Franz-Josef Nocke: Ja sagen zum Alter.
München: Kösel-Verlag. - 119 S.
Angesichts einer weit verbreiteten Angst vor dem Älterwerden und vielfacher „Anti-Aging“-Bemühungen wirkt ein Buch mit dem Titel „Ja sagen zum Alter“ vielleicht nicht unbedingt zeitgemäß. Doch ist es aus christlicher Sicht gerade gegenüber den Verdrängungsversuchen der modernen Gesellschaft unerlässlich, an die Unausweichlichkeit von Altern und Sterben zu erinnern – und dabei zugleich eine Perspektive der Hoffnung und der Zuversicht aufzuzeigen. Diese Ansicht vertritt der emeritierte Essener Dogmatiker Franz-Josef Nocke mit seinem sympathisch bescheidenen Büchlein über das Alter in überzeugender Weise.
Angeregt durch die eigene Lebenserfahrung untersucht der mittlerweile 75-jährige Theologe, inwieweit der christliche Glaube dazu beitragen kann und will, sich mit dem Altern zu versöhnen. Zunächst geht der Autor aber von den allgemein menschlichen Erfahrungen mit dem Älterwerden aus, die meistens den Verlust an Gesundheit, Kraft, Einfluss etc. bedeuten. Diese negativen Erfahrungen sollen weder geleugnet noch schöngeredet werden – auch in der Bibel gibt es diese Sicht des Alters, etwa im Buch Kohelet oder in manchen Psalmen. Wenn das Alter nur als Zeit der Verluste und der Defizite gesehen wird, dann sind Verdrängung und Ablehnung verständliche Reaktionen. Der christliche Glaube erlaubt es aber, auch in Verlust und Krankheit, Leid und Verzicht einen Sinn zu entdecken, von dem her man dann trotz aller nicht zu leugnender Defizite schließlich doch ein versöhntes Ja zum Alter sagen, das Alter im Vertrauen auf Gott annehmen kann.
Diese positive Bedeutung und den spezifischen Sinn des Alterns stellt Nocke im Rückgriff auf Werke von Romano Guardini und Karl Rahner, aber auch im Blick auf neuere Bewegungen in der (Pastoral-)Theologie dar. Dabei wird natürlich berücksichtigt, dass das Altern individuell ganz verschieden sein kann und dass der Lebensabschnitt Alter für den modernen Menschen aus verschiedenen Phasen besteht. Insbesondere die sog. „dritte Lebensphase“, die heute zwischen Erwerbstätigkeit und dem mit größeren Einschränkungen verbundenen hohen Alter oft noch fünfzehn oder zwanzig Jahre bei relativ guter Gesundheit bereitstellt, soll mit sinnvoller Tätigkeit gefüllt werden – auch dabei kann der Glaube wesentlich helfen. Statt fertiger Patentrezepte gibt der Autor schließlich „im Glauben begründete Impulse“ für den rechten Umgang mit dem Alter: unter anderem geht es um die Themen „Dankend zurückblicken“, „Abgeben“, „Sich helfen lassen“, „Den Jüngeren die Zukunft gönnen“ oder „Im Horizont einer Hoffnung“. Als ermutigende und hilfreiche Orientierung sollte dieses Buch weite Verbreitung finden.
(Als „Religiöses Buch des Monats“ benennen der Borromäusverein, Bonn, und der Sankt Michaelsbund, München, monatlich eine religiöse Literaturempfehlung, die inhaltlich-literarisch orientiert ist und auf den wachsenden Sinnhunger unserer Zeit antwortet.)