Gebhard Fürst: Leben aus der Kraft der Auferstehung.
Gebhard Fürst:
Leben aus der Kraft der Auferstehung.
Ostfildern: Schwabenverlag, 104 S.
Auch wenn im Volksbrauchtum oft Weihnachten als größtes christliches Fest erscheinen mag, ist Ostern doch unbestritten das zentrale Fest des christlichen Glaubens. Das zeigt sich nicht zuletzt auch daran, dass es in der katholischen Kirche eine 40-tägige Vorbereitungszeit auf das Osterfest hin gibt, welches dann sogar 50 Tage lang gefeiert wird. Die notwendige Einheit der Osterzeit mit der vorausgehenden Fastenzeit betont Gebhard Fürst in seinem Buch „Leben aus der Kraft der Auferstehung“: Die Botschaft von der Auferstehung Jesu Christi gibt dem Christen Zuversicht und Hoffnung, aber sie kann dies nur deshalb, weil sie Leid und Tod so ernst nimmt, dass deren Radikalität nicht geleugnet, sondern überwunden werden – der Auferstandene trägt die Wundmale des Gekreuzigten noch an sich. Das Buch enthält darum Predigten, Meditationen und andere Texte des Bischofs von Rottenburg-Stuttgart sowohl zur Fastenzeit wie auch zu Ostern, um deren inneren Zusammenhang aufzuzeigen: „Es führt kein anderer Weg zur Auferstehung.“
Die Aschermittwochsansprachen zeigen, weshalb Christen die Endlichkeit des diesseitigen Lebens nicht verdrängen müssen – weil sie auf Jesus Christus zugehen und von seiner Auferstehung her die eigene Vergänglichkeit annehmen können, da diese nicht das Letzte bedeutet. Ein Fastenhirtenbrief und eine Fastenpredigt zeigen den Sinn und die Möglichkeiten der Fastenzeit auf: innezuhalten und das eigene Leben neu zu überprüfen, auf Überflüssiges zu verzichten und frei zu werden, Gott wieder als die eigentliche Kraft unseres Lebens zu erfahren. Die Texte zur Karwoche schildern Jesus als den Heiland, der heilsame Begegnungen schenkt (Chrisam-Weihe), als den Meister, der gegen jede menschliche Logik seinen Jüngern dient (Gründonnerstag), der das Leiden auf sich nimmt nicht nur bis hin zum Tod, sondern auch bis hin zur Gottverlassenheit (Karfreitag). Die Osterpredigten schließlich vermitteln auf vielfältige Weise, dass Jeus nicht nur selbst vom Tod auferstanden ist, sondern auch für uns ewiges Leben vergegenwärtigt hat und uns so ein neues, wahres Leben ermöglicht, frei von der Angst, im Diesseits etwas zu versäumen.
In ihrer Gesamtheit zeichnen die gesammelten Texte so die Wegstationen des Leidens, Sterbens und der Auferstehung Jesu Christi als Lebensdimensionen jedes Christen nach. Sie erlauben es, die Ereignisse der Kar- und Ostertage immer wieder zu meditieren und auf das eigene Leben zu beziehen. Dadurch wird dieses kleine Buch ein wirklich hilfreicher und wertvoller Begleiter durch die Fastenzeit und die Ostertage hindurch, die er als „notwendige“ Einheit begreiflich zu machen versteht. (Sankt Michaelsbund)
(Als „Religiöses Buch des Monats“ benennen der Borromäusverein, Bonn, und der St. Michaelsbund, München, monatlich eine religiöse Literaturempfehlung, die inhaltlich-literarisch orientiert ist und auf den wachsenden Sinnhunger unserer Zeit antwortet.)