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Recensions de livres / Buchtipps
Notker Wolf, Matthias Drobinski: Regeln zum Leben
Das religiöse Buch des Monats August 2008

Notker Wolf, Matthias Drobinski:
Regeln zum Leben. Die Zehn Gebote – Provokation und Orientierung für heute.
Freiburg: Herder Verlag.

Heutzutage werden Normen und Gesetze oftmals überwiegend in ihrer negativen Bedeutung wahrgenommen, sie werden in erster Linie als Einschränkungen und Einengungen der individuellen Freiheit verstanden und darum von vorneherein eher kritisch gesehen, wenn nicht ganz abgelehnt. Und die Zehn Gebote der jüdischen und christlichen Religion, die bereits vor tausenden von Jahren entstanden sind, haben in den Augen vieler obendrein noch den Mangel, für eine moderne Gesellschaft ohnehin längst hoffnungslos veraltet zu sein. Dieser weitverbreiteten Auffassung gegenüber stellen der Benediktiner-Abtprimas Notker Wolf und der Journalist Matthias Drobinski in ihrem gemeinsamen Buch „Regeln zum Leben“ die Zehn Gebote als eine keineswegs einengende, vielmehr geradezu befreiende Wegweisung dar, die in ihrer zeitlosen Gültigkeit auch nicht veraltet, sondern immer aktuell bleibt, ja in unserer weitgehend orientierungslos gewordenen Gesellschaft sogar eine besondere Aktualität besitzt.
Dabei wissen die Autoren natürlich - und geben dies offen zu -, dass die Zehn Gebote in der Geschichte der Religionen und Konfessionen häufig auch missbraucht wurden - als einschüchterndes, Angst machendes Regelwerk, das nicht nach dem Geist, sondern nach dem Buchstaben ausgelegt wurde und so das Bild eines v.a. fordernden und strafenden Gottes sowie eine Vielzahl an Schuldgefühlen vermittelte. Einem solchen Missbrauch der Zehn Gebote muss nach Meinung der Autoren unbedingt entgegengehalten werden, dass diese Gebote dem Menschen nur dann eine hilfreiche „innere Orientierung“ geben können, „wenn sie einsichtig realisiert werden, wenn es um ihren Sinn geht und nicht um einen Buchstabengehorsam“. Deshalb dürfen die Zehn Gebote auch nicht herausgelöst werden aus dem biblischen Gesamtzusammenhang, der im Ersten wie im Neuen Testament immer wieder von einem Gott spricht, der die Menschen liebt.
Nach einer einführenden kurzen Geschichte der Entstehung und der Rezeption der Zehn Gebote werden die Gebote jeweils einzeln nacheinander betrachtet und in ihrer besonderen Bedeutung für den modernen Menschen erschlossen. So zeigt z.B. das Erste Gebot Gott als eifersüchtigen Gott, der keine Rivalen neben sich duldet – eben weil er die Menschen liebt bis zur Selbsthingabe. Daraus resultiert einerseits der Wahrheitsanspruch der jüdisch-christlichen Religion, deren Grundprinzip damit andererseits jede gewalttätige Intoleranz widerspricht. Von höchst aktueller Bedeutung ist zweifellos auch das Dritte Gebot um die Heiligung des Sonntags, das besonders klar erkennen lässt, inwieweit dieses Gebot für den Menschen nicht Einschränkung, sondern Befreiung ist. Und am Fünften Gebot lässt sich sehr klar erkennen, wie die christlichen Kirchen in unserer Gesellschaft für den Schutz des Lebens in allen Bereichen eintreten - und so einen unverzichtbaren Beitrag leisten, den Menschen von einer reinen Nützlichkeitsethik zu befreien. Die Autoren schreiben bewusst mit sehr klaren, offenen Worten, um einer möglichst großen Leserschaft zu vermitteln, dass die Zehn Gebote, wie der Untertitel des Buches formuliert, beides sind: „Provokation und Orientierung für heute“. Dies zu zeigen, gelingt dem sehr lesenswerten Buch auf eindrucksvolle Weise.

(Als „Religiöses Buch des Monats“ benennen der Borromäusverein, Bonn, und der Sankt Michaelsbund, München, monatlich eine religiöse Literaturempfehlung, die inhaltlich-literarisch orientiert ist und auf den wachsenden Sinnhunger unserer Zeit antwortet.)

 
 
 
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