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Recensions de livres / Buchtipps
John L. Allen : Das neue Gesicht der Kirche. Die Zukunft des Katholizismus.
Religiöses Buch des Monats Juni 2011

Nach dem Tod von Johannes Paul II. spekulierten Kirchenleute und Medien gleichermaßen über einen Nachfolger aus Afrika oder Lateinamerika. Doch die Kardinäle entschieden sich bekanntlich anders. Ganz aus der Luft gegriffen waren diese Spekulationen jedoch nicht, wie John L. Allen zeigt. Er weist darauf hin, dass heute schon die Mehrzahl der Katholiken in den Ländern des globalen Südens lebt und die Kirche dort dynamisch wächst.

Ein stärker global – und nicht mehr europäisch – geprägter „Weltkatholizismus“ ist daher einer von zehn Trends, die Allen, der Vatikan-Korrespondent der US-Zeitung National Catholic Reporter ist, für das 21. Jahrhundert ausmacht. Als weitere Trends nennt er nach langjähriger Beobachtung der katholischen Welt und intensiven Diskussionen mit den Lesern seines Blogs „All Things Catholic“ : den evangelikalen Katholizismus, den Dialog mit dem Islam, die neue Demografie, die zunehmende Rolle der Laien, die biotechnische Revolution, die Globalisierung, die Ökologie, die Mehrpolarität der Weltpolitik und die Pfingstbewegung.

So neutral und undogmatisch wie möglich beschreibt Allen das, was sich seiner Ansicht nach für das 21. Jh. abzeichnet. Er beweist damit einen Weitblick, den man im deutschen Kirchenjournalismus vermisst – spätestens dann, wenn man das Buch gelesen hat.

Den Ton im 21. Jh. werde der „evangelikale Katholizismus“ angeben, meint Allen. Diese heute schon dominante Strömung betone stark die katholische Identität und vertrete traditionelle Positionen : Sie beharre darauf, dass die katholische Kirche die einzig wahre Kirche sei, lehne Abtreibung und Homosexualität weiterhin klar ab und sei sehr auf die eindeutige Trennung von Priestern und Laien bedacht. Zugleich wird sie in wirtschaftlichen und politischen Fragen eher linke Positionen vertreten, dem Kapitalismus und der Globalisierung skeptisch gegenüberstehen und das auch deutlicher als bisher vertreten.

Dass die Laien im 21. Jh. eine größere Rolle spielen werden, ist bei näherem Hinsehen kein Widerspruch dazu. Denn Priestermangel ist ein weltweites Problem, die Laien werden daher nach Allens Einschätzung im Rahmen ihrer Befugnisse das kirchliche Leben selbstständiger in die Hand nehmen müssen, vor allem in den Städten : als Katecheten, in Bibelgruppen und in kleinen christlichen Gemeinschaften.

Als einen weiteren bedeutsamen Trend bezeichnet er die Ökologie. Auf die Sorge um die Schöpfung hat Papst Johannes Paul II. die Katholiken bereits Ende des letzten Jahrtausends verpflichtet. Ihr Engagement könnte zu einem neuen, nachhaltigen, von einer ökologischen Spiritualität geprägten Lebensstil führen, der auch die Armen der Welt nicht aus den Augen verliert.

Das 21. Jh. wird von den Katholiken Mut verlangen, fasst Allen zusammen, „global katholisch zu sein, also die Kirchturmperspektive einer bestimmten Sprache, ethnischen Zugehörigkeit, geografischen Region oder Ideologie aufzugeben und sich zur Mitgliedschaft in einer wirklich ‚katholischen’ Kirche zu bekennen.“ Dazu ist eine ganze Menge Bewusstseinsbildung nötig – mit der Lektüre dieses Buches wäre ein

John L. Allen : Das neue Gesicht der Kirche. Die Zukunft des Katholizismus. _ Gütersloh : Gütersloher Verlag 2011. – 494 S.

(Als „Religiöses Buch des Monats“ benennen der Borromäusverein, Bonn, und der Sankt Michaelsbund, München, monatlich eine religiöse Literaturempfehlung, die inhaltlich-literarisch orientiert ist und auf den wachsenden Sinnhunger unserer Zeit antwortet.)

 
 
 
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