Oktober 1999: Nach einer Operation am Auge erbringt die anschließende Gewebeprobe ein niederschmetterndes Resultat: Lymphdrüsenkrebs! Die Ärztin des deutschen Uniklinikums weicht dem direkten Blick aus und murmelt etwas von „höchster Zeit“. Widerwillen gegenüber der wohl unvermeidlichen Behandlung stellt sich ein. Ein Schauer kriecht den Rücken hinab beim Gedanken an den Fall, dass diese Behandlung möglicherweise nicht wirkt.
Dezember 1999: ein Gottesdienst der Vorweihnachtszeit. Man hört genauer zu, was gesagt wird, über Leben und Sterben und über das, was möglicherweise danach kommt - und plötzlich, durchaus unerwartet, stellt sich ein Gefühl der Ruhe ein. Eine Zuversicht, es wird schon werden. Und wenn nicht - eine Ahnung, auch in diesem schlimmsten Fall wird nicht alles vorbei sein, da ist noch mehr.
Dinge wie Tod, Sterben, das Danach - worüber man früher eher theoretisch, akademisch nachdachte, es ist jetzt ganz nah, ganz konkret, aber - kaum zu glauben - es hat seinen Schrecken verloren. Der Gedanke, bislang ein erfülltes und gutes Leben gehabt zu haben, anders als beispielsweise der Onkel, dessen Vornamen man trägt und der im Dezember 1943 jung im russischen Winter starb, tut ein Übriges.
Man geht ruhig aus dem Gottesdienst und gefasst in die Untersuchungen und Behandlungen der nächsten Wochen.
Januar 2003: Auch ein zwischenzeitlicher Rückfall ist, nicht zuletzt dank der exzellenten Behandlung im CHL, überstanden. Die Kraft, alles durchzustehen, das Gefühl, gelassen in die Zukunft sehen zu können, resultieren aus einer ganzen Reihe von Dingen, aber auch aus der Hoffnung, aus dem Glauben, dass auch im schlimmsten Fall noch etwas kommt, dass dies hier noch nicht alles war.
Eine Hoffnung, ein Glaube - nicht mehr sicherlich, keine Gewissheit, aber auch nicht weniger -, der aus Bibelworten wie dem oben erwähnten spricht.