Matthias Wörther: Betrugssache Jesus.
Matthias Wörther: Betrugssache Jesus.
Michael Baigents und andere Verschwörungstheorien auf dem Prüfstand.
Würzburg, Echter Verlag 2006, 152 S.
Die vergangenen Monate boten manch Aufsehen erregende Lesestoffe in einer nach Sinn, Herkunft und Zukunft suchenden Gesellschaft: vermeintlich neue Funde zur christlichen Religionsgeschichtsschreibung, spannende Thriller um kirchliche Ränkespiele, Mohammed-Karikaturen in Zeitungen oder Comicserien im Fernsehen. Manche wischten sich verwundert die Augen: Zu viel öffentliches Interesse an (für kirchliche Insider) wenig aufregenden Inhalten. Andere riefen zum Protest auf.
Matthias Wörther, Theologe, Medienfachmann im Bistum München Freising und Sprecher der Medienstellenleiter in den deutschen Diözesen, bietet mit seinem Werk einen wichtigen Beitrag gegen den Trend. Mit seinem Verlag leistet er sich einen Blick auf die - das Christentum betreffenden - Vorgänge, nachdem die Aufregung vorbei ist, und sucht nach Auskünften für künftige Fälle. In vier Kapiteln entlarvt er in erster Linie die Aufgeregtheit: Er skizziert kurz, warum sich viele gerne als Schatzsucher betätigen, wenige sich um einen Durchblick bemühen und andere der verbreiteten Vorliebe frönen, die eigenen Vorbehalte bestätigt zu sehen. Dann widmet er sich der Beweislage zu den Sachbüchern von Michael Baigent. Der Untertitel dieses zweiten Kapitels, „Warum man bei der Lektüre von Enthüllungsbüchern seinen Verstand nicht abgegeben sollte“, ist Programm, das sicherlich nicht nur theologisch und religionsgeschichtlich wenig Kundige beherzigen sollten. Die elementaren Fiktionen entlarvt der Autor knapp, um dann im dritten Kapitel nachzuzeichnen, warum „Konzilsentscheidungen Sinn machen“. In einer für viele Interessenten klaren Sachkunde und verständlichen Sprache wird auf 60 Seiten aufgezeigt, was eigentlich die Aufgabe der Konzilien zu den verschiedensten Zeiten war, warum Entschlüsse getroffen und an Festlegungen entsprechend nachhaltig festgehalten wurde.
In die Zukunft weist das abschließende kleine Kapitel, in dem Wörther nach den Schwächen der zurückliegenden Diskussion fragt und der katholischen Kirche, ihren Gläubigen und Verantwortlichen Hinweise zum besseren Umgang mit solchen medienöffentlichen Diskussionen vorlegt. Besonderen Wert legt er auf die Feststellung, dass das vorhandene theologische Wissen nachhaltiger in das Glaubensleben der Gemeinden übersetzt werden muss. Nur so kann einer tieferen Verunsicherung vorgebeugt werden. Der Hinweis, dass der Glaube und der Gläubige selbst mit seinen Anliegen Themen setzen sollen, statt auf Themensetzungen anderer zu reagieren, ist die für den Leser durch viele Überlegungen des Autors durchschimmernde Aufforderung.
(Als „Religiöses Buch des Monats“ benennen der Borromäusverein, Bonn, und der Sankt Michaelsbund, München, monatlich eine religiöse Literaturempfehlung, die inhaltlich-literarisch orientiert ist und auf den wachsenden Sinnhunger unserer Zeit antwortet.)