Annegret Hiekisch: Dem Geheimnis auf der Spur. In der Familie Gott erfahren.
Kinder sind die besseren Religionslehrer. Oft sind nämlich ihre bohrenden Fragen Anlass für Eltern und andere Erwachsene, sich neu Gedanken zu machen über das Warum und Wieso, das Woher und Wohin des menschlichen Lebens. Auch die Taufe eines Kindes oder Rituale und Feste, die in Kindergarten und Schule mit anderer Intensität begangen werden als zu Hause, können die Sehnsucht nach einem auch spirituell erfüllten Leben wecken.
Doch wo ist im turbulenten Familienalltag Platz für Spiritualität? Annegret Hiekisch zeigt in ihrem Buch, dass eine familienkompatible Spiritualität weniger eine Frage der verfügbaren Zeit als eine Frage der Haltung ist. Ihr Motto: Gott in allen Dingen suchen, also auch am Wickeltisch, beim Bügeln und bei der Beschäftigung mit Kindern. „Gott zeigt sich mitten in unserem Leben, wo sich vielleicht unerwartet ein neuer Horizont auftut, wo Beglückendes geschieht, wo nach einem Streit Verzeihen möglich ist, wo ich plötzlich eine große Dankbarkeit in mir fühle oder wo ich die tiefe und unverdiente Liebe eines anderen Menschen spüren darf.“
Als Voraussetzung für diese Suche nach den Spuren Gottes im Alltag nennt Hiekisch eine Haltung der Achtsamkeit. Sie hilft, die Sehnsucht nach Glück, erfülltem Leben und nicht zuletzt nach dem Kontakt zu Gott wachzuhalten – und dafür und für die vielen Kleinigkeiten des Alltags dankbar zu sein. Konkret schlägt sie vor, Gott in den Alltag einzubeziehen, etwa durch ein bewusst gesprochenes Stoßgebet, durch einen Gedanken an Gott in Zeiten des Leerlaufs, z.B. wenn man im Supermarkt an der Kasse wartet oder beim Arzt im Wartezimmer sitzt, und durch Achtsamkeitsübungen wie den Tagesrückblick. Diese Kleinigkeiten stellen im Alltag den Kontakt zu Gott her und helfen, ein Bewusstsein für die Gegenwart Gottes zu entwickeln.
Ihre Gedanken zum Leben in der Gegenwart Gottes entwickelt Hiekisch in drei Kapiteln. Im ersten Kapitel macht sie sich grundsätzliche Gedanken zur Möglichkeit, sich Gott zu nähern, im zweiten geht es darum, die innere Haltung der Achtsamkeit zu entwickeln. Im dritten Kapitel schließlich beschreibt sie Wege zu Gott, mit denen sie im Laufe ihrer Berufstätigkeit als Pastoralreferentin und in ihrer eigenen Familie gute Erfahrungen gemacht hat. So schlägt sie vor, sich das „Du“ in der Beziehung zu Gott und die Intimität, die darin liegt, neu bewusst zu machen. Dieses „Du“ zu Gott bilde die Grundlage für eine Gottesbeziehung, die man mit Teresa von Avila als Freundschaft bezeichnen könne.
Annegret Hiekisch zeigt mit ihren theologisch durchdachten, gleichwohl bodenständigen Anregungen, dass eine lebendige Gottesbeziehung keine Frage tiefer mystischer Begabung oder theologischer Ausbildung ist, sondern durch viele Kleinigkeiten und eine achtsame Haltung im Alltag wachsen kann. „Dem Geheimnis auf der Spur“ kann Familien helfen, ihren Weg zu und mit Gott zu finden.
Annegret Hiekisch: Dem Geheimnis auf der Spur. In der Familie Gott erfahren.
Ostfildern: Schwabenverlag 2010.
120 S.
MedienNr.: 328 873
Als „Religiöses Buch des Monats“ benennen der Borromäusverein, Bonn, und der Sankt Michaelsbund, München, monatlich eine religiöse Literaturempfehlung, die inhaltlich-literarisch orientiert ist und auf den wachsenden Sinnhunger unserer Zeit antwortet.