Knauer, Peter: Hinführung zu Ignatius von Loyola.
Knauer, Peter: Hinführung zu Ignatius von Loyola.
Freiburg, Herder Verlag, 192 S.
Am 31. Juli feiert der Jesuitenorden den 450. Todestag seines Gründers Ignatius von Loyola. Der Frankfurter Jesuit Peter Knauer hat aus diesem Anlass eine sehr gelungene „Hinführung“ zum heiligen Ignatius verfasst. Nach einer knappen, aber prägnanten Lebensbeschreibung, die fern von jeder Legendenbildung gleichwohl eine ungewöhnlich beeindruckende Persönlichkeit schildert, wird vor allem das Wirken des großen Heiligen in den Mittelpunkt gestellt. Ausgangspunkt dieses Wirkens war die besondere Spiritualität des Ignatius, die mit ihrem Leitwort „Gott in allem finden“ die religiösen Vorstellungen der damaligen Zeit durchaus revolutionierte - wofür sich Ignatius auch mehrfach vor der spanischen Inquisition zu rechtfertigen hatte. Ausführlich stellt der Autor die „Geistlichen Übungen“ vor, das Hauptwerk des Ignatius von Loyola, das in seiner doppelten Zielrichtung - sowohl als Schule des Glaubens und des Gebets wie als Wegweiser für persönliche Lebensentscheidungen - dargelegt und interpretiert wird. Knauer zeigt, wie gewissenhaft und behutsam Ignatius versucht, sich der Wahrheit anzunähern, eine „Unterscheidung der Geister“ vorzunehmen und dabei offen zu bleiben für nötige Korrekturen und eventuelle Alternativen zu einem selbst gesetzten Weg. Auf der Basis seiner aktiven, weltzugewandten Spiritualität entstand bei Ignatius der Entschluss zur Ordensgründung. Der zweite Teil des Buches schildert die Grundprinzipien und -regeln des Ordenslebens der „Gesellschaft Jesu“ als den Versuch, auf möglichst wirksame Art und Weise Gott zu dienen und „den Seelen zu helfen“.
Der Autor, Herausgeber der Deutschen Werkausgabe des Ignatius von Loyola, zitiert in großem Umfang aus dessen eigenen Schriften und Briefen, gibt jedoch dazu vielerlei Verständnishilfen und erläutert manches durch zeitgemäße Beispiele. Er ist dabei auch darauf bedacht, gängige Missverständnisse - dass etwa der Orden als Werkzeug zur Gegenreformation gegründet worden sei oder dass die Jesuiten zu einem „Kadavergehorsam“ verpflichtet wären - abzuweisen und den eigentlichen Intentionen des Ordensgründers möglichst genau auf die Spur zu kommen. Die dazu immer wieder nötig werdenden erklärenden Anmerkungen sind nicht in einem eigenen Anmerkungsteil, sondern jeweils auf der entsprechenden Textseite selbst untergebracht - ein Hin- und Herblättern wird dem Leser dadurch erspart. Ein kleines, kommentiertes Verzeichnis ausgewählter Literatur ermöglicht es, bei besonderem Interesse den einen oder anderen Aspekt zu vertiefen.
Insgesamt ist das recht preisgünstige Taschenbuch eine äußerst informative und sachliche Hinführung, die viele Leserinnen und Leser dazu einlädt, einen großen Heiligen und seine von zeitloser Aktualität geprägte Spiritualität näher kennen zu lernen.
(Als „Religiöses Buch des Monats“ benennen der Borromäusverein, Bonn, und der Sankt Michaelsbund, München, monatlich eine religiöse Literaturempfehlung, die inhaltlich-literarisch orientiert ist und auf den wachsenden Sinnhunger unserer Zeit antwortet.)