Böse Frauen.
Hrsg. von Anneliese Hecht.
Stuttgart : Verlag Katholisches Bibelwerk [u.a.], 2005. - 100 S.
(Reihe FrauenBibelArbeit, Band 15)
Mit jetzt 15 Bänden liegen in der Reihe FrauenBibelArbeit seit 1998 thematisch unterschiedlich akzentuierte Bände vor, die sich programmatisch dem immer gleichen Anspruch stellen: Biblische Texte auf ihre besondere Aussage für Leserinnen hin zu betrachten, traditionelle Aussagen und Denkgewohnheiten vor dem Hintergrund des Textbefundes zu hinterfragen und Anregungen für die Bibelarbeit zu geben.
Das Vorwort des neuen Bandes, der in Kooperation mit dem Verlag der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands erscheint, verrät die Spannung um die Titelgebung. Im Ergebnis verzichtet die Herausgeberin auf die möglichen Anführungszeichen, da sich die sieben Hauptkapitel des Buches mit sieben Frauenfiguren und deren in der Bibel erfahrbaren Lebensgeschichte widmen, die in vielen Köpfen auch mit einer negativen Erinnerung gespeichert sind: die Ur-Frau Eva, die Hellseherin von En-Dor, die Königin Atalja, die Dirne Gomer, die Drahtzieherin Herodias und ihre Tochter Salome, die Hure Babylon und die Sünderin. Die Autorinnen, in unterschiedlichen Positionen in der kirchlichen Bibel- und/oder Frauenarbeit tätig, skizzieren jeweils zur Erinnerung die in der kirchlichen Tradition, in Kunst und Literatur gegenwärtigen Bilder und (Vor-) Urteile zu den Figuren und begeben sich dann auf den Weg, den biblischen Textbefund mit zahlreichen Rückgriffen auf die Ursprungstexte darzulegen. Besonders gewinnbringend gelingt dabei auch die Einbeziehung der Lebenssituationen der Frauen zur Zeit der Entstehung der Texte. Immer wieder wird die nahe liegende Frage erörtert, warum und welche Frauenklischees in der biblischen Tradition stecken, was damit in der Schrifttradition ausgesagt werden wollte und welche im Regelfall positiven Bedeutungen biblischen Frauen aus dem heutigen Stand der Bibelforschung und -interpretation entgegengesetzt werden können.
Der besondere Gewinn dieses Bandes, dessen Lektüre gerade auch männlichen Lesern besonders zu empfehlen ist, liegt darin, dass es nicht bei den Textuntersuchungen bleibt. Es schließen sich - entsprechend dem Aufbau der gesamten Reihe FrauenBibelArbeit - ausführliche Hinweise und Anleitungen für Bibelgruppen an. Hier spüren auch nicht unmittelbar davon betroffene Leserinnen und Leser die umfassende Tradition weiblicher Bibelrezeption gerade in den Frauenverbänden und Gemeindegruppen, mit ihrer Kreativität, Glaubensstärke und Ausstrahlung. Provokativ und gleichzeitig sensibel führen die Autorinnen besonders potentielle Leiterinnen solcher Gespräche an den biblischen Befund und die Möglichkeiten heran, vorhandene Klischees in den Köpfen durch Gespräche und methodische Gruppenarbeit aufzubrechen.
(Als „Religiöses Buch des Monats“ benennen der Borromäusverein, Bonn, und der Sankt Michaelsbund, München, monatlich eine religiöse Literaturempfehlung, die inhaltlich-literarisch orientiert ist und auf den wachsenden Sinnhunger unserer Zeit antwortet.)