Anselm Grün, Jan-Uwe Rogge : Kinder fragen nach Gott.
„Jedes Kind ist ein Traum, den Gott vom Menschen träumt“, sind Anselm Grün und Jan-Uwe Rogge überzeugt. Sie werben in ihrem Buch dafür, jedem Kind aus dieser Haltung heraus zu begegnen, seine Einzigartigkeit zu entdecken und es vorbehaltlos anzunehmen mit seinen Stärken und Schwächen. Jedes Kind ist ein Traum – dahinter steht ein Perspektivwechsel. Spirituelle Erziehung achtet Kinder als aktive, handelnde Persönlichkeiten, die es zu entdecken und in ihrer Entwicklung zu begleiten gilt, so Grün und Rogge. Kinder sind keine Objekte, die erst noch geformt und belehrt werden müssten. Das ist die den Kindern zugewandte Seite der spirituellen Erziehung.
Doch Grün und Rogge haben auch die Eltern im Blick. Sie beschreiben das Rüstzeug, das sie sich erarbeiten können, damit Erziehung nicht nur ein K(r)ampf ist, sondern mehr und mehr eine Kunst wird. Die Grundhaltung, die sie mit spiritueller Erziehung verbinden, beschreiben sie mit dem berühmten Spruch „Wenn ihr nicht werdet wie Kinder ...“ (Mt. 18,3). Wie ein Kind werden, heißt für die Autoren, offen zu sein, staunen zu können und im Hier und Jetzt zu leben.
Kraft dafür können Eltern gewinnen, indem sie sich die innere Quelle bewusst machen, aus der heraus sie leben und die stärker ist, als sie selbst. Sie verhindert nicht, dass Erziehung Eltern an ihre Grenzen bringt, aber sie hilft über diese Durststrecken hinweg.
Aus diesem Bewusstsein kann dann auch die Gelassenheit wachsen, die es braucht, um sich selbst anzunehmen mit seinen Stärken und Schwächen. Eltern dürfen in der Überzeugung handeln : „Ich tue, was ich kann. Und das genügt.“, weil sie darauf vertrauen dürfen, dass ihr Tun den Segen Gottes hat. Kinder brauchen keine perfekten Eltern, schreiben Grün und Rogge, sie brauchen authentische Eltern, die zu ihren Gefühlen stehen.
Eine solche Haltung gewinnt man nicht von heute auf morgen, da ist ein gehöriges Maß an Selbsterziehung nötig. Aber das Ergebnis ist – das legen jedenfalls die Beispiele nahe, die die Autoren vorstellen – eine größere Leichtigkeit in der Erziehung und ein entspannterer Umgang zwischen Eltern und Kindern.
Man kann dieses Buch nicht guten Gewissens als Erziehungsratgeber bezeichnen, denn Grün und Rogge bieten kein ausgefeiltes Konzept mit Patentrezepten für bestimmte Situationen. Es geht ihnen vielmehr darum, die verschiedenen spirituellen Dimensionen des Erziehens in den Blick zu nehmen und damit den Eltern das Leben leichter zu machen. Zwei Kapitel beschäftigen sich ausdrücklich mit Spiritualität (Spiritualität als Kraftquelle - Glaube, Hoffnung und Liebe als Grundtugenden), in weiteren Kapiteln geht es um die Entwicklungsschritte des Kindes, um Grenzen und Grenzüberschreitungen und darum, dass Erziehung auch mühsam ist. Die Autoren befassen sich mit den Eigenschaften, die eine gute Erziehungspersönlichkeit mit der Zeit ausbilden sollte, sie beschreiben den Wert der Rituale und widmen ein ausführliches Kapitel unter dem Motto „Loslassen und Halt geben“ der Trotzphase und der Pubertät.
Jedes Kind ist ein Traum Gottes - die Botschaft dieses Buches hat etwas geradezu Weihnachtliches, weil es Eltern und Kindern hilft, mehr Mensch zu werden.
Anselm Grün, Jan-Uwe Rogge : Kinder fragen nach Gott. Wie spirituelle Erziehung die Familien stärkt.
Reinbek bei Hamburg : Rowohlt 2011. – 250 S
(Als „Religiöses Buch des Monats“ benennen der Borromäusverein, Bonn, und der Sankt Michaelsbund, München, monatlich eine religiöse Literaturempfehlung, die inhaltlich-literarisch orientiert ist und auf den wachsenden Sinnhunger unserer Zeit antwortet.)