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Recensions de livres / Buchtipps
Ansichten Christi. Christusbilder von der Antike bis zum 20. Jahrhundert.
Religiöses Buch des Monats September 2005

Ansichten Christi.
Christusbilder von der Antike bis zum 20. Jahrhundert.
Köln: DuMont Verlag. - 295 S.

Anders als in vielen Weltreligionen gibt es im Christentum kein Bilderverbot. Weil in Jesus Christus Gott Mensch geworden ist, lässt sich das Göttliche prinzipiell auch darstellen - in Menschengestalt. Auf der anderen Seite gibt es aber kein gesichert überliefertes Porträt des Jesus von Nazaret. So kann und darf sich die Kunst seit zwei Jahrtausenden in künstlerischer Freiheit um eine Darstellung Christi bemühen. Die aus Anlass des XX. Weltjugendtages vom 1. Juli bis 2. Oktober 2005 im Kölner Wallraf-Richartz-Museum zu sehende Ausstellung „Ansichten Christi“ widmet sich dieser spannungsvollen Aufgabe der christlichen (oder zumindest vom Christentum inspirierten) Kunst, dem Antlitz Christi für den Betrachter eine konkrete Gestalt zu geben.

Der großformatige Begleitband zur Kölner Ausstellung enthält nicht nur hochwertige Farbreproduktionen aller 92 Exponate, sondern gibt zu jedem Kunstwerk auch eine ausführliche kunsthistorische Erläuterung mit zahlreichen bibliographischen Hinweisen für eine vertiefte Beschäftigung mit verschiedenen Aspekten des Themas. In drei allgemeinen Einführungskapiteln wird zunächst das Gesamtkonzept der Ausstellung erläutert, dann der vielschichtige Zusammenhang zwischen dem dargestellten Angesicht Christi und dem Begriff der Schönheit behandelt und schließlich die Geschichte des Christusbildes aus theologischer Sicht geschildert. Die anschließend abgebildeten Ausstellungsstücke entstammen der abendländischen Kunstgeschichte von der römischen Antike (frühchristliche Sarkophage) bis zur Moderne (Beuys, Warhol). Einführungskapitel zu jeder der sieben Abteilungen, in denen die Ausstellungsstücke (überwiegend Gemälde, aber auch einige Skulpturen und etliche Graphiken) präsentiert werden, beschreiben die Grundfragen und die Entwicklungsgeschichte eines jeweils besonderen Aspektes (Der Auferstandene, Bilder vom Nicht-Darstellbaren, Urbilder des Antlitzes Christi, Christus und der Künstler, Ansichten Christi auf Papier, Christus: Gott und Mensch, Passion und Emotion). Dass die Kunstwerke somit nicht chronologisch, sondern thematisch angeordnet sind, trägt dazu bei, das intensive Ringen der Künstler um religiöse Aspekte des Dargestellten verstehbar zu machen und so den Betrachter selbst zu einer spirituellen, im Sinne des Weltjugendtagsmottos „anbetenden“ Haltung gegenüber dem Antlitz Christi zu veranlassen. Insofern ist dieser prachtvolle Bildband nicht nur ein beeindruckender Überblick über ein zentrales Thema der christlichen Kunstgeschichte, sondern auch eine wirkungsvolle Einladung zum meditierenden Betrachten der Heilsgeheimnisse der Menschwerdung Gottes.

(Als „Religiöses Buch des Monats“ benennen der Borromäusverein, Bonn, und der Sankt Michaelsbund, München, monatlich eine religiöse Literaturempfehlung, die inhaltlich-literarisch orientiert ist und auf den wachsenden Sinnhunger unserer Zeit antwortet.)

 
 
 
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