Hans Schaller / Dominik Terstriep: Vom Segen in alltäglichen Dingen.
Hans Schaller/Dominik Terstriep: Vom Segen in alltäglichen Dingen.
Ostfildern: Matthias-Grünewald-Verlag (Topos plus Taschenbuch), 120 S.
In der Routine des Alltags scheint der größte Teil unseres Lebens mehr oder weniger lautlos und spurlos zu verschwinden. Der heilige Ignatius von Loyola war jedoch der Ansicht, es sei möglich und nötig, Gott in allen Dingen zu finden, auch in den unscheinbarsten und selbstverständlichsten Kleinigkeiten des Alltags. Die beiden Jesuiten Hans Schaller und Dominik Terstriep untersuchen diesem Ignatius-Wort entsprechend in ihrem Büchlein „Vom Segen in alltäglichen Dingen“ die vielfältigen Möglichkeiten, gerade im Unscheinbaren des konkreten Lebens immer wieder die Gnade Gottes zu erkennen.
Den monoton sich wiederholenden Alltag zu strukturieren, ihm durch feste Gewohnheiten, Rituale, regelmäßig wiederkehrende Zeiten der Besinnung und des Gebets eine geordnete Gestalt und damit auch so etwas wie tragfähige Scharniere zu geben, ist das erste Anliegen der Autoren. Das Buch wird so in drei Hauptabschnitte unterteilt: Der Morgen – Der Tag – Der Abend. Diesen drei Tagesabschnitten sind aber nicht nur typische Funktionen des Tagesablaufs (Aufstehen, Arbeiten, Zu-Bett-Gehen) zugeteilt, sondern auch grundsätzliche Geisteshaltungen, die den jeweiligen Tagzeiten am ehesten entsprechen: die Erfahrung des Anfangs, die Besinnung auf eigene Stärken und Schwächen und letztlich die Annahme seiner selbst für den Morgen, als Grundlage für den ganzen weiteren Tag; Arbeit, Mahlzeiten und Gespräche als fundamentale Aktivitätsmuster und dadurch Charakteristika des Tages; Feiern, Lesen und das Überdenken des vergangenen Tages als Momente des Tagesabschlusses und des Zur-Ruhe-Kommens am Abend.
All diese grundlegenden Erfahrungen werden von den Autoren im Licht des Glaubens untersucht und gedeutet. Dabei wird manches vertraute Schriftwort in einen neuen Zusammenhang gebracht, werden klassische Texte spiritueller Literatur herangezogen (von Johannes Chrysostomus über Bernhard von Clairvaux und Ignatius von Loyola bis Edith Stein und Karl Rahner) oder verdeutlichen eigene Überlegungen und Beispiele der Autoren die Möglichkeiten, im Gebet die Routine des Alltags mit all ihren kleinen und größeren Mühseligkeiten und Freuden in ein Gespräch mit Gott und in einen Dienst für Gott zu verwandeln. Auf diese Weise wird das ganz unspektakuläre Büchlein vielleicht mehr Wirkung für die einzelne Leserin und den einzelnen Leser entfalten können, als man wohl auf den ersten Blick glauben würde.
(Als „Religiöses Buch des Monats“ benennen der Borromäusverein, Bonn, und der Sankt Michaelsbund, München, monatlich eine religiöse Literaturempfehlung, die inhaltlich-literarisch orientiert ist und auf den wachsenden Sinnhunger unserer Zeit antwortet.)