Albert Biesinger/Ulrike Mayer-Klaus: Was feiern wir an Weihnachten? (Wenn Kinder mehr wissen wollen)
Freiburg: Herder Verlag. - 95 S.
Früher oder später kriegt er uns: der Weihnachtsrummel. Dazu gehört auch, über den vorweihnachtlichen Stress zu klagen und das Besinnliche zu vermissen. Abhilfe versprechen zahlreiche Adventskalender, die statt mit Schokolade mit Geschichten und kurzen Texten den Stress durchbrechen wollen.
Auch das Buch „Was feiern wir an Weihnachten?“ von Albert Biesinger und Ulrike Mayer-Klaus gehört in diesen Bereich, allerdings haben die Autoren eine andere, grundsätzlichere Herangehensweise gewählt. Sie bieten Erklärungen und Gestaltungstipps zur Advents- und Weihnachtszeit und zu ausgewählten Festen (Barbara, Nikolaus, Heiligabend, Silvester und Dreikönig). Dabei haben sie immer im Blick, was diese Feste und Zeiten heute bedeuten („Das hat mit uns zu tun“) und was Kinder davon verstehen können. Die Texte sind so angelegt, dass sie auch von religiös nicht mehr trittfesten Menschen verstanden werden können. Sie antworten auf so grundsätzliche Fragen wie: Warum hat der Adventskranz vier Kerzen? Was hat der Nikolaus mit dem Weihnachtsmann zu tun? Warum ist Jesus in einer Krippe geboren worden – und nicht in einem Palast? Auf den ersten Blick banale Fragen. Doch greifen die Autoren damit die Erkenntnis auf, dass das Wissen um die Bedeutung der Zeiten und Feste geschwunden ist – auch unter aktiven Christen.
Weil Rituale und Symbole mehr Eindruck machen als Texte, legen die Autoren außerdem großen Wert auf Gestaltungsvorschläge. Sie beginnen mit dem Adventskranz, der den Mittelpunkt der Adventsgestaltung in der Familie bilden kann. Ein weiterer Vorschlag gilt dem Fest der Heiligen Barbara (4. Dezember) und dem Brauch, an diesem Tag einen Barbarazweig zu schneiden und in eine Vase zu stellen.
Die Gestaltungstipps zu Nikolaus und zum Heiligen Abend wollen der inzwischen häufig vorkommenden Banalisierung dieser Feste entgegenwirken, deren Stimmung nur zum Konsum anregen soll. Durch Besinnung auf die Nikolauslegende soll deren Kernaussage für Eltern und Kinder gleichermaßen wieder zugänglich werden: Der heilige Nikolaus mahnt durch sein Verhalten, Menschen in Not selbstlos zu helfen.
Die beiden Vorschläge für die Gestaltung des Heiligen Abends zeichnen sich durch ihre Schlichtheit aus. Beide stellen die Lichtsymbolik in den Mittelpunkt, die seit jeher mit der Menschwerdung Christi verbunden ist. Die Feier beginnt in einem abgedunkelten Raum, der durch Kerzenschein langsam immer heller wird, bis schließlich die Kerzen auf dem Christbaum den Raum hell erleuchten. Weihnachtsgeschenke und das gemeinsame Essen haben nach dieser kleinen Feier ihren Platz. Die Gestaltungstipps werden durch Lieder, Texte und Gebetsanregungen ergänzt.
Das Buch trägt der Einsicht Rechnung, dass religiöse Erziehung nur dann gelingen kann, wenn Kinder religiöse Erfahrungen machen können und nicht nur theoretisch im Religionsunterricht oder in der Katechese davon hören. Diese Erfahrungen müssen zuallererst die Familien ermöglichen. Das verlangt Engagement von den Eltern, die sich dazu auch mit dem eigenen Glauben auseinandersetzen müssen. Dass sich dieses Engagement für Eltern und Kinder gleichermaßen lohnt, zeigt sich spätestens dann, wenn man die Gestaltungsvorschläge aus diesem Buch ausprobiert. Als Nebeneffekt wird man dann erleben, dass Advent und Weihnachten nicht im Rummel der „Vorweihnachtszeit“ untergehen.
(Als „Religiöses Buch des Monats“ benennen der Borromäusverein, Bonn, und der St. Michaelsbund, München, monatlich eine religiöse Literaturempfehlung, die inhaltlich-literarisch orientiert ist und auf den wachsenden Sinnhunger unserer Zeit antwortet.)