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Recensions de livres / Buchtipps
Norman, Edward: „Das Haus Gottes. Die Geschichte der christlichen Kirchen.“
Religiöses Buch des Monats August 2005

Norman, Edward: „Das Haus Gottes.
Die Geschichte der christlichen Kirchen.“
Sonderausgabe
München: Bassermann Verlag, 2005. 312 S.

Bücher verhelfen zu einem besseren und intensiveren Verständnis unserer Erlebnisse und neuer Eindrücke. Im Müßiggang von Erholungswochen fühlen wir uns häufiger als sonst im Jahreslauf eingeladen, Gotteshäuser aufzusuchen, Spuren der Vergangenheit zu entziffern und Zeugnisse des heutigen Glaubenslebens zu entdecken. Solche Begegnungen mit Gebäuden, ihren Bildern, Geräuschen und Gerüchen sind oftmals auch Erinnerungen an die familiäre Vergangenheit und führen zur Reflexion eigener Gedanken, des persönlichen Glaubens oder religiöser Erfahrungen an spirituellen Orten.

Diesen alltäglichen Erfahrungen eine gründliche Fundierung zur Seite zu stellen, ist das unzweifelhafte Verdienst des jetzt als (erheblich preisreduzierte) Sonderausgabe vorliegenden Bildbandes, den der englische Historiker Edward Norman erstmals 1990 vorlegte. In zehn Hauptkapiteln stellt er neben architektonischen Entwicklungen primär die zeitgeschichtlichen Verwurzelungen der jeweiligen Neu- und Weiterentwicklung in sakralen Räumen dar. Beginnend mit den Gebäuden im Heiligen Land, die sich bezüglich ihres Standortes sehr an Stationen des Lebens Jesu und biblischer Erzählungen orientieren, legt Norman einen Weg durch die Architekturgeschichte vor, die sich für den religiös interessierten Leser und Betrachter primär an der Frage orientiert, warum und an welchen Orten sich bestimmte Kirchenstile durchsetzten. Inhaltlich gliedern sich die folgenden Kapitel Byzanz, Mönchsleben, Feudalherrschaft, Gotik, Renaissance, Barock, Aufklärung und Wiederbelebung der Gotik in je acht ganzseitige Farbbilder mit ausführlicher Legende und 20seitigem Textteil zum jeweiligen Kapitel, der mit beispielhaften Bildern ausgestattet ist.

Im letzten Kapitel „In der modernen Welt: Die neue Gemeinschaft“ hält der Autor seinen Lesern mit den Bildern zahlreicher nach den Zerstörungen des II. Weltkrieges und den religiösen Aufbrüchen nach dem II. Vatikanischen Konzil entstandener Gebäude einen Spiegel vor. Ausgerichtet auf das Schaffen von möglichst großen Versammlungsräumen für alle Menschen guten Willens und die Öffnung der Kirchenräume auch für nichtliturgische Veranstaltungen entstehen große Le(e)hrräume. In Folge der gesellschaftlichen und religiösen Entwicklungen beginnt zum Ausgang des Jahrhunderts eine Rückbesinnung auf kleine, intime Räume. Die Umgebung kleiner Kapellen und Wegstationen z.B. auf Wallfahrtswegen entwickeln sich zu religiösen Versammlungsorten anderer Art. Der architektonische Verzicht auf Triumphalismus, der durch die offenere Gestaltung von Altarräumen sowie klare und transparente Raumgestaltungen (u.a. durch die Nutzung moderner Baustoffe) möglich wird, sucht bei den kleinen Gebäuden eine Entsprechung in der Weite eines Platzes vor einer polnischen Kapelle oder einem Weg zwischen zwei Wegkreuzen. Die für einen Tag geschaffenen „Gottesorte“ u.a. bei Weltjugendtagen sind besondere Zeugnisse der menschlichen Suche nach religiösen Kristallisationspunkten, die unseren Alltag begleiten und prägen.

(Als „Religiöses Buch des Monats“ benennen der Borromäusverein, Bonn, und der Sankt Michaelsbund, München, monatlich eine religiöse Literaturempfehlung, die inhaltlich-literarisch orientiert ist und auf den wachsenden Sinnhunger unserer Zeit antwortet.)

 
 
 
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