Köster, Peter: glauben und leben.
Mit Aquarellen von Andreas Felger.
Hünfelden: Präsenz Verlag. - 95 S.
Nach einem über zwei Jahrhunderte anhaltenden Prozess der Säkularisierung befindet sich Europa heute - nach allgemeiner Einschätzung - in einem Zustand der Glaubenskrise. Dass diese Krise jedoch noch lange nicht das endgültige Aus für den Glauben bedeuten muss, zeigt das zuletzt neu erwachte allgemeine Interesse an Religiosität in jeglicher Form.
Der Frankfurter Jesuit Peter Köster ist der Überzeugung, in dieser Situation müsse man sich wieder verstärkt darauf besinnen, wie in früheren Generationen der jüdisch-christliche Glaube weitergegeben wurde - weniger durch ausgefeilte Sachargumente als vielmehr durch die Weitergabe gelebter persönlicher Glaubenserfahrungen, die ja auch die Grundlage biblischer Erzählungen und Berichte sind. Kösters neues Buch „glauben und leben“ versucht daher, das Apostolische Glaubensbekenntnis und das Vaterunser für die Menschen unserer Zeit so zu erläutern, dass „der spirituelle Bedeutungskern der Glaubensgeheimnisse zur Entfaltung kommen“ kann, „damit Gott für den einzelnen Menschen lebendige Wirklichkeit, ein lebendiges Du wird“. So geht der Autor Aussage für Aussage durch das Apostolische Glaubensbekenntnis hindurch und versucht jeweils zu erläutern, welche konkreten Glaubenserfahrungen sich in den Bekenntnisaussagen widerspiegeln und wie diese auch für unser eigenes Leben bedeutsam sind bzw. wirksam werden können. Als Adressaten sind dabei in erster Linie diejenigen im Blick, die den Glauben (wieder) neu entdecken wollen, weshalb der Autor wirklich bei den Grundlagen des Glaubens ansetzt und bewusst darauf verzichtet, zu sehr ins Detail zu gehen. Ziel ist es eben nicht, einen mehr oder weniger vollständigen Katechismus zu liefern, sondern Impulse für eine Glaubensentdeckung oder -vertiefung zu setzen.
Dabei orientiert sich der Autor nicht an einer bestimmten Methode; die Deutungen beziehen sich immer wieder auf biblische Zeugnisse, aber auch literarische Texte, Zitate anderer Autoren oder Beispiele aus dem alltäglichen Leben kommen in den Blick. Nach dem Apostolischen Glaubensbekenntnis widmet sich der Autor noch der Erklärung des Vaterunser-Gebetes, das als christliches Grundgebet in einem engen inneren Zusammenhang zum Glaubensbekenntnis steht. Vier über das Buch verteilte abstrakte Aquarelle von Andreas Felger geben dem Leser die Gelegenheit, zwischen der Lektüre immer wieder einmal innezuhalten.
Insgesamt richtet sich das Buch vor allem an Leser, die noch nicht oder nicht mehr allzu viel vom christlichen Glauben wissen, doch können durchaus auch Leser/innen mit einem vertieften spirituellen Interesse in dem schön gestalteten Büchlein noch manches Neue entdecken.
(Als „Religiöses Buch des Monats“ benennen der Borromäusverein, Bonn, und der Sankt Michaelsbund, München, monatlich eine religiöse Literaturempfehlung, die inhaltlich-literarisch orientiert ist und auf den wachsenden Sinnhunger unserer Zeit antwortet.)