Können Sie gut zuhören? Spürt Ihr Gegenüber, dass Sie Ihn ernst nehmen? Z.B. am Telefon, wo er Sie nicht sieht. Sagen Sie Ihm, dass Sie mit dem Kochlöffel gerade die Suppe umrühren bist oder im Internet die Fußballresultate nachschauen. Wo sind Ihre Augen wenn jemand mit Ihnen spricht? Wo sind Ihre Gedanken? Ich denke, Sie haben verstanden, was ich sagen möchte! Es geht um mehr als um das rein akustische Zuhören.
Und welche Stellung hat das Wort Gottes in Ihrem Leben? Können Sie von sich behaupten, dass Sie auf Gott und Sein Wort hören? Was ist Ihr Lieblingswort aus der Bibel? Welches Wort hat Sie berührt und Ihr Leben verändert? Erlauben Sie mir eine letzte Frage: Wann haben Sie zuletzt in Ihrer Bibel gelesen?
Mit diesen Fragen möchte ich Sie weder beleidigen noch provozieren! Ich möchte Ihnen mit dieser Predigt Freude am Wort Gottes geben. Ich weiß sehr wohl, dass viele Christen Schwierigkeiten mit der Bibel haben. Dafür mag es diverse Gründe geben. Das muss aber nicht so bleiben. Die Schriftgelehrten im Tempel zu Jerusalem staunten über den 12 - jährigen Jesus, über sein Verständnis und über seine Antworten. Nikodemus, ein Schriftgelehrter, verstand Jesus nicht! Saulus, der spätere Paulus, auch ein tüchtiger Schriftgelehrter, verstand das Evangelium zunächst auch nicht!
Es ist bemerkenswert, wie oft Jesus über das Wort Gottes spricht. Er misst dem Wort Gottes eine sehr große Bedeutung bei. Sein Gebet, seine Predigten, Sein Ringen am Kreuz waren durchdrungen von dem Worte Gottes. Das bezeugen die vielen Zitate aus dem Alten Testament, denen er eine ganz neue Bedeutung und die Erfüllung gab.
Am deutlichsten spricht Er in seinen Gleichnissen über das Wort Gottes. Das Evangelium, das wir gehört haben, beginnt mit „Hört!“, und es schließt mit: „Wer Ohren hat zum Hören, der höre!“ Beide Male ist HÖREN mit einem Ausrufungszeichen versehen.
Bei der Erklärung, die Jesus seinen Jüngern zu diesem Gleichnis gibt, sagt er ganz deutlich, dass mit dem Samenkorn das Wort Gottes gemeint ist.
Bleiben wir zunächst bei den Samenkörnern in der Natur. Ein Samenkorn ist nicht etwas Totes. Jedes Samenkorn trägt eine präzise Information und ein Potential in sich. Damit das Potential sich entwickelt, muss das Samenkorn gesät werden und lässt dann eine ganz bestimmte Pflanze entstehen.
Aus Möhrensamen können keine Kartoffeln und aus Tomatensamen keine Sonnenblumen entstehen. Das ist alles ganz einfach und wir gehen ganz natürlich damit um. Wir brauchen nicht einmal viel Vertrauen beim Säen, denn wir wissen aus Erfahrung: was wir in die aufgelockerte Erde gesät haben, sprießt und wächst. Das einzige, das wir tun müssen ist SÄEN!
So ist es auch mit dem Wort Gottes. Nach der Lesung hören wir in der Kirche immer den Ruf: WORT DES LEBENDIGEN GOTTES. Ja, Gott ist lebendig, aber auch das Wort Gottes ist lebendig. Es ist viel lebendiger als der Samen unserer Pflanzen. Was in der Natur ganz natürlich geschieht, geschieht auch im übernatürlichen, im geistlichen Bereich. Der Prophet Jesaja sagt: 55.10 Denn wie der Regen und der Schnee vom Himmel fällt und nicht dorthin zurückkehrt, sondern die Erde tränkt und sie zum Keimen und Sprossen bringt, ... 11 so ist es auch mit dem Wort, das meinen Mund verlässt: Es kehrt nicht leer zu mir zurück, sondern bewirkt, was ich will, und erreicht all das, wozu ich es ausgesandt habe.
Das ist ein göttliches Prinzip, das Gott für den natürlichen wie für den übernatürlichen Bereich bestimmt hat. Gott spricht und es geschieht. Das Wort Gottes trägt eine Information und ein Potential in sich. Das Wort Gottes bewirkt, was Gott will.
Wenn es aufgenommen wird, geschieht das, wozu Gott es bestimmt hat. Das schönste Beispiel haben wir hier bei Maria. Sie sagt JA und das Wort Gottes wird Fleisch. Bei Maria fällt das Wort Gottes wie ein Samenkorn auf guten Boden und es bringt Frucht! Jesus kommt in die Welt, als die schönste Frucht, des schönsten Ja, das je ein Mensch gegeben hat. Maria hat ihr Ja gesagt, und das lebendige Wort - Jesus Christus - ist in ihr Fleisch geworden. Gott selbst hat für das Wachstum Seines Lebens in Maria gesorgt.
In unserem Leben als Gläubige ist das nicht anders. Wir brauchen uns nicht um das Wachstum zu sorgen, das ist Gottes Sorge. Unsere Sorge muss das Säen sein! Wo nichts gesät ist, da kann auch nichts wachsen. Denkt daran: Wer kärglich sät, wird auch kärglich ernten; wer reichlich sät, wird reichlich ernten. 2Korinther 9,6 Voraussetzung für göttliches, übernatürliches Leben ist das Säen. Das Saatgut, das Wort Gottes, ist vorhanden. Vor einiger Zeit las ich ein interessantes Beispiel:
Vor einigen Jahren wurde ein Missionar aus den Bergen von Peru weggejagt. Unterwegs verlor er seine Bibel, die in der Landessprache geschrieben war. Ein Lebensmittelhändler fand sie und verpackte von da an den Reis, den er verkaufte, in den Seiten dieser Bibel.
Nach einiger Zeit versammelten sich immer mehr Leute zum Gebet mit diesen Bibelseiten. Jedes einzelne Blatt hüteten sie wie einen Schatz. Sie wollten immer mehr aus diesem Buch hören und haben die vielen losen Seiten so wieder zu einer Bibel zusammengesetzt.
Wir ernten, was wir säen. Gottes Wort macht uns zu Christen und lässt unsere Gemeinschaften wachsen. Unsere Aufgabe ist das Säen.
Wenn unser Glaube, unsere Liebe zu Gott und den Menschen wachsen sollen, dann müssen wir dem Wort Gottes in reichlich Raum in uns geben. So ermahnt Paulus immer wieder: Das Wort Christi wohne mit seinem ganzen Reichtum bei euch. Kolosser 3,16
Weil Gott uns liebt, hört Er nicht auf, gute Worte in uns hinein zu säen. Wir erleben die Wahrheit Seines Wortes oft deshalb nicht, weil wir sie nicht annehmen und überprüfen. Ein ganz eminentes Beispiel sehen wir bei Jesu Leiden und Seiner Auferstehung. Als Jesus nach dem Abendmahl mit Seinen Jüngern in den Ölberg ging, sagte Er zu ihnen: „... nach meiner Auferstehung werde ich euch nach Galiläa vorausgehen.“ (Markus 14,28) Jesus hatte Seinen Jüngern also einen Anhaltspunkt, einen Treffpunkt gegeben. Und was taten die Jünger? Aus Angst sperrten sie sich ein, was menschlich gesehen sehr verständlich war. Aber Eingesperrte haben keine Möglichkeit, die Wahrheit der Worte Jesu zu überprüfen.
Die ersten, die sich hinauswagten, um zum Grab zu gehen, waren die Frauen. Und was glauben Sie, haben die Engel den Frauen am Grab gesagt? Sie gaben den Frauen nur eine äußerst knappe Besichtigung vom Grab Jesu. Eine Grabbesichtigung war ja nicht die Aufgabe der Engel, und das hätte die Frauen auch nicht wirklich trösten können. Was also taten die Engel? Sie säten noch einmal dasselbe Wort, das Jesus vor Seinem Sterben gesagt hatte: „Er geht euch nach Galiläa voraus; dort werdet ihr ihn sehen, wie er es euch gesagt hat.“ Mk 16,7
„Wie er es euch gesagt hat!“ Immer wieder mussten die Frauen und die Jünger diese Worte hören. Wie oft hatten die Jünger erlebt, dass Jesus keine leeren Worte sprach? Sie hatten oft erlebt, dass sich Seine Worte sich immer erfüllten! Das Wasser war zu Wein geworden, der Sturm gehorchte Seinem Wort, Petrus konnte über das Wasser gehen, Kranke wurden geheilt, Tote auferweckt, ihre Fischernetze gefüllt, Sünden vergeben, bei Seinem Einzug in Jerusalem fanden sie den Esel mit dem Fohlen. Sie fanden den Raum für das Abendmahl. “Sie fanden alles so, wie er es ihnen gesagt hatte.” Mk 14,16
Immer geschah es so, wie Jesus gesagt hatte. Keines Seiner Worte war leer. Jesus hatte sie nie belogen. Die Jünger mussten lernen, ganz dem Wort Gottes zu vertrauen.
Etwas Ähnliches habe ich mit unseren Ministranten erlebt: Es war am Karsamstagmorgen beim Klibberen: Ich fragte die Messdiener: “Kommt ihr heute abend und morgen zur Messe?” Ihre Antwort war ganz klar und fast vorwurfsvoll: „Sie brauchen uns nicht zu fragen. Sie wisssen doch, dass wir immer kommen.“
So ähnlich kann ich mir die Pädagogik Jesu mit Seinen Jüngern vorstellen. Jesus hatte immer gute Worte gesät und zuletzt auch dieses: „Aber nach meiner Auferstehung werde ich euch nach Galiläa vorausgehen.“ Markus 14,28
Um Gewissheit über die Auferstehung Jesu zu bekommen, müssen die Jünger gehen; sie müssen sich auf Weg machen. Das ist das alles Entscheidende. Sie müssen dem Wort Jesus konkret vertrauen.
Sie machten noch eine andere sehr interessante Erfahrung: jedes Mal, wenn sie einander erzählten, was sie mit Jesus erlebt hatten, kam Jesus in ihre Mitte. Auch das hatte Jesus ihnen vorher versprochen. Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen. Mt 18,20 Dieses Wort hatte Jesus ihnen als Garantie für Seine Gegenwart gegeben. Und Er hält Sein Wort bis heute. Wenn wir uns aus Liebe zu Ihm versammeln, dann ist Er mitten unter uns. Diese Erfahrung macht uns zur Kirche. Das ist die einfache christliche Basiserfahrung. Ein Christ allein ist tot. Wir brauchen uns gegenseitig, um Jesus lebendig in unserer Mitte zu erfahren. Unser Glaube lebt auch vom Zeugnis und den Erfahrungen von unseren Mitchristen. In diesem Kontext möchte ich die Wichtigkeit von Bibelgruppen, Bibelteilen und gemeinsamem Gebet unterstreichen und wärmstens empfehlen.
Um zu erfahren, dass Jesus lebt, müssen wir tun, was Er gesagt hat. Es reicht also nicht mit den Ohren zu hören. Wir müssen mit dem Herzen, mit den Händen und mit den Füssen hören. Sein Wort ist Wahrheit, Sein Wort ist Leben. Jesus selbst ist das lebendige Wort und will immer mehr in uns wachsen.
Zum Schluss dieser Predigt möchte ich ein Wort Jesu in euer Herz säen. Vor Seiner Himmelfahrt sagte Jesus zu seinen Jüngern: Bleibt in der Stadt, bis ihr mit der Kraft aus der Höhe erfüllt werdet. Und ich werde die Gabe, die mein Vater verheißen hat, zu euch herab senden. Lukas 24,49
Wir wissen, was geschehen ist. Wir wissen, dass die Jünger im Abendmahlssaal zusammen mit Maria um den Heiligen Geist beteten. Wir wissen, dass das Feuer des Heiligen Geistes aus dem Saal in die Stadt Jerusalem und in die ganze Welt hinausgetragen wurde. Wir wissen auch, dass unsere Zeit, unsere Pfarreien, unser Land, ein neues Pfingsten brauchen. Und wir wissen auch, dass Jesus dieses Wort - “ihr werdet mit der Kraft aus der Höhe erfüllt werden“ - nicht als billige, unrealistische Vertröstung gesät hat. Weil Gott uns liebt, will Er Sein Wort heute erfüllen, Er will es heute wahr machen. Das kann nur dann geschehen, wenn wir uns darauf einlassen und mit ganzem Herzen um die verheißene Gabe, den Heiligen Geist bitten. Wir dürfen gewiss sein, dass Gott dieses Gebet, zu dem Er selbst ermutigt hat auch erfüllt. Auch Maria, die Mutter aller Glaubenden ermutigt uns, durch ihr Wort und Beispiel, „zu tun, was Er uns sagt.“ Johannes 2,5
Wenn wir das tun, werden wir alles so finden, wie er es uns gesagt hat. Mk 14,16
Wer Ohren hat zum Hören, der höre!


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