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Recensions de livres / Buchtipps
Martini, Carlo Maria: Auch die Seele kennt Tag und Nacht.
Religiöses Buch des Monats Mai 2005

Martini, Carlo Maria: Auch die Seele kennt Tag und Nacht.
München: Verlag Neue Stadt, 2005. 78 S.

Der Wechsel von frohen und hellen Tagen und von Zeiten der Finsternis im eigenen Inneren ist eine Grunderfahrung jedes Menschen. Der langjährige Erzbischof von Mailand, Carlo Maria Martini, möchte mit seinem Büchlein „Auch die Seele kennt Tag und Nacht“ den Gläubigen helfen, diese Unstetigkeit unseres Seelenlebens im Licht des Glaubens zu begreifen und anzunehmen.

Kardinal Martini unterscheidet dabei die „Nacht der Sinne“, die wir erleben, wenn unsere Gefühle nicht unseren Glaubensüberzeugungen entsprechen, von der „Nacht des Glaubens“, in der dessen tiefe innere Beweggründe selbst fraglich geworden zu sein scheinen. Diese „Nacht des Glaubens“ sieht Martini auch in unserer heutigen westlichen Gesellschaft insgesamt vorherrschen, es ist die Gottesferne der säkularen Welt. Doch auch die geschichtlichen Erfahrungen des 20. Jahrhunderts mit zwei Weltkriegen und dem Holokaust können als ungeheure Nacht des Glaubens einer ganzen Kultur gedeutet werden. Bei seinen Überlegungen lässt sich Kardinal Martini immer wieder leiten von Regeln, die der hl. Ignatius formuliert hat, um die verschiedenen Regungen der Seele unterscheiden zu lernen, vor allem aber vom Blick auf das Leben Marias, wie es dem Evangelium zu entnehmen ist. Denn auch Propheten und Heilige, ja selbst die Mutter Gottes blieb von derartigen Zeiten innerer Finsternis nicht verschont, gerade an Maria können wir aber vorbildhaft erkennen, wie der Nacht des Herzens zu begegnen ist. Dazu gehört es, auf Momente der Verunsicherung vorbereitet zu sein, in dunklen Zeiten bewusst keine weitreichenden Entscheidungen zu treffen, vor allem aber weiter festzuhalten am Gebet und am grundsätzlichen Gottvertrauen.

Nach der Betrachtung der dunklen Zeiten des Herzens wendet sich Kardinal Martini dem Licht zu, „das nach der Finsternis aufstrahlt“. Dieses Licht wird wiederum unterschieden in den „Trost des Geistes“, der im Nachsinnen über die Heilige Schrift und die Heilsgeschichte etwas von der Wahrheit des göttlichen Heilsplans erkennen lässt, in den „Trost des Herzens“, der auf der affektiven Ebene dazu einlädt, sich dem Evangelium zu überlassen, unter anderem auch einfach deshalb, weil es schön ist, und schließlich den „Trost des Lebens“, der in der Lage ist „im Tag die Nacht zu erkennen und in der Nacht das Licht zu sehen“. Aus der Gnade dieser göttlichen Tröstungen heraus können wir die Kraft finden, auch in schweren Momenten treu auszuharren, auch in Zeiten des Zweifels geduldig zu warten, vertrauensvoll im Blick auf das ewige Leben unsere Zukunft zu gestalten.

Der Autor formuliert knapp und präzis, in schlichten, klaren Worten. Manches bleibt dabei nur angedeutet - an jedem Kapitelende gibt es jedoch konkrete Anregungen zum weiteren Nachdenken und zum Gebet. So wird das schmale Büchlein zu einer wertvollen geistlichen Lektüre, die viele Leserinnen und Leser finden sollte.

(Als „Religiöses Buch des Monats“ benennen der Borromäusverein, Bonn, und der Sankt Michaelsbund, München, monatlich eine religiöse Literaturempfehlung, die inhaltlich-literarisch orientiert ist und auf den wachsenden Sinnhunger unserer Zeit antwortet.)

 
 
 
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