Gerlinde Baumann: Ewiges Leben. Hoffnung über den Tod hinaus.
„… und das ewige Leben. Amen.“ Mit diesen Worten endet das Glaubensbekenntnis, das die Christen regelmäßig im Gottesdienst sprechen. Im Alltag dagegen hat die christliche Vorstellung vom ewigen Leben an Bedeutung verloren. Für diesen Bedeutungsverlust gibt es viele Gründe, ein Wirklichkeitsverständnis zum Beispiel, das nur anerkennt, was sich messen, berechnen, beweisen oder beobachten lässt. Doch haben die christlichen Kirchen auch selbst dazu beigetragen, indem sie die Hoffnung auf das ewige Leben missbraucht haben für Machterhalt und Angst machende Erziehung. Ganz aufgeben können die Menschen die Hoffnung aber wohl nicht, dass das Leben im Hier und Jetzt noch nicht alles gewesen ist.
Welche Bedeutung hat das christliche Bekenntnis zum ewigen Lebe
n also noch? Wie kann man als aufgeklärter Mensch des 21. Jahrhunderts einen Zugang dazu finden? Für Gerlinde Baumann liegt die Bedeutung des ewigen Lebens in seinen Auswirkungen auf das Leben im Hier und Jetzt: Die Vorstellung vom ewigen Leben könne utopische Kraft entwickeln und als Korrektiv dienen für das Leben, wie es jetzt gerade ist. Außerdem führe das Bewusstsein vom ewigen Leben zu größerer Gelassenheit: „Das, was wir Menschen trotz aller Kämpfe und Anstrengungen hier nicht erreichen werden, können wir in Gottes Hand legen, damit es durch ihn vollendet wird.“ (108)
Beweisen lässt sich das ewige Leben nicht, gesteht Baumann unumwunden ein. Darin liegt vielleicht das größte Problem dieser Vorstellung. Doch zeigt Baumann anhand biblischer Texte, dass es gute Gründe gibt, auf ein Leben nach dem Tod zu hoffen. Sie geht auf die Einwände gegen einen Glauben an das ewige Leben ein und räumt mit falschen Vorstellungen zu Begriffen wie Ewigkeit, Himmel, Hölle und Gericht auf. Die leibliche Auferstehung beschreibt sie als zentral für die christliche Vorstellung vom ewigen Leben. Allerdings sei der Auferstehungsleib des Menschen nicht einfach ein geheilter, optimierter irdischer Leib, es handele sich vielmehr um eine andere Weise der Leiblichkeit, die den ganzen Menschen bewahre. Auch hier schränkt Baumann ihre Überlegungen ein, die leibliche Auferstehung bleibe das große Rätsel des christlichen Glaubens, über das man nur annäherungsweise und in Bildern reden könne.
Diese ehrliche Zurückhaltung zeichnet Baumanns Buch aus. Sie vermeidet haltlose Spekulationen über das, was die Menschen nach dem Tod erwartet, und beschränkt sich darauf, die christliche Hoffnung auf das ewige Leben zeitgemäß zu begründen. Auch wenn Gerlinde Baumann das ewige Leben aus Sicht der evangelischen Theologie darstellt, referiert sie die katholische Position, wo sich die Vorstellungen der beiden Konfessionen unterscheiden. Ihre Darstellung ist auf ein breites Publikum zugeschnitten und dennoch theologisch wohl fundiert. Wer den letzten Worten des Glaubensbekenntnisses auf den Grund gehen und ihre Bedeutung in unserer Zeit verstehen möchte, findet über Baumanns Buch einen guten Zugang.
Gerlinde Baumann: Ewiges Leben. Hoffnung über den Tod hinaus.
Herder 2010
121 S.
(Als „Religiöses Buch des Monats“ benennen der Borromäusverein, Bonn, und der Sankt Michaelsbund, München, monatlich eine religiöse Literaturempfehlung, die inhaltlich-literarisch orientiert ist und auf den wachsenden Sinnhunger unserer Zeit antwortet.)