Weil Gott uns liebt, weiß Er, was wir Menschen zutiefst brauchen. Er tröstet uns in all unserer Not, aber Er fordert uns auf, auch alle zu trösten, die in Not sind, durch den Trost, mit dem auch wir von Gott getröstet werden. Die Ursprünge der Muttergottesoktave liegen sicher auch in diesem Suchen nach Trost. Wie unzählige vor uns, so sind auch wir heute zu Maria der Mutter Jesu, der Trösterin der Betrübten gekommen, um auf ihre Fürsprache hin Trost und neue Kraft für unser Leben zu bekommen.
Mit Recht kann man fragen: was tröstet wirklich, wenn wir in Not sind? Was ist mehr als nur eine Lichtblick für einige Stunden? Was tröstet uns wirklich, wenn das zerbricht, was wir für „die Ewigkeit gebaut“ haben? Was tröstet, wenn Leid, Krankheit, Einsamkeit, Hilflosigkeit über uns hereinbricht? Was tröstet, wenn Eltern ein Kind verlieren? Oder wenn Kinder ihre Eltern durch Tod oder Trennung verlieren? Was tröstet, wenn Partnerschaften oder feste Freundschaften zerbrechen ... und wir von uns selbst enttäuscht sind?
In den letzten Monaten wurden meine Geschwister und ich ganz konkret bei unserer alten Mutter mit dieser Frage konfrontiert. Natürlich versuchten wir sie zu trösten so gut wir nur konnten. Natürlich war es für sie ein Trost, wenn sie ihre Kinder kommen sah und sie ein wenig bei ihr blieben. Doch selbst dann huschte des Öfteren ein Schatten von Traurigkeit über ihr Gesicht. Sie wusste genauso gut wie wir, dass wir immer wieder fort mussten zu unseren Familien, zu unserer Arbeit.
Trotz allem erfuhren wir aber auch richtigen Trost. Unsere Mutter - die vor sieben Wochen zu Gott heimgegangen ist - erlebte während der letzen Monate umgekehrt das, was sie uns als Kinder gelehrt hatte. Ich möchte dies erklären:
Es ist die früheste Erinnerung aus meiner Kindheit. Ich muss noch sehr klein gewesen sein, vielleicht zwei oder drei Jahre alt, denn mein Bettchen stand noch im Schlafzimmer meiner Eltern.
Mutter ging, wenn es ihr nur möglich war, auch werktags in die Morgenmesse. Dass ich mich überhaupt daran erinnere, liegt wahrscheinlich daran, dass sich folgende Situation regelmäßig wiederholte. Da ich noch klein und die Messe früh war, konnte sie mich nicht mitnehmen. Ich aber wollte Mutter nicht gehen lassen, obschon die Großeltern zuhause waren. Mutter fiel es bestimmt nicht leicht, mich zu trösten. Aber sie fand eine sehr schöne Lösung, die für mich bis heute zu einer wichtigen Erfahrung von Trost und Vertrauen auch in anderen Situationen wurde.
Mutter erklärte mir, dass sie zur hl. Kommunion gehen würde und versprach, mir dann nachher einen Kuss von Jesus zu geben. Das war ein Vorschlag, den ich akzeptierte. Sie können sich vorstellen, wie sehr ich darauf wartete, Mutter wieder zu sehen: und der Kuss von Jesus durfte nicht fehlen. Natürlich kam Mutter nach der hl. Messe sofort an mein Bett, um mir den versprochenen Kuss von Jesus zu geben. Auf beiden Seiten war die Freude sehr groß!
Bis zu ihrem Heimgang erfuhr Mutter in ihrer Schwachheit ähnliches mit uns. Natürlich sind wir dankbar für alle menschliche Zuwendung, die wir ihr geben konnten. Dennoch wussten wir, dass das allein nicht reicht. Mutter wusste genauso gut wie wir, dass der wahre Trost nicht unsere Person und unsere Anwesenheit ist, auch wenn das für beide Seiten sehr wichtig war. Denn der Augenblick des Abschieds kam immer wieder, und tat jedes Mal weh. Es war nicht schwer herauszufinden, was Mutter am besten tröstete: derselbe Trost, den sie mir als Kind schon gegeben hatte, ein Kuss von Jesus! So brachten wir ihr regelmäßig die HL. KOMMUNION, beteten und sangen mit ihr.
Warum aber ist gerade die hl. Kommunion so ein guter und wirksamer Trost? Besser als schönen Gedanken oder Geschenke? Wenn wir einem alten oder kranken Menschen die hl. Kommunion bringen oder helfen, dass sie ihm gebracht werden kann, dann bringen wir mehr als gute Worte: Wir dürfen eine Person bringen! Wir bringen Jesus Christus. Und Jesus Christus - weil Er Gott ist - bleibt, selbst wenn wir gehen müssen. Ja er geht sogar mit in den Tod, wo wir zurückbleiben müssen!
Wenn wir den Trost, den wir anderen geben wollen, allein von uns abhängig machen, dann überfordern wir uns selbst. Wenn wir aber Jesus den Weg vorbereiten und IHN bringen, dann gebraucht Er unsere Menschlichkeit, um durch uns zu anderen zu kommen und den wahren Trost zu bringen. Ist das nicht eine wunderbare, dankbare Aufgabe? Wer Jesus Christus zu den Menschen bringt, wird nicht nur gebraucht, er wird auch immer mehr in Jesus selbst verwandelt. Mit großem Respekt wollen wir den Kuss von Jesus in der hl. Kommunion empfangen.
Aber heute möchte Jesus uns noch einen anderen Kuss geben. So wie die hl. Kommunion ein Geschenk des Leidens Jesu an uns Menschen ist, so ist es auch die Krankensalbung, die wir gelegentlich empfangen. Im Ölberg hat Jesus nicht nur SEINE Todesangst gespürt. Er wurde erdrückt von der Angst aller Menschen aller Zeiten. Im Ölberg sagte Er Seinem Vater JA zum Kreuz. Es war nicht Sein Kreuz. Jesus sagte JA zum Kreuz der ganzen Menschheit.
Am Kreuz nahm Er dann aus Liebe zu uns alle Schuld und alle Krankheiten auf sich. Er hat unsere Krankheit getragen und unsere Schmerzen auf sich geladen. ... Er wurde durchbohrt wegen unserer Verbrechen, wegen unserer Sünden zermalmt. Jesaja 53.4-5
Jesus tat dies, damit Er und nicht wir von dieser Last erdrückt würden. Mehr noch: Seine Schmerzen sind für uns fruchtbar geworden. Zu unserem Heil lag die Strafe auf ihm, durch seine Wunden sind wir geheilt. (Jesaja 53,5) So sagt es der Trost-Prophet Jesaja und so glaubt es auch die Kirche. Was Jesus selbst in Seinem Leiden verwehrt blieb, Trost und Beistand in seiner Angst und Gottverlassenheit, Linderung der Schmerzen durch Öl, das möchte Er uns in vollem Maß schenken. Die Krankensalbung ist ein Sakrament - ein Kuss Jesu - mit dem Er uns in unserem Körper und unserer Seele berührt. Wie jedes andere Sakrament verbindet uns auch die Krankensalbung ganz fest mit Christus. Der Bischof und die Priester zeichnen den Kranken mit geweihtem Öl ein Kreuzzeichen auf die Stirn und auf die geöffneten Hände. Das ist das Zeichen, dass wir uns Jesus ganz öffnen und unser ganzes Vertrauen auf Ihn setzen. So verbinden wir uns in unserer Schwachheit und Krankheit mit Jesus und Seinem Leiden. Und Er schenkt uns Seine Kraft und seinen Trost, mit denen Er uns aufrichtet und beisteht.
Weil Gott uns liebt gibt Er uns den Kuss von Jesus, um bei uns zu sein, um uns zu trösten, zu stärken und aufzurichten.


Circle cathollu
Follow cathollu
Like cathollu
Permalink: http://www.cathol.lu/article792
Oben

