Nocke, Franz-Josef: Liebe, Tod und Auferstehung: die Mitte des christlichen Glaubens
Nocke, Franz-Josef: Liebe, Tod und Auferstehung : die Mitte des christlichen Glaubens.
München: Kösel Verlag, 4., völlig neu bearbeitete Auflage 2004. 279 S.
Nicht selten geraten grundlegende Werke von Theologen in Vergessenheit. Entweder weil sie durch ihre Autoren nicht überarbeitet werden und dann von neueren Publikationen gut ersetzt werden können. Oder auch weil in unserer verbreiteten Suche nach Neuerscheinungen einer überarbeiteten Auflage weniger Beachtung geschenkt wird. Das vorliegende Werk des bis 1998 an der Universität Duisburg lehrenden Professors für Systematische Theologie und Dogmatik hat seit der Ersterscheinung 1978 eine erfolgreiche Wirkungsgeschichte und es lohnt sich, es mit der 4. Auflage - nach einer grundlegenden Überarbeitung - erneut vorzustellen.
Nocke legt kein Lehrbuch, sondern ein Lernbuch im besten Sinne vor. Die eingeflochtenen Lebenszeugnisse des Autors lassen Aspekte seines Glaubensweges erkennen und sie geben Auskunft über die seelsorgliche Begleitung Fragender und Glaubender. Mit dem konzentrierten Blick auf die Liebe, als Mitte und Zentrum des christlichen Glaubens, fragt er nach ihrer Definition zu unterschiedlichen Zeiten einerseits aus der Sicht der Kirche und andererseits aus den Blickwinkeln zeitgenössischer Philosophen und Religionen. Er legt Reflexionen über konkrete Erfahrungen mit Liebe, Freundschaft und sozialem Engagement vor und kontrastiert solche Begebenheiten mit der biblischen Botschaft und der Lehre der Kirche. Dabei wird er der Forderung gerecht, im Interesse einer verständlichen Verbindung von Glaubens- und Alltagserfahrungen - in der Tradition von Rahners Kurzformeln des christlichen Glaubens - zu vereinfachen, wo es um der Verständlichkeit willen notwendig ist. In den drei Hauptkapiteln „Liebe und Selbstverwirklichung“, „Liebe und Tod“ sowie „Auferstehung als Vollendung der Liebe“ entwickelt er in gut nachvollziehbaren Gedankenschritten, ausgehend von einer allgemeinen These, der Behandlung außertheologischer Aspekte und der teils detailreichen Darstellung theologischer Essentials, eine Zusammenfassung in ein mit Alltagserfahrungen geerdeten Ergebnis. Der skizzierte Aufbau des Buches vollzieht die Menschwerdung Jesu in der Krippe und seinen Weg bis zum Opfertod in Jerusalem nach und ermutigt den Leser, die daraus folgende Zusage Gottes an die Menschen anzunehmen und umzusetzen.
Wenn auch für theologisch und philosophisch weniger geübte Leser der Streifzug durch 2000 Jahre Ideen- und Glaubensgeschichte anstrengend sein mag, erst ein konzentrierter Blick auf unterschiedliche Sichtweisen (z.B. das immer wieder versuchte Ausspielen der Liebe als „Eros“ gegen „Agape“) erhellt die auch alltäglichen Facetten der Gottes-, Nächsten- und Eigenliebe, die der Leser nach der Lektüre dieses Werke noch intensiver spüren und leben kann.
(Als „Religiöses Buch des Monats“ benennen der Borromäusverein, Bonn, und der Sankt Michaelsbund, München, monatlich eine religiöse Literaturempfehlung, die inhaltlich-literarisch orientiert ist und auf den wachsenden Sinnhunger unserer Zeit antwortet.)