Benedikt XVI.: „Ich vertraue auf euch“. Die Predigten und Reden zum Beginn des Pontifikats.
Benedikt XVI.: „Ich vertraue auf euch“.
Die Predigten und Reden zum Beginn des Pontifikats.
Herausgegeben und eingeleitet von Martin Posselt.
München: LangenMüller Verlag, 2005. 127 S.
Ein Deutscher als Papst - nur zu verständlich, dass das Interesse an Benedikt XVI. in Deutschland besonders groß ist. Sofort nach der Papstwahl Ende April stürmten Bücher von und über Joseph Ratzinger die deutschen Bestsellerlisten, zahlreich sind die Neuerscheinungen über Benedikt XVI. in diesen Wochen. Eines der schönsten Bücher zur Papstwahl ist die unter den Titel „Ich vertraue auf euch“ gestellte Sammlung der eigenen Worte von Papst Benedikt, die er kurz vor und kurz nach dem Konklave an alle Menschen unserer Zeit gerichtet hat. Der Band enthält vier Predigten, zwei davon - zum Requiem für Johannes Paul II. und vor dem Einzug der Kardinäle ins Konklave - hat Joseph Ratzinger noch als Dekan des Kardinalskollegiums gehalten, die anderen beiden kurz nach seiner Wahl - bei der ersten Messe als Papst in der Sixtinischen Kapelle und bei der Amtseinführung auf dem Petersplatz.
In der Predigt beim Requiem für Johannes Paul II. steht das Schriftwort „Folge mir nach!“ im Mittelpunkt, von dem her das Leben und das Pontifikat des Verstorbenen gewürdigt werden. Die Einheit von Wahrheit und Liebe in einem reifen Glauben, der zur Freundschaft mit Christus führt, wird in der Messe zum Konzilsbeginn thematisiert. Die erste Predigt des neu gewählten Papstes in der Sixtinischen Kapelle betont die bleibende Aktualität des Zweiten Vatikanischen Konzils, die Bedeutung der Eucharistie und die Notwendigkeit ökumenischer Bemühungen. In der Homilie zur feierlichen Amtseinführung auf dem Petersplatz deutet der Heilige Vater dann die päpstlichen Insignien Pallium und Fischerring, er spricht über die Geduld Gottes mit den Menschen und die Zusage des guten Hirten, seine Herde zu einigen.
Ergänzt werden diese vier großen Predigten durch die ganz kurzen, bewegenden ersten Worte Benedikts von der Loggia des Petersdoms an die auf dem Petersplatz versammelten Gläubigen nach der Bekanntgabe des „Habemus papam“ sowie durch die Ansprache bei der ersten Audienz für deutsche Pilger am 25. April. Auf die in den Predigten ausgelegten Schriftstellen wird jeweils am Seitenrand verwiesen, in einem Anhang sind die biblischen Texte - allerdings nur jeweils der direkt angesprochene Satz - dann selbst aufgeführt. Ein kurzes Vorwort des Herausgebers, der bereits eine viel beachtete Biografie von Johannes Paul II. geschrieben hat, fasst prägnant die Ereignisse und Stimmungen der Tage zwischen dem Sterben von Johannes Paul II. und dem Amtsantritt von Benedikt XVI. zusammen und gibt eine unprätentiöse erste Einschätzung der Hintergründe dieser Papstwahl.
Die ebenso sprachschönen wie inhaltlich eindrucksvollen Predigten zeigen Benedikt XVI. nicht nur als brillanten Theologen, sondern sind vor allem geprägt von einer tiefen Spiritualität. So ist dieses Buch wesentlich mehr als nur eine Dokumentation des „Regierungsprogramms“ von Benedikt XVI., es ist eine bereichernde geistliche Lektüre von bleibendem Wert.
(Als „Religiöses Buch des Monats“ benennen der Borromäusverein, Bonn, und der Sankt Michaelsbund, München, monatlich eine religiöse Literaturempfehlung, die inhaltlich-literarisch orientiert ist und auf den wachsenden Sinnhunger unserer Zeit antwortet.)