Christiane Bundschuh-Schramm: Mit Kindern kommt Gott ins Haus.
Christiane Bundschuh-Schramm: Mit Kindern kommt Gott ins Haus.
Wie religiöse Erziehung gelingt.
Ostfildern: Schwabenverlag 2007. 128 Seiten.
Das Interesse an Religion hat für einen Boom an spirituellen Ratgebern gesorgt. Doch oft scheitert der Versuch, ein Mehr an Spiritualität im Leben unterzubringen, an der Alltagsrealität. Es ist eben nicht einfach, sich wie ein Mönch täglich ein festes Maß an Zeit zu nehmen, um zu beten und zu meditieren. An dieser Hürde scheitern gerade Eltern mit heranwachsenden Kindern. Für Christiane Bundschuh-Schramm ist eine einfache Alltagsspiritualität die beste Grundlage für religiöse Erziehung. Und diese ist in erster Linie eine Frage des selbstverständlichen Tuns. Alltagsspiritualität heißt nicht: Nimm dir so und so viel Zeit, um zu schweigen, zu meditieren und zu beten, sondern: Schau deinen Alltag an und beziehe alles, was du tust und was dir widerfährt, auf Gott. „Alles zur Ehre Gottes“, zitiert die Autorin Teresa von Avila: Kartoffeln schälen, Wäsche waschen, Kinder ins Bett bringen. Vielleicht ist dieser Gedanke, Gott im alltäglichen Tun zu suchen, ungewohnt. Seine Tradition hat jedoch in Benedikt von Nursia oder Elisabeth von Thüringen wichtige Vorbilder. Kinder können ihren Eltern helfen, spirituelle Grundhaltungen im Alltag zu entdecken: Sie können im Spiel oder in einem Buch vollkommen versinken. Diese Versenkung verweist ebenso auf eine spirituelle Grundhaltung wie die von Eltern gefürchtete Klage „Mir ist langweilig!“. Kinder sind zu einem hohen Maß an Aufmerksamkeit fähig und brauchen dementsprechende Reize. Wird dieses Bedürfnis nicht erfüllt, kommt Langeweile auf. Erwachsene neigen dagegen dazu, mehrere Dinge gleichzeitig zu tun und ihre Aufmerksamkeit zu teilen. Von Kindern können sie eine größere Intensität des Lebens lernen. Für ihr offensichtlich aus langer Elternpraxis erwachsenes Konzept hat Christiane Bundschuh-Schramm das Bild vom spirituellen Familienhaus gewählt, an dem Eltern und Kinder gemeinsam bauen. Es steht für Geborgenheit und Aufbruch, zwei spirituell wie menschlich wichtige Grunderfahrungen. Hier darf jeder sein, wie er ist, wird mit seinen Stärken und Schwächen akzeptiert. Kinder dürfen hier lernen, ohne überfordert zu werden. Diese Geborgenheit, die Eltern ihren Kindern schenken, müssen die Eltern nicht allein „machen“, sie kommt von Gott. Auch die Ermutigung zum Aufbruch, die die ganze Familie immer wieder braucht, kommt letzten Endes von Gott. Das alles müssen Eltern nicht bis ins Letzte durchdenken, viel wichtiger ist der Autorin ein selbstverständlicher Umgang mit der spirituellen Dimension des Familienlebens. Kleine Rituale gründen die Familie in Gott: Das gemeinsame Tischgebet, das Abendgebet, ein Kirchgang am Sonntag. Mehr braucht es nicht. Christiane Bundschuh-Schramm hat sich ein Augenmaß für das spirituell Mögliche in der Familie bewahrt, das keinem Familienmitglied eine zusätzliche Last aufbürdet, sondern Gott im Alltag zum Vorschein bringt. Und religiöse Erziehung gewinnt dadurch wieder eine Selbstverständlichkeit, die ihr lange Zeit abging.
(Als „Religiöses Buch des Monats“ benennen der Borromäusverein, Bonn, und der Sankt Michaelsbund, München, monatlich eine religiöse Literaturempfehlung, die inhaltlich-literarisch orientiert ist und auf den wachsenden Sinnhunger unserer Zeit antwortet.)