem Kranken und schaute auf sein vertrauensvolles Herz, auf den Glauben des Flehenden, und mit göttlicher Vollmacht heilte er den Kranken.
Diesen Strom der Heilungskraft will Jesus über seine Himmelfahrt hinaus in den Sakramenten der Kirche weiterfließen lassen.
Die Krankensalbung ist nicht nur ein Akt der Solidarität, der Aufmerksamkeit für den Kranken, sie ist nicht nur eine symbolische, rituelle Handlung; sie führt das weiter, was Jesus für die Kranken getan hat: Er salbte die Kranken mit Öl und legte ihnen die Hände betend auf; dies hat er seinen Jüngern aufgetragen und die Kirche hat bis heute an diesem Gebet für die Kranken festgehalten.
Hören wir die Gebete, die bei der Krankensalbung voller Vertrauen vom Priester an den Herrn gerichtet werden: „Durch diese heilige Salbung helfe dir der Herr in seinem reichen Erbarmen, er stehe dir bei mit der Kraft des heiligen Geistes. Der Herr, der dich von Sünden befreit, rette dich, in seiner Gnade richte er dich auf“.
Der hl. Jakobus rief die Mitchristen auf: „Ist einer von euch krank? Dann rufe er die Ältesten der Gemeinde zu sich: sie sollen über ihn beten und ihn im Namen des Herrn mit Öl salben. Das Gebet aus dem Glauben wird den Kranken retten, und der Herr wird ihn aufrichten, und wenn er Sünden begangen hat, werden sie ihm vergeben“.
Ein zweiter Strom mit der göttlichen Heilungskraft ist das Priestertum. Der Priester, ein Mann aus dem Volke, behaftet mit Fehlern und Schwachheiten, aber auch und vor allem ein von Gott Gerufener und Gesalbter, er ist ein Stellvertreter Christi, ein Botschafter Gottes und kraft der Salbung der Priesterweihe beauftragt, Gottes Wort zu verkünden und die Werke Jesu zu tun. In ihm kommt der Heiland auf den Kranken zu, in ihm spricht Jesus zum Kranken, in ihm richtet Jesus den Kranken auf.
Der dritte Strom ist die Eucharistie. Sie ist nicht nur eine Mahlfeier, eine Art gemeinsames Mahl, wo wir unsere Einheit und Solidarität bekunden; sie ist nicht nur Erinnerung an Vergangenes, ist nicht eingesetzt, um Menschen dieses oder jenes Kreises ein Gefallen zu machen, sie ist nicht nur Kinder oder Jugendmesse, Kranken oder Totenmesse, sie ist bedeutend mehr: sie ist an erster Stelle das immer wieder aktuell werdende Kreuzopfer Christi. Das, was so einmalig auf dem Kalvarienberg geschah, es wird stets neu vergegenwärtigt, wo die heilige Messe gefeiert wird.
Christus gibt sein Leben für uns dahin, Christus kommt und schenkt uns seinen Leib und sein Blut in der heiligen Kommunion. Christus nimmt Wohnung im Herzen des Menschen, und mit ihm die Fülle des ewigen Lebens. „Wer mein Fleisch ißt und mein Blut trinkt, hat ewiges Leben, und ich werde ihn auferwecken am jüngsten Tag“ (Joh. 6,54). Hier müssen die Finsternismächte das menschliche Herz verlassen, hier geschieht Stärkung und Belebung, Heilung und Befreiung.


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