Christiane Bundschuh-Schramm, Annegret Hiekisch: Familienbalancen.
In einer Familie gibt es immer etwas zu tun: kochen, waschen, aufräumen, Kinder zu Terminen bringen, selbst Termine wahrnehmen. Wenn dann noch beide Eltern arbeiten wollen oder müssen, bleibt kaum Zeit zum Durchatmen, geschweige denn Muße, um an sich selbst oder gar an Gott zu denken. Wie sich das Familienleben so gestalten lässt, dass Aufgaben und Freiräume einigermaßen ins Gleichgewicht gebracht werden können, zeigen Christiane Bundschuh-Schramm und Annegret Hiekisch in diesem Buch. Mit dem Bild der Balance machen die beiden Autorinnen deutlich, dass sich das menschliche Leben zwischen Polen abspielt, zwischen Arbeit und Freizeit, Anspannung und Entspannung. In vier Themenbereichen aus dem Familienalltag (Erziehungsbalancen, Partnerbalancen, Alltagsbalancen und religiöse Balancen) beschreiben sie, wie sich die verschiedenen Pole ausbalancieren lassen. Mit Balance meinen sie dabei keinen starren Zustand, sondern einen ständigen Ausgleich zwischen den Polen, so wie sich die Balancierstange eines Hochseilartisten ständig bewegt, wenn er über sein Seil läuft.
Ein solcher Balanceakt ist der zwischen Elternsein und Partner bleiben. Für ein gelingendes Familienleben ist beides nötig, auch wenn sich der Eltern-Pol ständig in den Vordergrund drängelt. Nur wenn auch Raum ist für die Liebe zwischen den Partnern, wenn sie sich zeigen kann in Zeiten zu zweit, sind die Partner auf Dauer in der Lage, auch Veränderungen und Krisen zu meistern. Auch das Gleichgewicht zwischen gemeinsam gestaltetem Leben und den eigenen Wünschen und Sehnsüchten gehört zu einer gelingenden Partnerschaft. Beide Partner brauchen Zeit und Raum, um sich selbst in den Blick zu nehmen und sich etwas Gutes zu tun. Diese Liebe zu sich selbst ist eine wichtige Voraussetzung, um auf andere Menschen zugehen zu können und befähigt erst zur Nächstenliebe. Für gläubige Menschen wurzelt diese Selbst- und Nächstenliebe grundlegend in der Ausrichtung auf Gott. Dass Gott das Fundament des Familienlebens ist, machen die Autorinnen nicht nur an dieser Stelle deutlich. In allen Kapiteln zeigen sie, wie sich die geistliche Grundlage des Familienlebens gestalten lässt.
Jede Beschreibung der Pole, zwischen denen sich das Familienleben in den unterschiedlichen Bereichen erstreckt, mündet in konkrete Vorschläge, wie Familien hier die Balance halten können. Dabei bringen die Autorinnen – beide Theologinnen – ihre eigenen Erfahrungen als berufstätige Mütter von zwei bzw. drei Kindern ein, was ihrer Vorschläge familientauglich macht. Das bedeutet nicht, dass sie mit einem Patentrezept für ein gelingendes Familienleben aufwarten würden. Im Gegenteil, sie verstehen ihre Ausführungen als Denkanstöße, mit denen Familien sich auf die Suche nach der eigenen Balance machen können. Dennoch lassen sich zwei Grundhaltungen ausmachen, die zum Gelingen des Familienlebens entscheidend beitragen können: Achtsamkeit sowohl den äußeren Ereignissen gegenüber als auch den inneren Regungen und ein Grundvertrauen, das durch das Gefühl des Geborgenseins in Gott hervorgerufen wird. Die beiden Autorinnen leisten mit ihrem Buch einen wertvollen Beitrag zu einem ausbalancierten Familienleben, das mehr bietet als Kochen, waschen und Fremdbestimmung durch Termine.
Christiane Bundschuh-Schramm, Annegret Hiekisch: Familienbalancen.
Wie das Miteinander gelingt.
Ostfildern: Schwabenverlag 2010. – 200 S.
(Als „Religiöses Buch des Monats“ benennen der Borromäusverein, Bonn, und der Sankt Michaelsbund, München, monatlich eine religiöse Literaturempfehlung, die inhaltlich-literarisch orientiert ist und auf den wachsenden Sinnhunger unserer Zeit antwortet.)