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Recensions de livres / Buchtipps
Rudolf Hagmann (Hg.): Ich bin ganz Weg. Pilgernd unterwegs.
Religiöses Buch des Monats September 2011

Der Mensch ist von einer tiefen Sehnsucht erfüllt, die sich materiell nie ganz befriedigen lässt. Sie treibt den Menschen hinaus aus dem Alltagstrott, lässt ihn ruhelos aufbrechen und nach dem ganz Anderen suchen - immer wieder. „Unser Herz ist unruhig, bis es Ruhe findet in dir, Gott“, fasst Augustinus diese sehnsüchtige Unruhe zusammen. Für Rudolf Hagmann bildet sie den Antrieb zu pilgern. Er hat in diesem Buch daher Texte zusammengestellt, die diese Unruhe in Worte fassen und ihr eine Richtung geben.

Pilgern heißt für ihn, „die Spuren Gottes entdecken wollen und offen werden für eine Erfahrung, die weit über mich selbst hinaus führt.“ Dass Pilgern und Wallfahren in den letzten Jahren zu einem starken Trend geworden ist, sieht er als Zeichen dafür, dass die Menschen ein neues Gespür für diese sehnsüchtige Unruhe entwickelt haben. In wohltuender Offenheit lässt er alle Motive für eine Pilgerreise gelten: „Vom sportlichen Wandern bis zum spirituellen Abenteuer, vom gedankenlosen Mitlaufen bis zum bewussten Gott-Suchen: Auf den Pilgerwegen unserer Tage ist für alle Menschen Platz.“ - Schließlich könne niemand wissen, welche inneren Prozesse eine solche Reise auslöst.

Doch Hagmann geht es nicht nur um die äußere Pilgerschaft, bei der eine bestimmte Route unter die Sohlen der Wanderstiefel genommen wird, nach Santiago, Rom oder zu einem anderen Wallfahrtsort. Vielmehr hat er auch das Unterwegssein im Alltag oder im Urlaub im Sinn, deren geistliche Dimension er damit ebenfalls erschließt.

Wie ein Mosaik fügen sich die einzelnen Texte, Gebete, Gedichte, Psalmen und Kurzgeschichten zu einem Ganzen, zu einem geistlichen Pilgerweg, gegliedert in die Kapitel „Pilgern“, „Aufbrechen“, „Gehen“, „Dürsten“, „Teilen“, „Tragen“, „Ankommen“ und „Heimkehren“. Sie motivieren zum Aufbruch, lehren den Alltag am Wegesrand abzulegen, um unbeschwert zu wandern, und weisen auf das Ziel jeder Pilgerreise hin, wie diese Zeilen aus einem Gedicht von Dorothee Sölle: „Wir sind unterwegs mit dir Gott, / weil wir dich nie ganz kennen / und du dich immer wieder versteckst / in einem Rosenblatt, / im Lächeln eines Penners / und so mit uns wanderst / und uns das Gehen lehrst / und das Dich Suchen.“

Das Buch ist nicht dazu gedacht, in einem Rutsch gelesen zu werden. Seine Wirkung entfaltet es erst, wenn es Text für Text gelesen wird. Dann bremsen die Texte das eigene Tempo herunter, lassen zur Ruhe kommen in der Unrast des Tages. Man kann die Texte auf dem Weg zur Arbeit lesen, im Stau, beim Warten auf den Flieger oder bei der Rast auf einer Wanderung.

Hagmanns Buch hilft, die Unruhe zu verwandeln, die viele Menschen befällt, wenn der Alltag in gleichförmiger Routine zwischen Arbeit und Freizeit erstarrt zu sein scheint und der nächste Urlaub in weiter Ferne liegt. Und vielleicht inspiriert es den einen oder anderen, aus dem Alltag auszubrechen und zu einem Ziel in der näheren Umgebung zu pilgern.

Rudolf Hagmann (Hg.): Ich bin ganz Weg. Pilgernd unterwegs.
Kevelaer: Topos plus 2011. – 128 S.

Als „Religiöses Buch des Monats“ benennen der Borromäusverein, Bonn, und der Sankt Michaelsbund, München, monatlich eine religiöse Literaturempfehlung, die inhaltlich-literarisch orientiert ist und auf den wachsenden Sinnhunger unserer Zeit antwortet.

 
 
 
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